Polizeihunde-Nachwuchs: so läuft die Ausbildung

Eddy ist ein Belgischer Schäferhund. Wenn der junge Hund den Rasen betritt, dann wird zwar gerne rumgetollt – noch lieber mag er aber die Spiele mit Herrchen Roman Brantner. Die kleine Spürnase macht sich gerne auf die Suche nach versteckten Kleinigkeiten – und lernt so bereits die erste Lektion in der Ausbildung zum Diensthund. „Das Aufstöbern von Gegenständen und ein passives Anzeigeverhalten, wenn er etwas gefunden hat (Sitzen und ein starrer Blick dorthin), sind die ersten Übungen neben den typischen Kommandos ,Sitz‘, ,PLatz‘ und ,Steh‘, die Eddy bereits beherrscht“, erklärt Brantner während er dies am Platz in Jenbach mit seinem neuen Zögling auch gleich demonstriert.

Grundausbildung

Insgsamt rund zwei Jahre wird die Grundausbildung von Eddy dauern, die der Landesausbilder mit ihm absolviert. In dieser Zeit wird der Rüde zu einem Schutz-, Stöber- und Fährtenhund ausgebildet. Gerade jetzt zu Beginn geht es aber vor allem darum, das Vertrauen zwischen den beiden zu festigen – man merkt bereits jetzt, wie fokussiert der Kleine auf sein Herrchen ist. Toll ist es auch, die Motivation und Begeisterung zu beobachten, mit der Eddy seine Aufgaben erfüllt. Neben dem täglichen Training, bei dem wir vorbeischauen durften, stehen zudem monatliche Fixtermine am Programm – und dreimal geht es ins Bundesausbildungszentrum nach Bad Kreuzen in Oberösterreich, wo die Leistungsstandards bewertet werden.

Spezialausbildungen

Nach positivem Abschluss der Grundausbildung steht übrigens noch eine Spezialausbildung am Programm. Eddy wird dabei zu einem Suchtmittelspürhund ausgebildet, so wie Brantners aktueller Einsatzhund Djego von Weinbergland. Tirols Diensthunde können aber auch Ausbildungen zum Leichen- und Blutspurenspürhund, Brandmittel-Spürhund oder Waffen- und Sprengstoffspürhund absolvieren.

 

Einsatzbereit

Erstmals auf Streife gehen darf Eddy aber schon vor der Spezialausbildung, nämlich wenn er von einer Kommission überprüft und als einsatzfähig deklariert worden ist, sprich nach Abschluss der Grundausbildung. Damit wird er den Job von Djego übernehmen, der dann in den wohlverdienten Ruhestand gehen kann und als „Privatier“ weiter bei den Brantners leben wird. Denn eines ist klar: die Hunde sind nicht nur ein Job, sondern eine Lebensaufgabe und wichtiger Teil der Familie. „Es ist ganz wichtig, dass die Familie mit an Bord ist, schon alleine weil die Ausbildung so intensiv ist. Meine Lebensgefährtin kommt aus einer hunde-
sportaffinen Familie, wir haben aktuell fünf Hunde zu Hause, das ist natürlich von Vorteil. Und auch wenn die Hunde sehr durchsetzungsfähig sein müssen, so sind sie doch auch sehr sozial. Djego wächst z.B. gemeinsam mit unserem Sohn auf – wie eine normale Familie, eben nur mit strengeren Regeln“, verrät Brantner.

Strenge Bedingungen

Die Einsätze, die die Hunde absolvieren, sind oft nicht leicht. „Die Hunde sind die Schutzengel unserer Kollegen“, bekräftigt Lintner. Deshalb sind die Leistungsstandards in der Ausbildung und später bei den regelmäßigen kommissionellen Überprüfungen so hoch. Auch haben die Hunde per se eine starke Persönlichkeit und werden auch speziell daraufhin gezüchtet. Andererseits ist die Arbeit im Team auch besonders erfüllend: „Wir haben am 24. Dezember 2019 mit meinem Diensthund Eco eine stark unterkühlte Frau in Hall gefunden und gerettet, das war schon ein besonders schöner Moment“, erinnert sich Lintner.  

Erfolgserlebnisse

Auch Brantner freut sich schon darauf, mit Eddy die ersten Einsätze zu absolvieren: „Das ist durch die viele Übung dann schon so etwas wie Routine und gar nicht mehr so aufregend. Aber was die Hunde schon immer merken, ist der Stolz von uns und unseren Kollegen, wenn sie ihre Aufgabe gut erledigt haben.“  Und Lintner ergänzt: „Natürlich sind Einsätze mit besonders großen Suchtgiftfunden spektakulär. Aber der Stolz von uns Hundeführern ist fast größer, wenn kleine Mengen gefunden werden – immerhin ist das viel schwieriger und eine viel größere Leistung.“

 

Einsätze in Tirol

Konkret wurden Tirols Hundeführerinnen und Hundeführern – insgesamt sind auch vier Frauen und zwei Hündinnen im Einsatz – im Vorjahr zu 5.189 Einsätzen angefordert und sie haben 2.176 Unterstützungsstreifen durchgeführt. 18.193 Stunden waren sie im Einsatz. Die meisten Einsätze waren zur Suchtmittelsuche, aber auch die Suche nach abgängigen Personen hat stark zugenommen. Dieser Trend dürfte auch heuer anhalten. Und damit die Arbeit nicht weniger werden.

Traumjob Hundeführer

Die Arbeit ist also trotz des großen Zeitaufwandes eine sehr spannende. Kein Wunder also, dass die Position des Hundeführers sehr begehrt ist. Aber nicht nur die Hunde werden genauestens ausgewählt, auch Hundeführer zu werden ist eine Herausforderung: „Vorraussetzung sind zunächst zwei Jahre Außendienst, dann gibt es ein Auswahlverfahren mit Hearing, einen psychologischen Eignungstest und einen sportlichen Test. Von Vorteil ist natürlich auch, wenn man Erfahrung im Hundesport hat“, erklärt Lintner. Und selbst, wenn man alle Kriterien besteht, bedeutet das nicht, dass man automatisch gleich Hundeführer wird: Die Warteliste ist lang, Posten werden nicht oft frei und nur an die Besten vergeben – Lintner hat neun Jahre gewartet, Brantner sogar elf Jahre. Dennoch: beide sind nun seit gut 15 Jahren Hundeführer – und haben den Schritt nie bereut.  

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Autor: Alexandra Nagiller, 01.10.2021