"In ihren Dreckslöchern": Rassismus-Eklat erschüttert Uni Innsbruck
Inhalt
- Video mit Aussagen von Ivo Hajnal sorgt für Empörung
- Students for Palestine Innsbruck fordert Rücktritt
- Universitätsleitung steht ebenfalls unter Druck
- Forderung nach Boykott israelischer Universitäten
- Wer ist Ivo Hajnal?
- Bislang keine Stellungnahme der Universität Innsbruck
Vor der Universität Innsbruck haben mehrere Dutzend Studierende und Aktivisten gegen die Kandidatur von Ivo Hajnal als Rektor demonstriert. Organisiert wurde die Kundgebung von Students for Palestine Innsbruck sowie weiteren unterstützenden Gruppen. Die Demonstrierenden fordern den Rückzug des langjährigen Professors aus dem laufenden Auswahlverfahren.
Auslöser der Proteste ist ein online verbreitetes Video, in dem Ivo Hajnal bei Aussagen über Palästinenser und eine palästinensische Studentin zu hören ist. Die Aufnahmen sorgen seit Monaten für Diskussionen und stehen nun erneut im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.
Video mit Aussagen von Ivo Hajnal sorgt für Empörung
In dem online kursierenden Video äußert sich Ivo Hajnal unter anderem zur Nakba 1948, der Vertreibung hunderttausender Palästinenser im Zuge der Staatsgründung Israels. Dabei sagt er: „Ja wenn sie gehen mussten, shit happens, und Israel gibt's weiter.“
Für besonders scharfe Kritik sorgt eine weitere Passage. Über eine palästinensische Studentin erklärt Hajnal, sie könne in Innsbruck studieren, „was sie in ihren Dreckslöchern nicht machen können“.
Die Aufnahmen verbreiteten sich über soziale Medien und wurden von Students for Palestine Innsbruck aufgegriffen. Die Initiative bewertet die Aussagen als rassistisch und islamfeindlich.
Students for Palestine Innsbruck fordert Rücktritt
Die Organisatoren der Demonstration sehen in den Aussagen eine Grenze überschritten. In ihrem Protestaufruf fordert die Gruppe den Rücktritt von Ivo Hajnal sowie eine öffentliche Entschuldigung gegenüber der betroffenen Studentin.
„Keine öffentlichen Anstellungen mehr für Menschenfeinde“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative. Die Aktivisten kritisieren, dass sich palästinensische und muslimische Studierende durch derartige Aussagen ausgegrenzt und herabgewürdigt fühlen könnten.
Zudem verlangen die Demonstrierenden eine klare Positionierung der Universität Innsbruck zum Umgang mit Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Religion.
Universitätsleitung steht ebenfalls unter Druck
Die Kritik richtet sich mittlerweile nicht nur gegen den Rektorkandidaten der Universität Innsbruck, sondern auch gegen die Hochschulleitung. Nach Angaben der Organisatoren seien die Videoaufnahmen innerhalb der Universität bereits seit längerer Zeit bekannt gewesen.
Eine öffentliche Aufarbeitung oder Stellungnahme habe es bislang jedoch nicht gegeben. Auch bei der öffentlichen Anhörung der Rektoratskandidaten am 17. Juni seien Fragen zu den Aussagen laut den Demonstrierenden nicht behandelt worden.
Mit der Kundgebung wollten die Teilnehmer den Druck auf die Universitätsleitung erhöhen und eine öffentliche Diskussion über den Fall erzwingen.
Forderung nach Boykott israelischer Universitäten
Neben dem Rückzug von Ivo Hajnal fordern die Veranstalter auch einen akademischen Boykott israelischer Universitäten. Zur Begründung verweisen sie auf eine aus ihrer Sicht bestehende Mitverantwortung israelischer Hochschulen für die Politik Israels im Gazastreifen.
Wer ist Ivo Hajnal?
Ivo Hajnal ist seit 2001 Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck. Der Sprachwissenschaftler war viele Jahre Vorsitzender des Senats und zählt zu den bekanntesten Wissenschaftlern der Hochschule. Zudem ist er Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Aktuell kandidiert Hajnal für das Amt des Rektors der Universität Innsbruck. Die Proteste fallen damit mitten in das laufende Auswahlverfahren für die künftige Universitätsleitung.
Bislang keine Stellungnahme der Universität Innsbruck
Vonseiten der Universität Innsbruck lag zunächst keine aktuelle Reaktion auf die Demonstration vor. Auch zu den Aussagen im Video gab es vorerst keine öffentliche Stellungnahme.
Der Fall sorgt damit ausgerechnet während des laufenden Rektoratsverfahrens für erhebliche Unruhe an der Universität Innsbruck. Während die Protestierenden Konsequenzen fordern, wächst der Druck auf die Hochschulleitung, öffentlich Stellung zu beziehen.