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Dr. Michael Kropiunig | Credit: René Strasser
Dr. Michael Kropiunig ist Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer
Dr. Michael Kropiunig ist Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer
René Strasser
Promotion

Wenn guter Rat allein nicht reicht

19.10.2026 um 12:30, Online Promotion
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Dr. Michael Kropiunig, Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer, über Handlungsfähigkeit in schwierigen Lagen und den Wert rechtzeitiger Beratung.

Herr Präsident, wann braucht ein Mensch wirklich einen Rechtsanwalt? 

Kropiunig: Meistens nicht dann, wenn gerade alles wunderbar läuft. Man bekommt eine Kündigung, einen Bescheid, eine Klage, steckt in einem familiären Konflikt oder hat plötzlich ein Problem im Unternehmen. Dann geht es um die Fragen: Was kann ich jetzt tun? Was sollte ich lieber lassen? Und wer sorgt dafür, dass meine Interessen gewahrt bleiben? Genau dort beginnt unsere Aufgabe. 

Ist das der Kern des Berufs – dass jemand nicht mehr allein vor einem Problem steht? 

Kropiunig: Ja. Ein Mandant kommt zu uns, weil etwas geklärt, verhindert oder durchgesetzt werden muss. Wir übernehmen Verantwortung für die rechtliche Seite der Situation: zuhören, ordnen, Klarheit schaffen, eine Strategie entwickeln und seine Interessen vertreten. Das Problem verschwindet dadurch nicht automatisch. Aber aus Hilflosigkeit wird wieder Handlungsfähigkeit. Das ist ein großer Unterschied.

Also deutlich mehr als juristische Auskunft? 

Kropiunig: Natürlich. Eine Auskunft bekommt man heute überall. Das Internet ist voller Antworten – manche davon sind sogar richtig. Entscheidend wird es dort, wo jemand sagt: Das ist mein konkretes Problem. Was machen wir jetzt? Dann braucht es jemanden, der den Fall kennt, Konsequenzen einschätzt und handelt: verhandelt, widerspricht, Ansprüche durchsetzt oder, wenn es notwendig ist, vor Gericht geht.

Viele Menschen sagen: „Warum soll ich einen Anwalt bezahlen, wenn ich ohnehin im Recht bin?“ Was antworten Sie? 

Kropiunig: Dass Recht haben leider noch nicht bedeutet, sein Recht auch durchsetzen zu können. Es gibt eine Gegenseite, Fristen, Beweise, Verfahren und unterschiedliche Interessen. Wenn ein Einzelner einer Versicherung, einem Unternehmen oder einer Behörde gegenübersteht, herrscht nicht automatisch Augenhöhe. Der Rechtsanwalt schafft die Voraussetzungen dafür. Er sorgt dafür, dass sein Mandant gehört wird und seine Rechte tatsächlich wahrnehmen kann.

Rechtsanwälte gelten allerdings nicht immer als jene, die Konflikte entschärfen. Manchmal heißt es: Sobald die Anwälte kommen, wird es teuer. Ist an dem Vorurteil etwas dran? 

Kropiunig: Wenn ein Rechtsanwalt einen Konflikt nur deshalb verlängern würde, weil er daran verdient, hätte er seinen Beruf falsch verstanden. Unsere Aufgabe ist das bestmögliche Ergebnis für den Mandanten. Manchmal muss man sehr konsequent kämpfen. Manchmal ist ein Vergleich klüger. Und manchmal besteht gute Beratung darin, von einer Auseinandersetzung abzuraten. Nicht jeder Sieg ist am Ende ein guter Sieg.

Vertrauen bedeutet
eben nicht, immer Ja
zu sagen.

Dr. Michael Kropiunig über verantwortungsvolle Beratung

Muss ein Rechtsanwalt seinen Mandanten also gelegentlich auch vor sich selbst schützen? 

Kropiunig: Durchaus. Wer mitten in einem Konflikt steht, sieht die Welt verständlicherweise anders als jemand, der von außen darauf blickt. Emotionen sind menschlich, aber selten die besten Prozessstrategen. Ein Rechtsanwalt muss deshalb auch sagen können: Ich verstehe, warum Sie das wollen – aber ich halte es trotzdem für keine gute Idee. Vertrauen bedeutet eben nicht, immer Ja zu sagen.

Das klingt nach einem sehr persönlichen Verhältnis. 

Kropiunig: Das ist es oft. Menschen erzählen uns Dinge, die sie sonst kaum jemandem anvertrauen: über Familie, Vermögen, Fehler, Ängste, unternehmerische Schwierigkeiten oder persönliche Vorwürfe. Dafür braucht es Vertrauen und anwaltliche Verschwiegenheit. Und das Wissen: Da ist jemand, der meinen Fall kennt, meine Interessen versteht und für sie eintritt.

Wann lohnt sich der Gang zum Rechtsanwalt, bevor überhaupt ein Streit entsteht? 

Kropiunig: Weil sich viele Probleme vermeiden oder zumindest deutlich entschärfen lassen, lohnt sich rechtzeitige Beratung: ein Vertrag, der vorher geprüft wird. Eine Nachfolge, die rechtzeitig geregelt ist. Klare Vereinbarungen zwischen Gesellschaftern. Eine Vorsorgevollmacht. Juristische Beratung ist auch Vorsorge. Im besten Fall sorgt sie dafür, dass man uns später gar nicht für einen Streit braucht.

Heute liefert KI Rechtsauskünfte in Sekunden – oft kostenlos. Hand aufs Herz: Wofür braucht es dann noch den Rechtsanwalt? 

Kropiunig: KI wird unseren Beruf verändern, und das ist auch gut so. Sie kann Informationen schnell aufbereiten und bei vielen Aufgaben unterstützen. Aber eine Antwort ist noch keine Vertretung. Wenn es wirklich schwierig wird, möchte ein Mensch wissen: Wer kennt meinen Fall? Wer trägt Verantwortung für den Rat? Wer verhandelt für mich? Wer widerspricht, wenn es notwendig ist? Eine Maschine kann viel erklären. Entscheidend ist, wer auf dieser Grundlage Verantwortung übernimmt und handelt.

Aber aus Hilflosigkeit wird
wieder Handlungsfähigkeit.

Dr. Michael Kropiunig über den Wert einer juristischen Hilfe

Wann wissen Sie nach einem Mandat: Genau dafür braucht es Rechtsanwälte? 

Kropiunig: Wenn jemand zu uns kommt und das Gefühl hat, die Situation nicht mehr im Griff zu haben – und am Ende wieder weiß, wo er steht und was er tun kann. Wir können nicht jedes Problem aus der Welt schaffen. Aber wir können dafür sorgen, dass ein Mensch ihm nicht mehr allein gegenübersteht. Und manchmal wird genau dadurch aus einem Problem wieder eine lösbare Aufgabe.

Steiermärkische Rechtsanwaltskammer 
Auersperggasse 11 
8010 Graz 
Tel.: 0316 830290 
Mail: office@rakstmk.at
Web: www.rakstmk.at

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