„Unser Ziel ist 100 Prozent erneuerbarer Strom“

Weekend: Laut eines Berichts des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich hat Kärnten österreichweit den höchsten Anteil an erneuerbarer Energie. Was wird in Kärnten konkret dafür getan, dass die Zielsetzung Klimaneutralität 2040 angesteuert werden kann?
Sara Schaar: In Kärnten verfolgen wir laut Energiemasterplan (eMap) enger gefasste Ziele, wie zum Beispiel im erneuerbaren Strom-Bereich die 100 Prozent bis 2025. Derzeit liegen wir bereits bei 99 Prozent. In den Bereichen Energieeffizienz und CO2-Reduktion setzen wir auf mehrere nachhaltige Strategien – genannt seien hier die Klimaagenda Kärnten (referatsübergreifend) und der Energiemasterplan (eMap). Besonders wichtig ist mir der Umstieg von fossilen auf alternative Energieträger, was wir mit attraktiven Förderungen unterstützen, beispielsweise die Programme e5, KEM, KLAR, Klimabündnis. Weiteres die Photovoltaik-Offensive auf kommunalen Gebäuden: Das Land Kärnten unterstützt die Kärntner Gemeinden mit bis zu 60 Prozent der Kosten, ermöglicht zusätzlich auch, Investitionszuschüsse von dritter Stelle (Bund oder EU) in Anspruch zu nehmen. Außerdem das Programm „Ölkesselfreie Gemeinden und Städte“ und die Alternativenergieförderung (Zuständigkeit bei Öffentlichen und Gewerblichen): Gefördert wird die Neuerrichtung, Umstellung und Erneuerung von umwelt- und klimafreundlichen Wärmeerzeugern, Photovoltaik-Anlagen, Stromspeichern. Förderungen für thermische Solaranlagen und PV-Stromspeicher können auch Privatpersonen beantragen. Mehr zur kostenlosen Energieberatung gibt es unter http://www.xn--neteb-krnten-mcb.at/

Weekend: Beim Ausbau von Windkraft und Photovoltaik besteht hoher Nachholbedarf. Gibt es hier bereits Lösungsansätze?
Sara Schaar: Kärnten setzt beim Erneuerbaren-Ausbau als Sonnenland auf Photovoltaik. Durch Förderungen (siehe oben) wollen wir dazu animieren, Photovoltaik-Anlagen zu installieren. Wenn wir 50 Prozent der potenziellen Dachflächen mit Photovoltaik ausbauen, haben wir ein Ausbaupotenzial von 3,3 Terrawattstunden. Wir priorisieren Photovoltaik auf Dächern, Fassaden, Deponien und Infrastruktur-Flächen, also nicht auf Freiflächen. Da geht es um Landschaftsschutz. Windkraft forcieren wir nicht. Wir benötigen sie allerdings im Ausmaß von fünf Prozent (250 Gigawattstunden) punktuell zum Ausgleich (volatile Energie), um das Stromnetz zu stabilisieren und um die Stromversorgung für die Kärntner Bevölkerung sicherzustellen – das ist im Energiemasterplan so vorgesehen.
Unser Ziel ist 100 Prozent erneuerbarer Strom, denn diesen Ausbau muss zum überwiegenden Teil die Allgemeinheit finanzieren. Daher ist es mir wichtig, dass die Energiewende sozial verträglich gestaltet ist, dass bei allen klimapolitischen Maßnahmen größtes Augenmerk auf die soziale Ausgewogenheit gelegt wird!

Weekend: Was wird konkret dafür getan, dass die Treibhausgasemissionen endlich reduziert werden können?
Sara Schaar: Bei den vom Dachverband Erneuerbare Energie Österreich ins Spiel gebrachten Zahlen zu den Treibhausgas-Emissionen möchte ich festhalten, dass hier der Tanktourismus eingerechnet ist. Ohne den Tanktourismus würden wir unter dem Österreich-Schnitt liegen. Die Zurechnung des Tanktourismus erfolgt auf Basis einer EU-Richtlinie, die aber das reale Bild verzerrt. Die erst kürzlich durchgeführte Evaluierung des eMap zeigt, dass wir fast überall im Soll-Bereich liegen. Wir in der Kärntner Landesregierung kennen unsere Hausaufgaben, nämlich: Am notwendigsten sind der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie Maßnahmen im Gebäude-Sektor. Daran wird im Rahmen der Klimaagenda mit Nachdruck gemeinsam gearbeitet, damit wir die hohe Lebensqualität in unserem schönen Bundesland erhalten und – so unser Ziel – weiter steigern!

Autor: Pia Kulmesch, 19.08.2021