Silvester: „Raketen-Verbot ist Unsinn“

Was haben die Pariser Fashion Week und die FIS Ski-WM gemeinsam? Für beide inszenierte Christian Czech bereits riesige Eröffnungs-Feuerwerke. Wir haben mit dem Pyrotechniker über sein Handwerk und den schlechten Ruf von Raketen & Co. geplaudert.
Autor: Simone Reitmeier, 29.12.2022 um 06:00 Uhr

weekend.at: Herr Czech den Medien kommen Feuerwerke aktuell nicht gut weg – ist die Umweltbilanz wirklich so schlecht?

Czech: Nein! Die Wirtschaftskammer hat 2020 eine Studie zu Emissionen von Feuerwerken in Auftrag gegeben. Dabei kam heraus, dass von der gesamten CO2-Belastung pro Jahr lediglich 0,0002 Prozent auf das Konto von Raketen gehen. Beim Feinstaub, der übrigens nicht zum Klimawandel beiträgt, sind es nur 0,2 Prozent. Das von Medien und Politik geforderte Verbot von Feuerwerk ist somit Unsinn.

weekend.at: Was halten Sie davon, dass private „Raketenschießen“ an Silvester zu verbieten?

Czech: Was dann passiert, konnte man vergangenes Jahr in Deutschland beobachten. Konsumenten weichen beim Kauf ins Internet oder Ausland aus und importieren illegale, weitaus gefährlichere und lautere Feuerwerkskörper, mit denen mehr und schwerere Unfälle passieren. Da allerdings augenscheinlich immer mehr Menschen ihren Dreck einfach überall liegen lassen, sollte hier durch Medien auch vor der Jahreswende ein größeres Bewusstsein geschaffen werden.

Pyrotechniker Christian Czech beim Aufbau eines Feuerwerks. | Credit: Foto Swoboda

weekend.at: Wie stehen Sie zu Feuerwerkskörpern aus Tschechien & Co.?

Czech: Fast alle Unfälle sind auf illegal im Internet oder Ausland erworbene Feuerwerkskörper mit Blitzknallsätzen oder auf professionelle Feuerwerkskörper, die nur von Pyrotechnikern mit Know-how verwendet werden dürfen, zurückzuführen. Bei legalen sowie geprüften Raketen mit CE-Kennzeichnung passieren so gut wie keine Unglücke.

Fast alle Unfälle sind auf illegal im Internet oder Ausland erworbene Feuerwerkskörper zurückzuführen.

weekend.at: Spürt die Branche durch gesteigertes Umweltbewusstsein und den Import illegaler Waren einen Rückgang der Nachfrage?

Czech: Die professionelle Pyrotechnik spürt vor allem eine beispiellose Medienhetze gegen Feuerwerke im Allgemeinen. Wobei aufgrund von Unwissenheit oder Ignoranz alles über einen Kamm geschert wird und auf den problematischen Handel mit illegaler gefährlicher Pyrotechnik nicht eingegangen wird. 

weekend.at: Wie erkennt ein Laie Qualitätsware?

Czech: Auf jedem in Österreich erhältlichen Feuerwerkskörper muss eine CE-Kennzeichnung in deutscher Sprache aufgedruckt sein. Das gibt Aufschluss über die Art des Feuerwerkskörpers, Gebrauchsanweisung sowie geltende Abgabebeschränkungen und Sicherheitsabstände. Leider gilt hier auch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Auf jedem in Österreich erhältlichen Feuerwerkskörper muss eine CE-Kennzeichnung in deutscher Sprache aufgedruckt sein.

weekend.at: Silvester mit Kindern: Was empfehlen Sie Eltern?

Czech: Ein Feuerwerk ist kein Kinderspielzeug, Raketen oder Böller dürfen niemals in der Hand gezündet werden. Eltern sollten außerdem darauf achten, dass Kids nur Feuerwerkskörper ihrer Altersstufe entsprechend verwenden und im Zweifelsfall lieber mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und bitte Verpackung und Reste im Müll entsorgen!

weekend.at: Wird es in Salzburg, Graz oder Wien heuer große Silvester-Feuerwerke geben?

Czech: Wir werden zur Jahreswende in Salzburg und Wien pyrotechnische Inszenierungen durchführen. Graz setzt hingegen seit Jahren auf eine x-fach teurere Wasser- und Lichtshow, die mit Sicherheit eine ökologisch schlechtere Bilanz aufweist als das ursprüngliche Feuerwerk am Schlossberg.

Feuerwerk im Wiener Prater | Credit: Christian Czech

weekend.at: Was war das größte Pyrotechnik-Spektakel, das Sie jemals veranstaltet haben?

Czech: Wir sind viel im Ausland tätig und Gottseidank nicht von Österreich abhängig. Zu den Highlights zählen sicherlich die FIS-SKI-WM Eröffnungen in Garmisch und Schladming, eine Feuerskulptur für eine Rick Owens-Modenschau bei der Pariser Fashion Week sowie internationale Feuerwerksfestivals in Montreal, Cannes und Shanghai.

Der Aufbau eines Profi-Feuerwerks | Credit: Wolfgang Simlinger

weekend.at: Gibt es neue Entwicklungen auf dem Markt?
Czech: Technisch notwendige Plastikteile werden ausgetauscht und stark reduziert. Die Branche arbeitet an rückstandslosen Feuerwerkskörpern im Profi-Bereich sowie an verrottbaren Materialien und Papierhülsen im Konsumentenbereich.

weekend.at: Was kostet ein mittelgroßes Feuerwerk für eine Firmenfeier?

Czech: Abhängig von Örtlichkeit, Brenndauer und individuellen Wünschen führen wir im Raum Salzburg Kunst-Feuerwerke oder pyrotechnische Spezialeffekte ab etwa 2.000,– Euro exklusive Mehrwertsteuer durch.