Seht's Leitln, des is halt der steirische Brauch

Viele Bräuche markieren einen wichtigen Zeitpunkt im Jahr. Besonders die Adventzeit und der Jahreswechsel werden in den verschiedenen steirischen Regionen mit traditionellen Ritualen, Mahlzeiten oder Gestalten begangen. Doch warum sind diese Brauchtümer für uns so wichtig? Jörg Pfeifer von der Thermenregion Bad Gleichenberg, erklärt es so: „Gerade in turbulenten Zeiten suchen Menschen nach Orientierung. Traditionen und lang gelebte Bräuche geben Konstanz und Sicherheit und sind dadurch extrem wichtig in unserer Gesellschaft.“

Schladming

„Ein typischer Brauch in Schladming und im Oberen Ennstal rund um die Weihnachtszeit ist das Backen des sogenannten Kletzenbrotes“, erklärt Gerhard Pilz vom Tourismusverband Schladming. In vielen Familien und Haushalten wird das Kletzenbrot immer noch selbst gemacht. Für die Fülle werden gedörrte Birnen (Kletzen), Dörrpflaumen, Nüsse, Rosinen, Feigen, Aranzini, etwas Zucker, Rum, Schnaps und schwarzer Kaffee verwendet. Der mittelfeste Teig besteht aus Roggenmehl, Salz, Germ oder Sauerteig und Brotgewürz. Erst am nächsten Tag werden die Teile dann vermischt, man lässt sie kurz gehen und anschließend werden sie langsam gebacken. „Viele Bäuerinnen backen kurz vor Weihnachten noch einmal einen besonderen Laib mit einem eigenen Zeichen, den sogenannten „Haligenloab“. Dieser darf dann erst am Heiligen Abend angeschnitten werden“, ergänzt Pilz.

Gesäuse

In der letzten Raunacht zum 5. Jänner findet im obersteirischen Wildalpen der sogenannte Glöcklerlauf statt. Die Glöckler – das sind junge Männer, die vollständig in Weiß gekleidet sind – tragen dabei kunstvolle Holzgestelle, die von innen heraus beleuchtet werden. Charakteristisch für die Wildalpler Glöckler sind die schlichten hohen zylindrischen Kronen-Kappen aus dickem Karton. Zusätzlich dazu tragen sie Ledergürtel mit Kuhglocken und Schellen. Die Kombination aus den hellen Gewändern, dem Licht und den Klängen der Glocken sollen die bösen Geister vertreiben. Gleichzeitig soll der harmonische Lauf die guten Geister gnädig stimmen und für Glück im neuen Jahr sorgen.

Oststeiermark

In der Oststeiermark gehört die traditionelle Handwerkskunst zum Weihnachtsbrauchtum. „Liebevoll geformte Bienenwachskerzen und detailreicher Holz- und Strohschmuck werden für den Christbaum vorbereitet. Eine Fülle von Workshops ermöglicht es, das Kunsthandwerk der Oststeiermark kennenzulernen und sich dieses in die eigenen Wände zu holen“, erzählt Bianca Ehgartner von Oststeiermark Tourismus. In der Region rund um Bad Gleichenberg findet auch das klassische Räuchern in den „Raunächten“ statt. Meistens wird diese Tradition in den Nächten am 24. und 31. Dezember sowie am 5. Jänner begangen, um das Haus vor bösen Geistern zu reinigen und für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr zu sorgen. Pfarrer Mario Brandstätter ist in der Region der Experte rund ums Räuchern und verrät in eigenen Führungen Wissenswertes zum Thema.

Schilcherland

Das Schilcherland steht auch in der Weihnachtszeit ganz im Zeichen des Weines. Stefanie Schmid vom Tourismusverband Schilcherland erklärt: „Nach dem Heiligen Abend, rund um den 26. Dezember, ist es im Schilcherland Brauch, den so genannten Johanneswein zu segnen. Nach einem alten Brauch veranstalten unterschiedliche Interessengemeinschaften von Winzern die Segnung in den jeweiligen Kapellen.“ Bereits seit dem 13. Jahrhundert findet diese Segnung durch die Kirche statt, zu Ehren des heiligen Johannes. Laut der Legende sollen dadurch sowohl Wein als auch Winzer im neuen Jahr von Unheil und Frevel verschont werden.

Autor: Teresa Frank, 05.11.2020