Interview mit Markus Linder: Kultur in Coronazeiten

Corona hat die Kulturbranche schwer getroffen. Wie ist Dein Jahr im Rückblick verlaufen?

Ich habe das Jahr als Künstler wie eine Wellenbewegung erlebt: im März von 100 auf Null, dann von Juli bis September drei gute Monate, dann wieder weniger und jetzt wieder Null. Was mich optimistisch stimmt: Kleinkunst hat auch mit strengen Regeln toll funktioniert. Mein Appell an die Politik: gebt uns Regeln, wir setzen alles um - aber lasst uns arbeiten! Wie wichtig ist Humor in Zeiten wie diesen? Markus Linder: Absolut wichtig - das habe ich auch im Sommer gesehen: wie befreit Leute lachen können, wenn sie zwei Stunden nichts mehr von Corona hören. Das thematisiere ich nämlich nicht.

Apropos Sommer - Das New Orleans Festival ist heuer ja in verkleinerter Form über die Bühne gegangen.

Eigentlich war es heuer ganz etwas anderes, nicht ein „Fest für Arme“, wie manche gemeint haben. Denn so ein Festival gibt es auch in New Orleans, mit kleinen Bühnen überall in der Stadt verteilt. Und das haben wir diesmal auch versucht, mit zwölf Konzerten, immer donnerstags, an verschiedenen Standorten in Innsbruck. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Man kann entweder kompromisslos sein Ding durchziehen oder kreativ mit der Situation umgehen - und das war sicher die bessere Variante. Die Konzerte sind sehr gut angekommen - das gibt uns recht.

Vorbereitungen für solche Festivals dauern ja immer - Du hast also recht schnell im ersten Lockdown reagiert.

Zunächst mal bin ich auch voll runtergebremst worden – immerhin war ich voll ausgebucht. Aber ich habe bald die drei mythischen Worte entdeckt: Die Zeit danach. Und bis es soweit ist, nütze ich eben die Zeit.

Auch für die Planung des nächsten Festivals?

Es gibt Plan A und Plan B. Wenn amerikanische Gaststars kommen können, dann wird es ein großes New Orleans Festival geben, ansonsten ein French Quarter Festival - wir haben in Tirol so tolle Künstler, dass das auf jeden Fall fantastisch und zum Mitswingen wird.

Eine virtuelle Bühne war nie für eines Deiner Projekte ein Thema?

Für ein ganzes Programm nicht, hin und wieder hab ich ein paar Sequenzen online gestellt. Aber ich brauche den Kontakt zum Publikum. Das fühlt sich wie ein Vakuum an. Schön ist aber, dass man sich virtuell gut austauschen kann mit den Kollegen. Wir sitzen schließlich alle im gleichen Boot. Leider gibt es keine starke Interessensvertetung, das macht die Situation nicht gerade leichter. Undzwar nicht nur für uns Künstler, da geht es auch um Ton- undLichttechniker, Veranstalter, Caterer etc.

Vielleicht ist jetzt ja auch die Zeit, kreativ etwas Neues zu probieren?

Das tue ich in der Tat: Ich schreibe an meinem Soloprogramm „O Solo Mio“ und dem gemeinsamen mit Hubsi Trenkwalder weiter. Daneben komponiere und texte ich. Aber ich lade auch andere Texter ein und vertone dies dann. Das ist sehr spannend. Zudem versuche ich mich an Hochdeutsch. Und: Ich habe begonnen meine Erlebnisse aus dem Showbiz aufzuschreiben. Das wird wohl ein skurriles Büchlein. Schon unglaublich, was alles passiert ist - schon vor Corona.

Autor: Alexandra Nagiller, 14.12.2020