Salzburg: Wildtiere hautnah beobachten

Großglockner: Pelzige Bergbewohner

So nah wie im Sommer auf der Kaiser-Franz-Josefs Höhe kommt man einem Murmeltier nur selten: Auf dem rund zehnminütigen Panoramaweg „Kaiserstein“ zur Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte muss man die niedlichen Tiere gar nicht suchen, sie kommen von selbst. Da die Murmeltiere große Menschenmengen gewohnt sind, haben sie ihre Scheu verloren und fressen mitunter aus der Hand. Am besten nimmt man sich von zu Hause ein bis zwei Karotten mit, einen leckeren Snack zwischendurch lassen sich die Nagetiere meist nicht entgehen.

Antheringer Au: Wildschweine

Ein ausgedehnter Streifzug durch das naturbelassene Schutzgebiet im Flachgau ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Dort haben sich nicht nur Biber, Specht, Reh- und Damwild breit gemacht, sondern auch eine Wildschwein-Familie. So hautnah erlebt man die wildlebenden Schweine, die durchaus an menschliche Begegnungen gewohnt sind, sonst nirgends in Salzburg. Am besten folgt man den kleinen Pfaden abseits der Schotterstraße und dringt kreuz und quer etwas tiefer in den Auwald vor. So erhascht man einen Blick auf die Schweine, die sich besonders gern in der Nähe von sumpfigen Gebieten aufhalten. In den Frühlingsmonaten tollt auch der ein oder andere Frischling durch die Au. Aber Obacht: Nie zu nahe an die Wildschweine rangehen und stets aus sicherer Entfernung beobachten. Sofern es die Corona-Situation zulässt, gibt es auch geführte Waldwanderungen von Förstern und Waldpädagogen, Termine werden zeitnah auf der Antheringer Gemeinde-Homepage bekannt gegeben.

Die Wildschweine sind Menschen gewohnt, trotzdem sollte man ausreichend Abstand halten.

Foto: ©weekend.at

Weitwörther Au: Vogelparadies

Nach der Renaturierung der Weitwörther Au südlich von Oberndorf findet sich dort nicht nur ein Naturparadies für Tiere, sondern auch ein Auenerlebnisweg für die ganze Familie, der teils über einen Holzsteg direkt am Wasser führt. Für Kinder stehen bunte Schautafeln bereit, die über typische Tier- und Pflanzenarten oder die Auwald-Entwicklung informieren. Am Steganfang liegt die Begleitbroschüre „Komm mit in die Salzachauen“ in einer kleinen Box auf – kindgerecht mit Zeichnungen und Infos aufbereitet. Highlight der Au ist das „Hide“, eine spezielle Vogelbeobachtungshütte auf einer Halbinsel. Mit etwas Glück sieht man von dort den Gänsesäger oder sogar den blau schimmernden Eisvogel, die wie viele andere Vogelarten in der Weitwörther Au beheimatet sind. Unterwegs sollte man außerdem die Augen offenhalten, vielleicht tummeln sich am Wasserrand Frösche und Lurche, wie die streng geschützte Gelbbauchunke. Das Auto stellt man an einem der beiden Park & Ride-Plätze bei der Lokalbahn Pabing oder Weitwörth ab, von dort ist man in fünf Minuten mitten in der Au.

Das „Hide“ in der Weitwörther Au, eine spezielle Vogelbeobachtungshütte auf einer Halbinsel. 

Foto: ©weekend.at

Kapuzinerberg: Gämsen-Kolonie

Seit etwa 70 Jahren hat es sich eine Tierart auf dem Kapuzinerberg gemütlich gemacht, die man normalerweise nur in alpinen Gegenden trifft: die Gämse. Rund ein Dutzend der Huftiere fühlt sich dort pudelwohl, nicht zuletzt, weil es ausreichend steile Hänge gibt, auf denen die Gämsen bevorzugt herumturnen. Wer die ziegenähnlichen Bergbewohner sehen möchte, geht am besten in den frühen Morgenstunden auf Erkundungstour. Besonders gerne halten sie sich auf der steilen Felswand über dem Stadtarchiv in der Glockengasse auf, aber auch entlang der Wehrmauer sind sie hin und wieder anzutreffen. Wer mucksmäuschenstill ist und auf raschelnde Geräusche achtet, sieht die Gämsen mitunter sogar von den Spazierwegen aus.

Gämse | Credit: www.neumayr.cc

Kuchl: Walrappe zu Gast

Bis etwa Mitte August kann man rund um den Georgenberg in Kuchl besondere Vogelexemplare beobachten: Waldrappe – schwarze, gänsegroße und besonders lustig anzusehende Ibisse. Eine Kolonie der vom Aussterben bedrohten Zugvögel lässt sich jedes Jahr in Kuchl nieder, um dort in den Felswänden des Georgenbergs zu brüten und die Jungen aufzuziehen. Den besten Blick auf die Tiere hat man mit einem Fernglas oder wenn man sich in der Nähe von gemähten Wiesen aufhält – dort stöbern Waldrappe besonders gern herum. Viele der Vögel, die in Salzburg und dem angrenzenden Bayern Halt machen, sind zudem mit einem Sender ausgestattet und können über die App „Animal Tracking“ ausfindig gemacht werden. Das Auto kann auf dem Parkplatz nahe des Bürgerausees geparkt werden, gemütliche Spazierwege führen um den Georgenberg herum oder hinauf.

Waldrapp | Credit: Waldrappteam Conservation & Research
Waldrappe in Kuchl | Credit: Waldrappteam Conservation & Research

Leopoldskron: Paradiesvögel

Mitten in der Stadt Salzburg am Leopoldskroner Weiher hat eine Flamingo-Kolonie ihre Heimat gefunden, deren lautes Schnattern nicht zu überhören ist. Um sie zu sehen, braucht man nur entlang des Wolfgang-Schaffler-Weges spazieren und durch das Gebüsch auf das Gewässer schauen – das rosarote Gefieder sticht sofort ins Auge. Zu verdanken hat Salzburg die Paradiesvögel Robert Scheck, Sohn der „SportScheck“-Dynastie, der seinen ersten Flamingo mit 15 Jahren bekam und die Vögel am Weiher ansiedelte. Auf dem Areal hält der Millionär noch weitere Tiere, die kostenlos beobachtet werden können. Darunter Wagyu-Rinder, Schweine, Ziegen und Federvieh.

Flamingos | Credit: www.neumayr.cc

Rauris: Tal der Bartgeier

Sobald sich der Sommer auch in höheren Lagen ankündigt, lohnt sich eine Wanderung auf dem Lehrpfad „Könige der Lüfte“ (Nr. 21) im Krumtal. Dort genießt man einen Streifzug durch den Rauriser Urwald und einen Blick auf die imposanten Bartgeier mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern. Schautafeln entlang des Weges informieren über Wissenswertes zu den Greifvögeln, die seit 1986 dort wiederangesiedelt werden. Was keinesfalls im Gepäck fehlen sollte: Ein Fernglas, damit man Bartgeier sowie Steinadler und Gänsegeier bestmöglich betrachten kann.

Bartgeier | Credit: iStock.com/BoukeAtema

5 Tipps für den richtigen Umgang mit Wildtieren

  • Begegnen Sie einem vermeintlich verlassenen Rehkitz, fassen Sie es nicht an und lassen Sie es an Ort und Stelle. Die Jungtiere sind in den ersten Lebenswochen geruchsneutral und können von Fressfeinden nicht geortet werden. Daher legt sie die Mutter im hohen Gras und gut versteckt ab. In der Regel ist die Rehkuh aber nicht weit entfernt. Fasst man das Tier allerdings an, wird es aufgrund des menschlichen Geruches von der Mutter verstoßen, was dem sicheren Tod des Kitzes gleichkommt.
Rehkitz | Credit: iStock.com/Sophie Linckersdorff
  • Wenn Sie ein verletztes Tier finden, beobachten Sie es aus sicherer Entfernung und fassen Sie es nicht an. Verständigen Sie am besten eine örtliche Forst- oder Jagdbehörde, einen Tierschutzverein, einen Naturschutzverein oder die Polizei.
     
  • Treffen Sie auf Muttertiere mit Jungen, z. B. auf eine Bache (weibliches Wildschwein) mit Frischlingen, dann bleiben Sie ruhig, kommen sie den Tieren nicht zu nahe und versuchen Sie, sich langsam zu entfernen. Kommt es in einem sehr seltenen Fall zum Angriff eines Wildschweins, versuchen Sie Hindernisse wie Bäume, Felsen, einen Hochsitz oder eine Hütte zwischen Sie und das Tier zu bringen.
     
  • Hunde in der Setz- und Frischzeit im Wald und abseits von gekennzeichneten Wegen anleinen und nicht allein ins Unterholz, Dickicht und hohe Gras lassen. Hunde haben einen natürlichen Jagdtrieb, ihre bloße Anwesenheit stresst die jungen Wildtiere und mitunter kann eine Begegnung mit einer wütenden Bache für den Hund böse enden.
     
  • Wildtiere nicht mit Brot, Milch oder Obst füttern. Altes Brot oder Küchenabfälle können bei Reh und Hirsch fatale Verdauungsprobleme verursachen. Auch Enten sollten nicht mit Brot gefüttert werden – im Worst Case quillt es im Magen der Tiere auf, wodurch der Erstickungstod droht.
Autor: Simone Reitmeier, 20.05.2022