ÄK-Vizepräsident: Notaufnahme ist kein Wartezimmer
Was wird für unser Gesundheitssystem in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle spielen?
Posch: Eindeutig die Patientenlenkung. Wir brauchen eine verbindliche Patientenlenkung, um Patientinnen und Patienten eine Orientierung zu geben, damit sie rasch die richtige Ärztin bzw. den richtigen Arzt finden. Denn wenn Patientinnen und Patienten mit banalen Infekten in die Spitäler kommen, blockieren sie wichtige Ressourcen für Notfälle und verursachen damit vermeidbare Wartezeiten.
Wie kann das aussehen? Wer sind die richtigen Ansprechpartner?
Posch: Wenn man sich krank fühlt, sollte man zuerst zur Hausärztin bzw. zum Hausarzt gehen. Da gibt es keine langen Wartezeiten, eine gute Versorgung und zusätzlich ein oft langjähriges Vertrauensverhältnis.
Warum nicht direkt in ein Spital?
Posch: In den Notaufnahmen der Spitäler werden lebensbedrohliche medizinische Notfälle rund um die Uhr versorgt. Notfälle sind akute medizinische Probleme oder Verletzungen, die sofortige Abklärung und Behandlung erfordern. Wir wissen aber, dass bis zu 40 Prozent aller Menschen, die eine Notaufnahme aufsuchen, gleichwertig oder sogar besser durch die Hausärztin bzw. den Hausarzt versorgt werden könnten.
Welche Rolle spielt die Ärzteschaft dabei?
Posch: Die steirischen Ärztinnen und Ärzte sind die tragende Säule unserer Gesundheitsversorgung. Über 7.000 Ärztinnen und Ärzte sind steiermarkweit für die Patientinnen und Patienten im Einsatz – mit hoher medizinischer Kompetenz und Leidenschaft für ihren Beruf. Sie kennen die täglichen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung. Um eine Patientenlenkung zu schaffen, die wirklich funktioniert, müssen die Ärztinnen und Ärzte mit ihrer Erfahrung unbedingt miteinbezogen werden.