Multikulti: Schmelztiegel Kärnten

Es ist wohl in unserer DNA festgeschrieben: Schon vor 100 Jahren, als Kärnten Teil der Habsburg-Monarchie und des Vielvölkerstaates war, lebten hierzulande Tschechen, Slowaken, Polen, Ukrainer, Juden, Rumänen, Ungarn, Serben, Bosnier, Kroaten, Slowenen, Italiener und Deutsche. Und auch heute noch ist Kärnten nicht nur reich an Bergen und Seen und einer verführerisch schönen Landschaft, sondern erfreut sich auch einer besonderen Vielfalt seiner Bewohner und deren Kulturen. Insgesamt leben im südlichsten Bundesland der Alpenrepublik 561.293 Menschen (Stand 1. 1. 2020), 60.994 (oder 10,9 Prozent) davon haben keine österreichische Staatsbürgerschaft. Übrigens: 340 Menschen in Kärnten erhielten 2019 die österreichische Staatsbürgerschaft, bundesweit waren es 10.606 Personen. Insgesamt wurden laut Statistik Austria seit 1946 mehr als 55.200 Menschen in Kärnten eingebürgert.

Vielfalt

Als Schnittpunkt dreier Kulturen – dem Alpen-Adria-Raum – ist es kaum verwunderlich, dass viele Slowenen (5.375 ) und Italiener (2.935) das Land der Berge und Seen als ihre Wahlheimat auserkoren haben. Doch nicht nur Menschen aus dem Süden sind dem mediterranen Flair Kärntens verfallen: Die größte Migrantengruppe bilden nach wie vor die Deutschen mit 11.820 Zuzüglingen. Die meisten von ihnen haben in jungen Jahren als Urlauber die Schönheit des Landes und seiner Leute ins Herz geschlossen und verbringen nun ihre Pension hier, genießen den Wörthersee oder haben sich auf ein Häuschen auf der Alm zurückgezogen. Von den Deutschen im erwerbsfähigen Alter sind die meisten in der Tourismusbranche tätig, arbeiten im medizinischen Bereich oder studieren an der Alpen-Adria-Universität. Mit großem Abstand folgen 7.640 Menschen aus Bosnien und Herzegowina, 6.060 aus Kroatien, 4.292 aus Rumänien und 2.889 aus Ungarn.

Kärnten als schnittpunkt dreier Kulturen | Credt: iStock.com/Robert-Boss

Prognose

Experten der Statistik Austria prognostizieren, dass Österreich in 60 Jahren – also 2080 – an der Zehn-Millionen-Einwohner-Marke kratzen wird. Mit Stand 1. 1. 2020 zählen wir 8.901.04 Menschen in der Alpenrepublik. Doch laut den Vorhersagen dürfte Kärnten als einziges Bundesland diesem Trend nicht folgen – Kärnten wuchs von 2002 bis 2019 nur um 0,2 Prozent, während die anderen Bundesländer im Schnitt einen Zuwachs von zehn Prozent verzeichneten. Bis 2080 sagen die Experten für Kärnten sogar einen Bevölkerungsverlust von 6,4 Prozent voraus. Neben der negativen Geburtenbilanz ist auch die negative Binnenwanderungsbilanz dafür verantwortlich. Sprich, es gehen mehr Menschen weg als herziehen. Und: Es sind vor allem die jungen, gut ausgebildeten Menschen, die ihre Koffer packen - mehr als die Hälfte der Exil-Kärntner hat einen Hochschulabschluss, rund 80 Prozent verließen ihre Heimat im Alter zwischen 15 und 34 Jahren, so die Zahlen einer Studie der FH Kärnten.

Einbürgerungen

  • 340 Menschen wurden 2019 in Kärnten eingebürgert, was ein Minus von zwei Prozent gegenüber 2018 ist. 
  • Heuer verzeichnet Kärnten als einziges Bundesland schon ein Plus bei der Einbürgerung im ersten Halbjahr: 187 Staatsbürgschaften wurden von Januar bis Juni vergeben – ein Plus von 28,1 Prozent.
  • Insgesamt wurden seit 1946 55.281 Menschen in Kärnten eingebürgert. Als Rekordjahr gilt 1947 mit 4.531 Staatsbürgschaftsverleihungen im südlichsten Bundesland, am wenigsten Verleihungen gab es im Jahr 1991 mit 163.
  • Das stärkste Jahr nach der Jahrtausendwende war 2004 mit 1.581, das schwächste war 2000 mit 263. 
  • Anders als in den USA oder Großbritannien, wo das Wohnsitzprinzip gilt und man mit der Geburt im jeweiligen Land automatisch zum Staatsbürger wird, gilt in Österreich das Abstammungsprinzip: Hat ein Elternteil die österreichische Staatsbürgschaft und der zweite die eines anderen Landes, haben Kinder beide Staatsbürgerschaften (sofern im fremden Land auch das Abstammungsprinzip angewendet wird). Ansonsten muss zumindest ein Elternteil die österreichische Staatsbürgerschaft haben, damit auch die Nachkommen diese automatisch nach der Geburt erhalten.
Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 16.09.2020