Interview: Neue Pflanzen im Garten durch Klimawandel

Bellaflora-Chef Franz Koll erklärt, warum sich der Pflanzenmix in unseren Gärten derzeit drastisch verändert, wieso er Pflanzen ins Labor sendet und der Garten aufgrund der Pandemie noch wichtiger geworden ist.
Autor: Werner Christl, 13.04.2022 um 11:44 Uhr

Weekend: Die Gartensaison geht jetzt so richtig los. Gibt es so etwas wie Dauerbrenner? 

Franz Koll: Primeln, Kirschlorbeer, Hainbuche beziehungsweise der gesamte Heckenbereich sind so Beispiele. Generell wird aber derzeit alles gerne gekauft, was bunt ist. Aber auch einfache Erde ist so ein Dauerbrenner. 

weekend: Hat sich eigentlich durch den Klimawandel das Kaufverhalten verändert? 

Franz Koll: Ja, der Klimawandel hat ganz klar Auswirkungen! Wir sehen seit Jahren, dass der Trend in Richtung hitzeresistente Pflanzen geht. Also solche, die auch mit weniger Wasser auskommen. Das Sortiment ändert sich dadurch tatsächlich. Nachdem Pflanzen heute aufgrund der Klimaänderung den Winter besser überstehen, sind beispielsweise südländische Pflanzen wie Palmen oder Olivenbäume nachgefragt. Es ist derzeit tatsächlich wichtig, dass der Hobbygärtner teilweise auf andere Pflanzen setzt. 

weekend: Nachhaltigkeit,   CO2-Abdruck und Co. werden immer wichtiger, oder? 

Franz Koll: Ja, zwei Drittel unserer Pflanzen stammen aus Österreich. Und drei Viertel unserer Lieferanten ebenfalls. Natürlich wachsen manche Pflanzen aus unserem Sortiment nicht in unserem Land. Diese kaufen wir dann aber in Europa ein. Das Thema Nachhaltigkeit ist jedenfalls nicht nur ein grünes Mäntelchen, das wir uns anziehen, wenn es gerade passt. Wir leben das in Form von drei Säulen. Die ökologische Säule, die ökonomische Säule und die gesellschaftlich soziale Säule. Nachhaltigkeit zieht sich über alle Ebenen des Unternehmens. Also auch Energieverbrauch, Lieferketten, Mitarbeiter usw. 

weekend: Ist das Thema „Bio“ auch im Garten relevant? 

Franz Koll: Bio ist großes Thema, wobei die Konsumenten Bio eher mit essbarem assoziieren. Die Ökobelastung der einzelnen Pflanzen ist generell wichtig. Wir messen diese über ein externes Labor. Bei Grenzüberschreitungen gibt es für den Lieferanten Strafzahlungen.

weekend: Sie haben eine Gartenstudie in Auftrag gegeben – was ist Ihnen dabei besonders aufgefallen? 

Franz Koll: Dass die Menschen in der Gartensaison im Frühling im Schnitt täglich vier Stunden im Garten verbringen und arbeiten. Und: Die Belastungen sind durch die Pandemie gestiegen. Die Menschen brauchen nun den Ausgleich und damit hat der Garten an Wichtigkeit gewonnen. Deshalb wollen wir eine nachhaltige Wohlfühloase sein, um die Menschen glücklich zu machen. Das klingt jetzt sicher pathetisch – ich meine das aber wirklich so!

weekend: Onlinehandel und Pflanzen – geht das? 

Franz Koll: Im Zuge des ersten Lockdowns haben wir innerhalb von zehn Tagen einen Webshop aus der Erde gestampft. Allerdings können wir die Pflanzen nicht im Karton per Post versenden. Wir liefern also direkt an den Kunden. 

ZUR PERSON:

Franz Koll, Vorsitzender der Geschäftsführung Bellaflora

Koll ist 55 Jahre alt, hat an der JKU in Linz BWL studiert und ist seit 2019 Chef von 70 Bellaflora Standorten in Österreich mit insgesamt 550 Mitarbeitern.