Früher war alles besser? Wissensvermittlung

Noch nie war es so einfach, schnell und problemlos an eine große Fülle von Wissen, Informationen und Nachrichten zu kommen. Nicht nur, dass wir über Telefon, Chats und E-Mails rasch mit unserem Umfeld in Kontakt treten können, mit dem Internet steht uns auch ein schier unbegrenztes Medium an Wissen zur Verfügung, das uns dank Smartphone auch unterwegs und mittlerweile fast in jedem Winkel der Welt zur Verfügung steht. Die Krönung sind schließlich Nachrichten in Echtzeit, die uns über Social Media Accounts wie Instagram, Twitter und Co. erreichen. Dass diese niederschwellige Informationsbeschaffung enorme Vorteile mit sich bringt, ist klar – gerade die Corona-Krise macht zum Beispiel deutlich, wie wichtig es ist, so rasch wie möglich über neueste Fälle und Cluster informiert zu werden, um entsprechend darauf reagieren zu können.

Nachrichten checken übers Handy

Fake News & Co. 

Diese Fülle an Nachrichten, Wissen und Informationen birgt aber nicht nur Vorteile. Denn je mehr ungefilterte Infos auf uns einprasseln, desto schwerer tun wir uns zwangsläufig, diese zu verarbeiten, zu kategorisieren und zu bewerten. Zudem besteht die Gefahr von massiven Falschmeldungen und Fake News, da zum einen Infos sowie Bild- und Videomaterial problemlos verfälscht werden können, zum anderen absolut jeder Informationen und Berichte ins Netz stellen kann – ob der Urheber nun einfach nur ahnungslos ist, bewusst Falschmeldungen streut oder, im schlimmsten Fall, Verschwörungstheorien in Umlauf bringen möchte.

Seriöse Medien. 

Wie man aus der Fülle des Angebots seriöse Nachrichten selektiert, erklärt Natascha Zeitel-Bank, Senior Lecturer am Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation der Uni Innsbruck: „Es sollte auf Medien geachtet werden, die die sogenannten ,Objektivitätsregeln‘ befolgen. Dazu gehören Faktenwahrheit & -check, Nachrichten- bzw. Quellentransparenz, Meinungsvielfalt & Ausgewogenheit, Trennung von wertungsfreien Nachrichten und Kommentaren. Qualitätsmedien sind besonders in Krisenzeiten ein gewisser Garant für geprüfte und professionell aufbereitete Information. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von ,Public Value‘, also dem Wertbeitrag und Nutzen, der für eine Gesellschaft erbracht wird.“

Natascha Zeitel-Bank, Senior Lecturer am Institut für Medien, Gesellschaft & Kommunikation Uni Innsbruck

Nachrichten in Krisen-Zeiten – Kommentar von Natascha Zeitel-Bank, Senior Lecturer am Institut für Medien, Gesellschaft & Kommunikation Uni Innsbruck

Krisen Krisen schaffen Unsicherheit und Angst. Die Menschen haben ein erhöhtes Informationsbedürfnis und suchen dabei nach nachvollziehbaren Erklärungen für die Ursachen der Krise. Dabei spielen die Nachrichtenfaktoren Einfachheit, Identifikation und Sensation eine besondere Rolle. Emotionen sorgen für Aufmerksamkeit und so für Weiterverbreitung der Information. Krisen sind immer auch der Nährboden für Fake News, Verschwörungstheoretiker und Stereotypisierungen. Eine Studie des EU-Parlaments besagt, dass beispielsweise sechs von zehn Nachrichten von den Nutzern nicht einmal richtig gelesen werden, bevor diese geteilt werden. Umso wichtiger ist es, dass Qualitätsmedien schnell und offensiv gerade im Netz reagieren. Etablierte Medien können dabei mit einem bestehenden und erfahrenen Experten- bzw. Korrespondentennetz punkten. Aber auch der Konsument ist angehalten, einige Faustregeln zu beachten: 1. Inhalt/Quelle: Ist die Quelle bekannt, die URL nachvollziehbar? Wer steht im Impressum und ist verantwortlich für den Inhalt? 2. Gegencheck: Wer berichtet noch darüber? Sind die erwähnten Personen tatsächlich Experten auf ihrem Gebiet und bekannt? 3. Vor dem „Weiterklick“ nachdenken. Auf Fake News im Freundes- und Bekanntenkreis aufmerksam machen. 

Litfaßsäulen sind noch heute Anschlagtafeln

Wissensvermittlung „Damals“. 

Lexika und Fachzeitschriften, Bibliotheken und Tageszeitungen, Litfaßsäulen und Gemeinde-/Kirchenaushänge, später dann auch Radio- und TV-Nachrichten, wobei letztere nur einmal am Tag über den Schwarz-Weiß-Bildschirm des Röhrenfernsehers flimmerten – wer kann sich noch an die Zeit erinnern, in der dies die Medien und Horte der Nachrichten- und Wissensvermittlung waren? Das mehrbändige Nachschlagewerk „Brockhaus Enzyklopädie“, dessen erster sechsteiliger Bandzyklus 1796 bis 1808 erschienen ist, galt z. B. lange Zeit als Inbegriff des Wissens – am 30. Juni 2014 aber, nach 21 Auflagen, wurde die gedruckte Enzyklopädie eingestellt. Online gibt es den Brockhaus übrigens noch heute. Eine weitere Quelle des Wissens waren seit jeher Bibiliotheken. Die Uni- und Landesbibliothek Tirol in Innsbruck ist die größte wissenschaftliche Bibliothek Westösterreichs und umfasst heute 3,5 Mio. Bücher, knapp 25.000 lizenzierte E-Journals und E-Zeitungen und über 40.000 E-Books. Gegründet wurde die Uni-Bibliothek Innsbruck am 22. Mai 1745 druch einen Erlass von Maria Theresia, allerdings schon damals als eine „Bibliotheca publica“, womit sie nicht nur Universitätszugehörigen zugänglich war.

Unibibliothek Innsbruck in den 1940er Jahren

Wussten Sie, dass. . . 

. . . als Geburtsjahr des Internets das Jahr 1969 gilt? Am 29. Oktober 1969 wurde nämlich das Arpanet
als Vernetzung von Großrechnern in
 amerikanischen Universitäten genutzt.
. . . das World Wide Web 1989 als Projekt an der Forschungseinrichtung CERN entstanden ist?

. . . 1997 der WAP 1.0-Standard veröffentlicht wurde, durch den man erstmals vom Handy aus aufs Internet zugreifen konnte?
. . . 2001 Wikipedia gegründet wurde?

Autor: Manuela Fritz , 31.08.2020