Früher war alles besser? – Die große Welt der Spiele

Aufgeregtes Kramen im Legohaufen auf der Suche nach dem einen passenden Steinchen, fröhliches Kinderlachen beim Blinde-Kuh-Spiel in der Gasse nebenan, kreative Rollenspiele im gut ausgestatteten Kaufladen – erinnern Sie sich noch an Ihre liebsten Spiele in Ihrer Kindheit? Auch wenn die Welt der Spiele gerade in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches angewachsen ist, hat sich im Wert des Spielens und an der Freude daran wohl wenig verändert.

Übrigens: Wussten Sie, dass Lego 1932 vom dänischen Tischler Ole K. Christiansen zur Herstellung von Holzspielzeug gegründet wurde? Lego leitet sich ab vom Dänischen „Leg godt“, was „spiel gut“ bedeutet. Heute ist Lego mit einem Umsatz von ca. 6 Milliarden Euro (2019) der größte Spielzeughersteller der Welt. 

Wertvolles Spielen 

Dass Spielen für die Entwicklung des Kindes von allergrößter Bedeutung ist, bestätigt Psychologin und Landesleiterin Rainbows-Tirol Barbara Baumgartner: „Beim Spielen wird die Entwicklung aller Bereiche vorangetrieben. Kinder bis sechs Jahre spielen bis zu acht Stunden am Tag – und das ist gut so.“

Umsatzbringer

Verständlich also, dass Spielwaren einen großen wirtschaftlichen Faktor darstellen: Der prognostizierte Umsatz im Bereich Spielzeug & Spiele beträgt 2020 Österreichweit rund 829 Mio. Euro – jeder Österreicher gibt demnach im Jahr ca. 92 Euro für Spielwaren aus.  

Gespielt wurde immer 

Doch wie war es früher, als Kinder noch intensiv am elterlichen Hof oder in der Werkstatt mithelfen mussten – hatten auch sie Gelegenheit zu spielen? „Dass Kinder gar nicht spielen, gibt es eigentlich nicht. Sie finden und fanden immer einen Weg, die Welt ,spielerisch‘ zu entdecken. Selbst arme Bauernkinder haben Zeit zum Spielen gefunden – auch wenn sie sich ,nur‘ mit Naturmaterialien wie Steinchen oder Stöcken beschäftigt haben“, weiß Baumgartner und ergänzt: „Die Anforderungen an Kinder haben sich aber verändert. Mussten Kinder früher schneller erwachsen werden, dürfen sie heute hingegen länger Kind bleiben. Allerdings werden heute zum Beispiel in Schulen höhere Ansprüche an sie gestellt als früher. Wichtig ist aber immer, sie so lange spielen zu lassen, wie sie wollen – selbst Erwachsene spielen gelegentlich immer noch gerne.“

Berühmte Spielklassiker

Eines Eines der wohl ältesten Spiele, die heute noch gespielt werden, ist Schach – sein Vorläufer, das indische Chaturanga, geht bis auf 600 nach Christus zurück. Jünger, aber dafür nicht minder berühmt, ist Monopoly, das weltweit beliebtestes Familienspiel. Heute gibt es über 300 verschiedene Monopoly-Editionen und es wurde schon an den ungewöhnlichsten Orten gespielt, ob im Feuerwehrauto, im Atom U-Boot oder im Weltall. Seinen 30. Geburtstag feiert heuer ein mindestens ebenso beliebtes Spiel: Activity, das 1990 im Wiener Spieleverlag Piatnik erschienen ist.

Computerspiele – gut oder böse? 

Computerspiele sind heute kaum mehr aus Kinderzimmern wegzudenken. Sind sie aber wirklich so „böse“? „Computer sind Teil unserer Welt, auch Kinder müssen den Umgang mit ihnen lernen. Allerdings immer in einem gesunden Maß, und es gilt: je jünger ein Kind ist, desto weniger Virtuelles braucht es. Und je nach Videospiel wird auch z. B. das räumliche Denken gefördert,“ erklärt Expertin Baumgartner. 

Ein Blick zurück: Computer erobern die Spielewelt

Wer erinnert sich noch an das tischtennisähnliche Videospiel „Pong“? Es wurde 1972 von Atari veröffentlicht und gilt als erstes Videospiel der Geschichte. Durch die Einführung von Home- & Personal Computern in den 1980ern hielten vermehrt Computerspiele Einzug, 1983 erschien die erste Nintendo-Spielkonsole. Als im Herbst 1990 der Gameboy auf den europäischen Markt kam, gab es für Super Mario, Tetris und Co. endgültig kein Halten mehr. Tetris übrigens ist heute immer noch das meistverkaufte Computerspiel der Geschichte.

Kurzinterview mit Barbara Baumgartner

Wie wichtig ist das Spielen für die Kindesentwicklung?
Essenziell! Generell lernen Kinder im Spiel, die Welt zu entdecken und zu meistern. Wenn sie etwas schaffen, stärkt das ihr Selbstbewußtsein. Und das wiederum ermöglicht später dann ein selbstbestimmtes Leben.

Welches Spielen fördert was?
Jede Art von Spielen ist wichtig und treibt die Entwicklung voran, ob fein- oder grobmotorsiche, emotionale oder soziale, körperliche oder geistige Fähigkeiten. Freies Spielen z. B. fördert die Kreativität, vorgegebenes hingegen, sich an Regeln und Grenzen zu halten. Rollenspiele fördern soziales Verhalten und das Sich-in-andere-Hineinversetzen, körperliche Spiele oder Raufen helfen, Stress abzubauen und seine Grenzen auszuloten und zu erkennen. Und während Kinder beim gemeinsamen Spiel soziale Kompetenzen stärken, ist alleine spielen mindestens ebenso wichtig – denn dann kommt das Kind zur Ruhe und kann Alltag und Streß verarbeiten.

Gibt es ein Zuviel an Spielzeug?
Allerdings, denn damit wird das Kind überfordert. Gemeinsames Spielen und Zeit der Eltern ist auf jeden Fall wichtiger, als die fünfte Puppe.

Barbara Baumgartner
Autor: Manuela Fritz, 17.12.2020