"Brauchen 100.000 Pflegekräfte in den nächsten Jahren!"

Herausfordernd, aber schön: Martin König, Geschäftsführer der Soziales Netzwerk GmbH, über Berufe in der Pflege und worauf es ankommt.
Autor: Philipp Eitzinger, 22.09.2022 um 15:00 Uhr

Alte Menschen und solche mit Beeinträchtigungen brauchen Hilfe. Das weite Feld der Pflegeberufe widmet sich diesen Menschen. SoNe-Geschäftsführer Martin König spricht im Interview darüber, wie groß der Bedarf ist, was man mitbringen muss und wie jeder und jede Einzelne den individuell passenden Bereich findet.

Kann man sagen, dass es kaum ein zukunftsträchtigeres Berufsfeld als die Pflege gibt?

Martin König: Das stimmt! Natürlich suchen auch andere Branchen, aber der Bedarf in der Pflege wird dramatisch steigen. Es gibt auch belegte Zahlen, es ist von rund 100.000 Pflegekräften in den nächsten zehn, zwanzig Jahren auszugehen. Das beinhaltet zum einen den Ausgleich jener Pflegekräfte, die in Pension gehen werden, aber vor allem auch den Mehrbedarf aufgrund der demografischen Entwicklung.

Ist Österreich auf Kurs, diesen Bedarf decken zu können?

Martin König: Sagen wir so: Es ist ein Marathon und wir sind in der ersten Hälfte.

Welche Persönlichkeit sollte man für eine Karriere in der Pflege mitbringen?

Martin König: Man hat viel mit Menschen zu tun und muss das wollen. Die Kommunikation ist anders, es ist herausfordernd, aber auch schön, weil viel zurückkommt. Man muss sich bewusst sein, dass das ein Sieben-Tage-Beruf ist. Ich halte es aber für falsch, dass das nur dem Pflegeberuf negativ ausgelegt wird: Auch in der Industrie oder bei der Polizei gibt es Schicht- und Wochenenddienste. In der Pflege gibt es aber auch viel Flexibilität!

Es gibt zahlreiche verschiedene Berufe und Ausbildungen. Wie behält man da die Übersicht?

Martin König: Indem man sich informiert und beraten lässt und auch ausprobiert. Nur auf gut Glück zu sagen, „dieses Feld könnte mir gefallen“, ist nicht zielführend. Man kann viel reden und erzählen, aber am Ende ist die Praxis entscheidend. Es gibt ja die Möglichkeit, einfach mal schnuppern zu gehen – sei es als Mobiler Dienst, in der Altenpflege, bei Menschen mit Beeinträchtigungen, usw.

Wie ließe sich das Image des Pflegeberufs verbessern?

Martin König: Gerade in der jetzigen Zeit wird vieles auf das Negative reduziert. In den letzten Jahren sind die Aufgaben und die Themenfelder breiter geworden. Da braucht es einfach Unterstützung, in der Organisation und Struktur, um Entlastung zu erzielen. Es braucht eine Perspektive.

Die Pflege kann auch für ältere Menschen eine Option sein, oder?

Martin König: Ganz sicher! Wir brauchen beides – sowohl die jugendliche Frische als auch die Lebenserfahrung von älteren Menschen. Auch wer über 50 Jahre alt ist, ist bei uns herzlich willkommen! Man muss dabei aber auch so egoistisch sein, um zu sagen: Was ich beruflich mache, muss auch für mich passen. Aber das ist ja in jedem Beruf

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