Harald Windisch: Ein Tiroler im Rampenlicht

Du warst heuer für eine ROMY in der Kategorie „Beliebtester Schauspieler in einem Kino/TV-Film“ nominiert. Und zwar für den Thriller „Wiener Blut“ und das Historiendrama „Ein Dorf wehrt sich – Das Geheimnis von Altaussee“. Macht Dich das stolz?
Es freut mich, dass es für zwei Filme war mit zwei sehr unterschiedlichen Rollen. Es ist eine Belohnung und Bestätigung für meine Arbeit. Stolz bin ich aber eher, wenn meine Kinder etwas erreichen.

Bis man soweit kommt, ist es sicher ein langer Weg.      
Die Entwicklung in den letzten zehn Jahren hat mich schon überrascht. Denn plötzlich waren da so tolle Möglichkeiten. Claus Peymann war damals in Innsbruck tätig und hat mich für ein Theater in Berlin engagiert. Dann war das Engagement in der Josefstadt in Wien, wo ich Kasimir in „Kasimir und Caroline“ spielen durfte. Und dann war die James Bond-Geschichte mit dem Dreh in London – unglaublich, dass ich bei „Spectre“ dabei sein durfte, auch wenn nur mit einer kleinen Rolle.

 

Welche Rolle hat für Dich eine besondere Bedeutung?
Ich denke ganz gerne von Arbeit zu Arbeit. Jede Aufgabe ist von kreativem Interesse. Ich bleibe mir selbst treu und versuche mit jeder Rolle etwas Neues zu entwickeln. und mich nicht zu wiederholen. Es gibt natürlich Filme wie „Maximilian“, die in Erinnerung bleiben. Sich gut ein halbes Jahr als Ritter zu verkleiden – mit Schwert und Rüstung, Narben im Gesicht und Extensions – und Reiten zu lernen, das war schon was Besonderes.

Vor dieser Zeit hast Du eine Auszeit genommen und zwei Jahre als Skilehrer gearbeitet. Warum?
In den Nuller-Jahren war ich mir nicht sicher, ob die Schauspielerei wirklich das ist, was ich machen will. Es ist beruflich nicht gut gelaufen und dann kam unser erstes Kind. Es ging darum, Verantwortung zu übernehmen und nicht auf große Rollen zu warten. Und dann hab ich am Kellertheater in Innsbruck im „Gigli Konzert“ gespielt. Das hat mir die Augen geöffnet für den Beruf, die Berufung, die Leidenschaft, die dahinter steckt.

Spielst Du lieber lockerere oder ernste Rollen?
Ich spiele tendenziell immer ernstere Rollen. Deshalb bin ich jetzt froh über meinen Part in „Walking on Sunshine“. Neben den ersten Geschichten im Drehbuch kann man hier auch das Komödiantische etwas bedienen, das ist schön. Im August haben die Dreharbeiten für die dritte Staffel begonnen.

Wie voll ist Dein Terminkalender aktuell?
Harald Windisch: Corona hat für einen extremen Rückstau gesorgt und ist jetzt eine logistische Herausforderung. Meine ersten Drehtage heuer waren im August für „Märzengrund“ von Adrian Goiginger. Nach unserem Gespräch geht es nach Südtirol für Dreharbeiten zum Zweiteiler „Il Pastore“ mit Tobias Moretti, dann geht es nach Wien für „Walking onn Sunshine“, dann geht es wieder nach Bozen. Drei Produktionen musste ich leider absagen, weil es sich einfach nicht mehr ausgegangen ist. Das ist aktuell eine große Herausforderung für die gesamte Branche.

Wann sehen wir Dich das nächste mal im TV?
Das letzte, das ich vor Corona fertig gedreht habe, war für den ZDF der Ostfrieslandkrimi. Auf diese Rolle bin ich stolz, weil es keine österreichische Co-Produktion ist, in der ja immer auch automatisch österreiche Schauspieler eingeplant werden. Sie haben sich also bewusst für mich entschieden. Und ich kann soviel verraten: das ist eine starke Geschichte, sehr spannend.  

Du spielst wieder den Bösewicht. Was ist so reizvoll daran?
Er ist zwar böse, aber er versucht sich zu läutern – und er wird dann zu Bösem gezwungen. Also ganz so einfach ist es oft nicht. (lacht) Aber Fakt ist: In unserer Serienlandschaft gibt es viele Krimis. Die Rollen der Kommissare sind meistens schon fix, da bleibt als größere Rolle fast nur der Bösewicht. Ich bin froh, dass ich inzwischen auch mehr Filme drehe, da gibt es eine viel größere Bandbreite. Aber ich muss zugeben, dass ich auch von meiner Familie manchmal höre, warum ich immer die Bösen spiele. Dabei finde ich diese meistens gar nicht so böse, sie sind Opfer der Umstände.

Deine Wurzeln liegen im Theater. Vermisst Du die Bühne?
Wenn man vom Theater kommt, dann sehnt man sich danach. Deshalb bin ich auch froh über ein spezielles Projekt: Seit 2013 spielen wir zu sechst jedes Jahr im Werk-X in Wien „Gegen die Wand“, nur eben heuer leider nicht. Aber es stimmt schon, ich ertappe mich dabei, zu denken:  „Ich bin noch fit für die Bühne, ich kann mir Text merken und ich spiele gerne vor Leuten. Warum also nicht wider?“ Es ist einfach anders. Beim Film hast Du Deine Rolle beim Drehstart verinnerlicht, beim Theater ist das eine Entwicklung, man baut die Figur neu auf. Das gefällt mir.

Können wir Dich in Tirol wieder einmal sehen?
Das würde mich sehr reizen. Aber der Terminplan ist derzeit richtig eng. Florian Eisner hat mich vor einem Jahr gefragt fürs Kellertheater. Aber das wäre Jänner bis März. Diese Zeit nütze ich für die Familie, zum Schifahren, Eislaufen und Rodeln. Ich bin in der glücklichen Lage, mir das einzuteilen. Klar hätte es mich gereizt, aber Familie ist auch wichtig.

Autor: Alexandra Nagiller , 30.09.2020