Sind wir nicht reif für den schwedischen Weg?

Während die ganze Welt Lockdowns und restriktive Beschränkungen einführte, ging ein kleines skandinavisches Land, das sich dem Panikmodus konsequent entzog, einen anderen Weg. In Schweden setzt man seit Beginn der Pandemie auf Freiwilligkeit und den Schutz gefährdeter Gruppen. Dieser Weg wurde hart kritisiert und führte zunächst auch zu einer im Vergleich hohen Sterblichkeit.

Nun, momentan scheinen die Schweden auf der Corona-Siegerstraße zu sein. Während nämlich in praktisch allen Lockdown-Ländern die Corona-Zahlen in die Höhe schnellen und man von einer zweiten Welle spricht, bleiben die Zahlen der Infizierten in Schweden konstant niedrig. Offensichtlich ist dort tatsächlich so etwas wie Herdenimmunität eingetreten. Leider reagiert man in Österreich auf die steigenden Zahlen gleich wie im März. Man setzt betretene Mienen auf und gibt salbungsvolle Pressekonferenzen, bei denen man mit der Einführung von Restriktionen droht und diese dann auch tatsächlich umsetzt. Koste es, was es wolle! Währenddessen macht sich in der Gesellschaft ein unsympathisches „Vernaderertum“, das an dunkle Zeiten erinnert, breit. Wer hat wo eine Party gefeiert. Wer hat wo seine Maske nicht vorschriftsmäßig getragen. Die böse Jugend, die bösen Urlauber, die bösen Städter sowieso. Das sind die Fragen, die uns zunehmend beschäftigen. Ganz zu schweigen von den Verschwörungstheorien, die in die Mitte der Gesellschaft vordringen und drohen, uns in die Glaubenswelt des Mittelalters zurück zu katapultieren.

Dabei sollten wir uns fragen, warum uns die Regierung den Weg der schwedischen Freiwilligkeit nicht zutraut. Wir sollten uns fragen, ob Beschränkungen und Verbote uns tatsächlich in die richtige Richtung führen. Und wir sollten uns fragen, warum der schwedische Weg kategorisch abgelehnt wird.

Autor: Robert Eichenauer , 12.09.2020