Mach mal langsam!

In der Ruhe liegt die Kraft: So lautet die Devise von "Slow Fitness", einem Sporttrend, der immer mehr Anhänger findet. Denn bei "Slow Fit"-Workouts steht nicht das Auspowern, sondern das Fühlen des eigenen Körpers im Vordergrund. Wie reagiert mein Körper auf diese Bewegung? Wie fühlt sich mein Bein während dieser Pose an? Welche Muskeln spüre ich jetzt? All diese Fragen sollten während eines "Slow Fit"-Trainings beantwortet werden können. Schweiß und brennende Muskeln? Fehlanzeige.

Definition

Unter den Begriff "Slow Fitness" fallen alle möglichen Trainingsformen, die der Entspannung dienen. Das können Sportarten wie Yoga, aber auch speziell zusammengestellte "Slow Fit"-Programme, wie zum Beispiel "Barre Ballett" (mehr Infos weiter unten im Artikel) sein. Die Bewegungen werden langsam und ruhig bei einem kontrollierten Tempo ausgeführt, gleichzeitig wird auf eine bewusste Atmung geachtet. Das sorgt für eine saubere Technik und einen gleichmäßigen, nur leicht erhöhten Puls. Somit bergen "Slow Fit"-Übungen auch nur ein geringes Verletzungsrisiko. 

Ich würde generell sehr vielen Leuten empfehlen, erstmal mit schonenden Trainingsarten zu beginnen, um den eigenen Körper kennenzulernen und in sich zu gehen.

Uwe Maninger, Geschäftsführer Injoy Graz Süd 

Effektiv?

Doch wie steht es um die Effektivität solcher Trainings? "Slow Fit" ist ein Ganzkörpertraining und je nach Übung werden bestimmte Bereiche trainiert. Durch die langsame Ausführung der Bewegungen werden vor allem tieferliegende Muskelgruppen beansprucht - der Körper wird gestärkt, gefordert und von Kopf bis Fuß gedehnt. Bei "Slow Fitness" liegt der Fokus jedoch nicht nur auf dem Abnehmen oder dem Muskelaufbau, es werden auch Ausdauer, Koordination, Flexibilität und das Gleichgewicht verbessert. Aber auch für die Psyche hat dieses schonende Training große Vorteile: Das Energieniveau wird gesteigert, Stress abgebaut, und die innere Balance gefördert. "Slow Fit"-Übungen mögen zwar nicht die schweißtreibendsten sein, sind aber dennoch sehr effektiv und fordern den Körper wie auch den Geist. 

Interview mit Uwe Maninger (Geschäftsführer Injoy Graz Süd) 

Warum liegt Slow Fitness im Trend?

Das liegt an unserem Lebensstil. Wir sind ständig erreichbar, der Alltag ist hektisch und jeder hat viel um die Ohren. Bis vor Kurzem hat dieser Leistungsgedanke auch die Freizeit kontrolliert - immer mehr Leute haben mit Sportarten begonnen, die leistungsorientiert sind. Mittlerweile hat dieser Druck jedoch neue Fitnesstrends hervorgerufen, wie eben zum Beispiel "Slow Fitness". Wir sehnen uns immer mehr nach Entspannung und Ruhe. Das merkt man ja auch am Erscheinungsbild der Fitnessstudios. Es gibt Wellnessbereiche, im Trainingsraum stehen Sofas, Begegnungszonen werden eingerichtet - man versucht, das Leben zu entschleunigen. 

Welche Vorteile bieten solche schonenden Trainings?

"Slow Fit"-Übungen konzentrieren sich auf das Wesentliche, nämlich auf den Körper selbst. Es geht darum, das Bewusstsein für den eigenen Körper wiederzufinden, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Sanfte Bewegungen und eine richtige Atemtechnik sind wunderbar, um sich selbst wieder wahrzunehmen und kurz aus dem Alltag zu entfliehen.

Ist "Slow Fitness" eine Alternative zu temporeichen Workouts, wie z. B. HIIT?

Ich würde es nicht als Alternative, sondern als Ergänzung bezeichnen. HIIT ist sehr intensiv und effizient und ideal, um sich so richtig auszupowern, bei "Slow Fitness"-Workouts kann man jedoch neue Energie schöpfen - die Mischung macht es. 

"Slow Fit"-Übungen

Barre Ballett

Beim "Barre Ballett" werden einzelne Elemente aus Yoga und Pilates mit Ballettübungen und einem Training an einer Ballettstange und auf einer Matte vereint. Die Bewegungen werden präzise und fließend ausgeführt, beansprucht werden vor allem die Oberschenkel, der Po, der Bauch und die Arme. Das Konzept verspricht einen straffen und definierten Körper, mehr Flexibilität und eine grazile Haltung. "Barre Ballett" ist ein besonders gelenkschonendes Workout und eignet sich somit für fast jeden. 

Slow Jogging 

Wie wäre es mit einem Wohlfühllauf statt eines Sprints? Das Konzept von "Slow Jogging" zielt genau darauf ab. Das Ziel liegt darin, das Tempo so zu wählen, dass der Lauf mit einem Lächeln absolviert werden kann. Klingt erstmal komisch, zeigt aber dennoch Wirkung, denn der Trainingseffekt ist größer als etwa beim Walken und die Gelenke werden anders als beim üblichen Joggen entlastet.

Zur Technik: 

  • Die Schrittfrequenz sollte sehr hoch sein und zwischen 180 und 190 liegen.
  • Man läuft mit kleinen Schritten und landet auf dem Fußballen, die Ferse berührt den Boden nur kurz.
  • Der Körper ist aufgerichtet, die Schultern locker, der Blick weit nach vorne gerichtet.
  • Vorsicht: Es klingt einfach, ist es aber nicht. Deswegen mit kurzen Runden starten. 
27.08.2020