Der WM-Gastgeber

Saalbach Hinterglemm, 27. Jänner 1991: Frühmorgens macht sich der damalige Rennleiter Bartl Gensbichler auf den Weg Richtung Abfahrtsstrecke. Die Sonne scheint, der Schnee knirscht und auf den menschenleeren Pisten herrscht absolute Stille. Oben vom Start des Zwölferkogels blickt er hinunter auf sein Glemmtal. „Das Glücksgefühl, dass ich in diesem Moment gespürt habe, ist, abgesehen von den vielen sportlichen Erfolgen, eine der prägendsten Erinnerungen an die Sonnen-WM.“ Salzburgs Skipräsident bekommt strahlende Augen, wenn er von dem legendären Großereignis in seiner Heimat spricht. 14 Tage Sonnenschein, dazu fünf Goldmedaillen für Österreich – die Weltmeisterschaft 1991 ging aus vielerlei Gründen in die Geschichtsbücher ein.

Bartl Gensbichler & Petra Kronberger | Credit: TVB Saalbach Hinterglemm

Schicksalsberg

Umso glücklicher sind die Glemmtaler darüber, dass 34 Jahre später im Jahr 2025 erneut das Ski-Großereignis in Saalbach Hinterglemm ausgetragen wird. Genauer gesagt am Zwölferkogel, dem Hausberg der Familie Gensbichler. Dort, wo der Boss des Salzburger Landesskiverbandes bereits als vierjähriger Stöpsel beim Spuren der Abfahrt half und wo er schließlich 1980 beim Heimweltcup seine aktive Rennkarriere beendete. Nun war der „Bascht“, wie Gensbichler in seiner Heimat von allen genannt wird, zugegebenermaßen nicht ganz so erfolgreich wie etwa sein Zimmerkollege Franz Klammer oder andere heimische Skigrößen. Dem großartigen Marcel Hirscher hat er aber immerhin eines voraus: einen Sieg in der Abfahrt. 1977 gewann er das Speedrennen im US-amerikanischen Heavenly Valley, drei Jahre zuvor holte er bei der Junioren-EM in dieser Disziplin ebenfalls Gold. Weitere Erfolge blieben nach einer schweren Knieverletzung aus, mit nur 24 Jahren zog der Salzburger Athlet schließlich einen Schlussstrich unter seine sportliche Karriere.

Bartl Gensbichler | Credit: Bartl Gensbichler

Liebe bis zum letzten Schwung

Eines hat sich aber bis heute nicht verändert: Das Skifahren dominiert sein Leben. So wie er einst die Eltern davon überzeugte, ihn ins Skigymnasium Stams statt wie geplant auf die Hotelfachschule zu schicken, so setzt er sich heute für Talente aus dem ganzen Bundesland ein. Gensbichler ist Skischulbesitzer, Vorstand des größten Salzburger Skiclubs, Präsident des Landesskiverbandes – und seit Kurzem eben auch WM-Gastgeber 2025. Der Jubel kannte keine Grenzen, als via Videokonferenz verkündet wurde, dass man sich gegen die Mitbewerber Crans Montana (Schweiz) und Garmisch-Partenkirchen (Deutschland) durchgesetzt hat. Vergessen ist die Enttäuschung über die Niederlage im Rennen um die WM 2023. „Man sagt ja, alles ist im Leben zu etwas gut. Ich glaube fest daran, dass in fünf Jahren wieder ein Großereignis ohne Einschränkungen möglich sein wird. Möglicherweise sogar das erste nach langer Zeit“, spielt der 64-Jährige auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie an.

Ich glaube fest daran, dass in fünf Jahren wieder ein Großereignis ohne Einschränkungen möglich sein wird.

Würdiger Abschied

Für ihn persönlich könnte die Weltmeisterschaft auch zum Schlusspunkt seiner äußerst erfolgreichen Funktionärslaufbahn werden. „Als Präsident des Salzburger Landesskiverbandes ist für mich danach Schluss.“ Dem Skifahren aber wird er ewig verbunden sein – das verraten seine funkelnden Augen, wenn er davon erzählt, wie er vergangenen Winter seine Enkeltochter auf ihrer ersten Fahrt über die Abfahrtsstrecke begleitet und ihr alle Rennpassagen erklärt hat. Bartl Gensbichler ist und bleibt eben ein Kind vom Zwölferkogel.

Autor: Sandra Eder, 27.10.2020