Landtagswahlen: Peter Kaisers Herausforderer im Shorttalk

Wir haben die drei Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien, die bei den kommenden Landtagswahlen gegen LH Peter Kaiser antreten, zum „Shorttalk“ zu politisch herausfordernden Themen gebeten.
Autor: Stefan Kohlmaier, 24.01.2023 um 16:36 Uhr

Gerhard Köfer (Team Kärnten)

Porträt des Team-Kärnten-Chefs Gerhard Köfer

Weekend: Was verstehen Sie unter einer klimafreundlichen Energie- und Verkehrspolitik?
Gerhard Köfer: Wir möchten, dass alternative Energieformen massiv ausgebaut werden. Kärnten hinkt, beispielsweise was den Photovoltaikausbau betrifft, anderen Bundesländern klar hinterher. Es müssen mehr Projekte zugelassen werden. Im Verkehrsbereich wollen wir, dass jeder Bürger so unterwegs sein kann, wie er möchte. Den Zwang zum E-Auto lehnen wir ab und haben diesbezüglich auch ein Volksbegehren gestartet.

Weekend: Über welche Maßnahmen sollte das Leben sozial bedürftiger Menschen verbessert werden?
Gerhard Köfer: Wir fordern seit Jahren, dass der Heizkostenzuschuss, eine der wichtigsten Sozialleistungen überhaupt, endlich erhöht wird. Auch der „Kärnten Bonus“, der 2023 fortgesetzt wird, ist eine Idee des Team Kärnten, die wir bereits im Februar des Vorjahres eingebracht haben. Monate später wurde sie von der rot-schwarzen Landesregierung umgesetzt. Die Armutsbekämpfung ist eines unserer zentralsten Themen.

Weekend: Wie könnte man den heimischen Arbeitsmarkt für junge Menschen attraktiver gestalten?
Gerhard Köfer: Das passiert in erster Linie über interessante Jobs bei Unternehmen. Geht es nach uns, darf es keinen jungen Menschen ohne Abschluss geben. Auch das Modell nach der Matura eine Lehre zu machen, ist in Kärnten noch kaum angekommen. Dieses muss forciert und die Lehre aufgewertet werden, denn die Lehre ist keine Ausbildung zweiter Klasse. Die Lehrlinge von heute sind die Firmenchefs von morgen.

Weekend: Wie soll der Bildungsstandort Kärnten, im Hinblick auf den anhaltenden Fachkräftemangel, gestärkt werden?
Gerhard Köfer: Es braucht eine bessere Abstimmung zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Bildungseinrichtungen. Leider ist es oft so, dass am Bedarf der Firmen vorbei unterrichtet wird. Grundsätzlich gilt es, Ausbildungsangebote in der Technik und im Sozialen zu erweitern. In diesen beiden Bereichen gibt es eine Job-Garantie für junge Menschen. Eine technische Uni muss eine langfristige Perspektive sein.

Erwin Angerer (FPÖ)

Porträt des FPÖ-Landesparteiobmannes Erwin Angerer

Weekend: Was verstehen Sie unter einer klimafreundlichen Energie- und Verkehrspolitik?
Erwin Angerer: Was wir in der Kärntner Umwelt- und Energiepolitik vermissen, ist Hausverstand. Wir müssen unsere heimischen Potentiale dort, wo es sie gibt, sinnvoll nutzen. Kärnten ist kein Windkraft-Land, unsere Stärken liegen in der Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik. Ein kompromissloser Umstieg auf E-Mobilität kann nicht die Lösung sein – fehlende Rohstoffe und zusätzlicher Strombedarf sind die Folgen. Alternativ ist u.a. die Forschung im Bereich synthetischer Treibstoffe und Wasserstoffe zu forcieren.

Weekend: Über welche Maßnahmen sollte das Leben sozial bedürftiger Menschen verbessert werden?
Erwin Angerer: Im sozialen Wohnbau herrscht ein eklatanter Wohnungsmangel. Dieser ist auf ein Versäumnis der SPÖ in der Wohnbaupolitik zurückzuführen. Es braucht jetzt eine radikale Kehrtwende, um sozial bedürftigen Menschen wieder ausreichend leistbare Wohnungen zur Verfügung stellen zu können. Zudem fordern wir ein „Mieterentlastungspaket“, das ein sofortiges Aussetzen der Steuern auf Wohnungsmieten und Betriebskosten beinhaltet – im Schnitt wäre das eine Entlastung von 70 bis 100 Euro pro Monat.

Weekend: Wie könnte man den heimischen Arbeitsmarkt für junge Menschen attraktiver gestalten?
Erwin Angerer: Einerseits müssen wir dafür sorgen, dass sich Leistung für jeden arbeitenden Menschen in Kärnten endlich wieder lohnt, andererseits braucht es speziell für junge Menschen Anreize. Dazu schlagen wir die Einführung einer Lehrabschlussprämie vor, um Lehrlinge beim Start in ihre private und berufliche Zukunft zu unterstützen. Die Prämie in Höhe von 10.000 Euro wird nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung ausbezahlt – 5.000 Euro davon in bar und 5.000 Euro in Form eines Bildungsschecks zur persönlichen Weiterbildung.

Weekend: Wie soll der Bildungsstandort Kärnten, im Hinblick auf den anhaltenden Fachkräftemangel, gestärkt werden?
Erwin Angerer: Wir müssen Maßnahmen gegen die Abwanderung unserer Jugend ergreifen, indem wir ihnen ausgezeichnete Ausbildungs- und Zukunftschancen bieten. Dazu gehört beispielsweise auch die Einrichtung einer Medizinuniversität für Kärnten. Junge Kärntner sollen mit Stipendien gratis im eigenen Land studieren können, mit der Verpflichtung, nach Studienabschluss eine gewisse Zeit im Kärntner Gesundheitssystem, etwa als Hausärzte, zu arbeiten. Damit könnten wir dem Ärztemangel massiv entgegenwirken.

Martin Gruber (ÖVP)

Porträt des ÖVP-Landesrates Martin Gruber

Weekend: Was verstehen Sie unter einer klimafreundlichen Energie- und Verkehrspolitik?
Martin Gruber: Im Energiebereich müssen saubere, regionale Energieformen viel stärker ausgebaut werden: Sonne, Wasser, Biomasse und auch Wind. Das ist nachhaltig und macht uns unabhängiger. Im Verkehrsbereich braucht es Anreize und Angebote, statt Vorschriften. Dann kann man noch mehr Menschen vom öffentlichen Verkehr überzeugen. Es ist hier in den letzten Jahren ein echter Aufholprozess gelungen, es braucht aber noch mehr Investitionen.

Weekend: Über welche Maßnahmen sollte das Leben sozial bedürftiger Menschen verbessert werden?
Martin Gruber: Kurzfristig braucht es direkte Entlastungen, vor allem im Bereich Heizen und Wohnen, wie wir es mit dem Kärnten Bonus gemacht haben. Der wurde bereits zweimal aufgestockt. Langfristig aber müssen wir Inflation und Teuerung bremsen, und das kann nur passieren durch regionale Unabhängigkeit bei der Energie und indem man Leistungen des täglichen Lebens vergünstigt. Das haben wir etwa beim Kärnten Ticket vorgezeigt.

Weekend: Wie könnte man den heimischen Arbeitsmarkt für junge Menschen attraktiver gestalten?
Martin Gruber: Wir müssen Leistung am Arbeitsmarkt stärker fördern. Jeder junge Mensch, der etwas erreichen will, soll dabei bestens unterstützt werden. Das beginnt bei der Ausbildung und geht bis zu leistbarem Wohnungseigentum. Gleichzeitig müssen wir als Standort für Unternehmen attraktiv sein, damit Fachkräfte hier Karrierechancen haben. Gerade im ländlichen Raum gibt es durch die Digitalisierung völlig neue Chancen, um künftig erfolgreich zu sein.

Weekend: Wie soll der Bildungsstandort Kärnten, im Hinblick auf den anhaltenden Fachkräftemangel, gestärkt werden?
Martin Gruber: Kärnten steht im Bildungsbereich gut da, aber wir ruhen uns hier auf einer Basis aus, die vor vielen Jahrzehnten geschaffen wurde. Gerade im Hochschulbereich bilden wir am Bedarf der Wirtschaft vorbei aus. Was soll es bringen, den Studenten Gender Studies beizubringen, wenn die Unternehmen händeringend Fachkräfte brauchen? Es braucht mehr praxis- und bedarfsorientierte Ausbildung!