Lebensmittel: Weit weg von Selbstversorgung

Regionalität ist das Schlagwort dieser seit März andauernden „neuen Normalität“ vor allem, wenn es um die Dinge des alltäglichen (Über-)Lebens geht. Kauft daheim, unter stützt die heimischen LandwirtInnen und UnternehmerInnen – das ist das Kommando, das uns alle gut aus der Krise manövrieren soll. Und auch Bundesministerin Elisabeth Köstinger ist überzeugt davon, dass die österreichischen Bäuerinnen und Bauern die Lebensmittelversorgung in Österreich sicherstellen und wir auf Importe getrost verzichten können. Doch nicht nur Greenpeace widerspricht dieser Aussage, denn immerhin würden „rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs für die Nutztierhaltung verwendet.“ Weiters heißt es von Seiten der Umweltschutzorganisation würde man hierzulande mehr Fleisch produzieren als verbraucht wird und das, obwohl die Bewohner der Alpenrepublik drei Mal so viel Fleischprodukte verzehren als gesundheitlich empfohlen. Nur 58 Prozent des konsumierten Gemüses stammen jedoch aus regionaler Selbstversorgung.

Unabhängig

Laut Landwirtschaftskammer Kärnten gibt es keine gesonderten Zahlen, inwiefern das südlichste Bundesland sich im Falle einer Notsituation selbst versorgen könnte. Auf jeden Fall sei die Eigenversorgung Kärntens bei Milch, Eiern und Fleisch gegeben. Bei Biomastgeflügel steuert Kärnten sogar gut 50 Prozent der gesamtösterreichischen Produktion bei. Luft nach oben bestehe jedoch – trotz zahlreicher innovativer Betreiber – im Gemüsebereich. In vielerlei Hinsicht seien die geografisch-topografischen Besonderheiten Kärntens mit dem großen Anteil an Berggebiet der einschränkende Faktor, was eine großflächigere und umfassendere Produktion betrifft.

Johann Mößler, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten

Oberstes Ziel

LK-Präsident Johann Mößler zur Versorgungssicherheit: „Die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig eine sichere, regionale Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ist. Jeder hat gesehen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe ein wichtiger Teil der systemerhaltenden Infrastruktur sind. Das oberste Ziel der Kärntner Bäuerinnen und Bauern ist es, die Lebensmittelproduktion und damit die Versorgung der Bevölkerung  auch in Krisenzeiten sicher zu stellen.“

Statistik

Und auch die Zahlen der Statistik Austria zeichnen ein anderes Bild als die Landwirtschaftsministerin. Der Grad der Eigenversorgung bei Getreide liegt bei 87 Prozent, bei Erdäpfeln bei 83 Prozent, bei Obst 59 Prozent, bei Gemüse 54 Prozent, bei Ölsaaten 48 Prozent und bei pflanzlichen Ölen bei 28 Prozent.

Helfende Hände

Und auch, wenn man sich hierzulande selbst mit den Produkten des alltäglichen Lebens versorgen könnte, bleibt immer noch die Frage, wer im Falle erneut geschlossener Grenzen denn die Erdäpfel ausgraben, den Spargel ernten und das Obst pflücken würde. Denn eines hat uns der Lockdown gezeigt: Ohne ausländische Erntehelfer, die im April aus Rumänien eingeflogen worden sind, hätten wir in den Supermärkten wohl keine so große Auswahl vorgefunden. Da hat auch die vom Landwirtschaftsministerium ins Leben gerufene Vermittlungsseite nicht viel geholfen, um einheimische helfende Hände auf die Felder zu bewegen.

Zahlen

Grad der Eigenversorgung mit Lebensmitteln:

  • Erbsen 167 %
  • Milch 164 %
  • Zucker 160 %
  • Fleisch 108 %
  • Käse 98 %
  • Eier 87 %
  • Äpfel 85 %
  • Salat 78 %
  • Butter 72 %
Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 24.07.2020