Höttinger Alm: Zu Besuch beim Hüttenwirt

Seit fast 20 Jahren bist Du auf der Höttinger Alm. Davor warst Du ja eher am Wasser heimisch. Wie bist Du am Berg gelandet?
Das war eine Spontanbewerbung, und eigentlich hab ich gar nicht mit dem Zuschlag gerechnet – ich hab sogar dagegen gewettet (lacht). Und das stimmt, eigentlich komm ich vom Windsurfen. Das Headquarter zur Windsurfausbildung war in Innsbruck. Von da bin ich dann im Ötztal beim Wassersport gelandet und war im Winter Skilehrer am Arlberg. Dann folgte die Skischule auf der Nordkette und am Patscherkofel. Damit war die Höttinger Alm quasi vor der Haustüre. Und so bin ich hängen geblieben.

Wie waren die ersten Jahre?
Im ersten Jahr hatten wir nicht einmal Strom, nur ein Gaslicht und zwei Gaskühlschränke. Das war schon abenteuerlich. Damals waren es übrigens noch mehr Wanderer als Radler, die auf die Höttinger Alm kamen, jetzt ist es ja umgekehrt. Und durch den E-Bike-Boom waren es heuer nochmal deutlich mehr.

Und auf der Alm wollen alle natürlich etwas Gutes zum Essen.
Groß muss die Karte gar nicht sein. Wir kochen schließlich noch immer mit dem Holzherd. Da geht ein Kaiserschmarrn z. B. nicht, weil ich immer eine Pfanne und Platz am Herd brauche. Aber legendär sind unsere Kaspressknödel, viele kommen nur deshalb hierher.

Verrätst Du Dein Geheimrezept?
So geheim ist das gar nicht. Wir verwenden für die Knödel kein Mehl, sondern ein paar Eier mehr, damit sie kleben. Und wir nehmen deutlich mehr Käse als Knödelbrot. Das bedeutet zwar mehr Wareneinsatz als auf so manch anderer Alm. Aber es muss schmecken. Die Leistung, das Service und der Preis müssen passen.

Also nie ein Experiment auf der Karte?
Doch! Anfangs hab ich gedacht, dass gerade Sportler g‘scheit Kohlenhydrate brauchen und hab Nudeln serviert. Das wollten die Leute aber nicht. Also wieder zurück zu Knödel und Graukas. Und eine Fritteuse kommt mir sowieso nicht in die Alm. Eine Alm mit Fritteuse ist keine Alm, sondern ein Gasthaus.

Legendär sind ja auch Deine Hochlandrinder.
Anfangs waren die Leute nicht begeistert. Aber die Tiere passen ideal: Es gab noch nie einen Absturz, sie sind extrem gutmütig – und sie „mähen“ meine Wiesen.

Heute hast Du Deinen 66. Geburtstag gefeiert. Wie lange bleibst Du noch auf der Höttinger Alm?
Ich habe noch für zwei Jahre um die Pacht angesucht. Dann sehen wir weiter.

Autor: Alexandra Nagiller , 15.09.2020