Was macht eigentlich ein Wassersommelier?

Jetzt mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal ein Glas Wasser getrunken? Vermutlich ist das noch gar nicht so lange her. Schnell zum Kaffee, zwischen zwei Mahlzeiten oder abends vor dem Schlafengehen: Wasser ist in unserem Leben allgegenwärtig. Jeder von uns braucht es und jeder trinkt es. Zeit also, sich einmal genauer anzusehen, woher unser Wasser eigentlich stammt.

In der Steiermark gibt es eine Vielzahl kleinerer und größerer Quellen. Aus manchen von ihnen sprudelt das Trink- und Mineralwasser bereits seit Jahrhunderten hervor. Die Abfüllung erfolgt meist direkt vor Ort und wird fallweise durch das Hinzufügen von Kohlensäure ergänzt. Je nach Mineralisierung der Quelle kann man außerdem zwischen natürlichem Mineralwasser, Trink-, Quell- und Heilwässern unterscheiden. Letztere zeichnen sich durch einen besonders hohen Anteil an Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium oder Eisen aus. Zum täglichen Trinken eigenen sie sich jedoch genauso gut wie die weniger mineralisierten Wässer. Der Unterschied macht sich jedoch im Geruch, im Geschmack und in der Wirkung bemerkbar.

Wassersommelière Gerlinde Mock verrät, worauf es dabei ankommt.

Was macht man eigentlich als Wassersommelier?
Im Grunde sind die Aufgabenbereiche sehr ähnlich wie bei Weinsommeliers. Man macht also aufmerksam auf die unterschiedlichen Wasserarten, kümmert sich in der Gastronomie um die Wasserkarte oder gibt Empfehlungen ab. Welches Wasser passt zum Beispiel als Aperitif, zu den einzelnen Menügängen, zum Wein, als Digestif oder zum Kaffee. Im Grunde ist es ein sehr breit gefächertes Repertoire.

Welche Nuancen unterscheidet man da?
Im Prinzip sagt man immer: Wasser ist geruchs- und geschmacksneutral. Aber spätestens nach der ersten Verkostung merkt man dann, dass sich unterschiedliche Wässer sowohl im Geruch als auch im Geschmack voneinander unterscheiden. Der Grund dahinter ist die Mineralisierung: Die Gesteinsschichten, die das Wasser durchläuft, reichern es mit unterschiedlichen Mineralien an. Und diese Mineralien kann man interessanterweise erschmecken. Natrium ist an einer feinen Salzigkeit am Gaumen erkennbar, Kalzium wirkt leicht austrocknend und Magnesium vermittelt einen bitter-süßen Eindruck. Das ist total spannend. Oder auch vom Geruch her: Sicheldorfer Heilwasser ist an einer typischen Jodnote in der Nase erkennbar, Peterquelle aufgrund einer salzig anmutenden Komponente. So hat jedes Wasser irgendwas Besonderes.

Woran erkennt man denn ein richtig gutes Wasser?
In Österreich haben wir wirklich ausgezeichnete Wässer. Das erkennt man immer am frischen Geschmack und es ist ähnlich wie bei Bier oder Wein:  Man nimmt einen Schluck und es riecht angenehm, es schmeckt angenehm und man hat auch Lust, es sensorisch zu erforschen. Es animiert auf jeden Fall zu einem weiteren Schluck.

Das steirische Wasser begeistert mit seiner Vielfalt.

Was macht das steirische Mineralwasser aus?
Das größte Plus in der Steiermark ist diese Vielfalt an unterschiedlichen Wässern. Von leicht mineralisierten Wässern mit weniger als 500 mg Mineralstoffe pro Liter über mittel mineralisierte Wässer bis hin zu hoch mineralisierten Wässern mit über 1.500 mg an Mineralstoffen pro Liter bietet die Steiermark eine große Bandbreite an Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten. Vom Aperitif bis zum Digestif, zur Zubereitung von Kaffee, Tee, korrespondierend zu Wein oder Spirituosen … Sie alle lassen sich ganz wunderbar pur trinken, man kann sie aber auch gut mischen.

Und welches Wasser schmeckt Ihnen persönlich am besten?
Das kann ich nur schwer beantworten, weil es immer situationsbezogen ist. Es kommt immer auf das Ziel an: Trinke ich das Wasser begleitend zu einem Menü? Möchte ich meinen Mineralstoffhaushalt optimieren oder soll das Wasser als alkoholfreier Digestif nach einem üppigen Essen zum Einsatz kommen? Je nachdem entscheide ich mich dann. Die steirischen Wässer verbinden auf jeden Fall Gesundheit mit Qualität, Genuss, Kulinarik, Regionalität und Nachhaltigkeit. Das ist für jeden Bedarf etwas dabei.

Info

Aufgrund der hohen Qualität ist das steirische Wasser auch international sehr gefragt und wird häufig für die Herstellung anderer Produkte wie etwa Bier oder Kaffee verwendet. Wer  Lust bekommen hat, sich durch das kristallklare Nass zu kosten, kann sich direkt an Gerlinde Mock wenden (gerlinde.mock@gmx.at) Wir versprechen so manche gustatorische Überraschung.

Autor: Elisabeth Stolzer, 28.10.2020