Putins kühner Ritt auf dem Virus

Lockdown-Fetischisten müssen jetzt ganz stark sein. Zwei Ereignisse der letzten Tage könnten nämlich so manches virologische Weltbild ins Wanken bringen. Zunächst kommt Vladimir Putin aus heiterem Himmel mit einem Impfstoff daher und dann darf – als ob das nicht schon genug wäre - Anders Tegnell in der Kleinen Zeitung in epischer Breite den schwedischen Weg erklären. Das ist doch echt alles eine ziemliche Sauerei.

Dass ein Autokrat wie Wladimir Putin als erster einen Impfstoff zulässt, ist nicht weiter verwunderlich. Da setzt man halt kurzerhand ein paar Testphasen aus und schwuppdiwupp hat man den westlichen Demokratien wieder mal eine reingewürgt und kann sich als Corona-Fighter inszenieren. Wir dürfen uns schon auf die Fotoserie freuen, wo Zar Putin mit nacktem Oberkörper das Virus zureitet, um es anschließend mit einem tödlichen Karatehieb zu zerstören. Schwierig ist dieser „Durchbruch“ freilich für den immer noch unverdrossenen FPÖ-Wähler. Um auf Parteilinie zu bleiben, muss er das Virus leugnen – oder zumindest verharmlosen. Andererseits hat nun FPÖ-Vorbild und rechter Halbgott Vladimir Putin einen Impfstoff entdeckt. Was also tun? Der Ausweg kann nur lauten: wenn schon impfen, dann mit russischem Stoff!

Wesentlich interessanter war da schon das Tegnell-Interview. Lange Zeit galt ja der schwedische Weg unter Europas Virologen-Elite als „Stairway to hell“. Wie kann man nur und überhaupt. Zusperren sei doch der einzig mögliche Weg, alles andere bloße Scharlatanerie. Nun, die Infektions- und Todeszahlen sinken in Schweden seit geraumer Zeit, während sie in weit restriktiveren Ländern wie Österreich wieder steigen. Andererseits muss man aber auch sehen, dass Schweden eine wesentlich höhere Todesrate zu verzeichnen hatte. Der schwedische Chef-Virologe räumte daher unverblümt und offen ein, in einigen Bereichen Fehler gemacht zu haben, ist aber davon überzeugt, dass der Weg richtig sei. Diese Offenheit würde man sich auch vom Kanzler und Gesundheitsminister wünschen. Da gibt man lediglich ein paar lässliche Verfehlungen bei der Verfassung der Verordnungen zu, ansonsten hält man sich für unfehlbar.

Autor: Robert Eichenauer , 12.08.2020