Arno Wiedergut: "Demokratie braucht einen unabhängigen Journalismus."

Weekend: Was können Sie uns über Ihr soeben erschienenes Buch erzählen?
Arno Wiedergut: Ich habe vergangenes Jahr im Zuge einer psychischen und physischen Schwächephase mit der Arbeit daran begonnen und das Schreiben als eine Art von Befreiungsprozess empfunden. Ich habe dafür mein ganzes Leben Revue passieren lassen und in weiterer Folge sowohl die positiven als auch die negativen Seiten meines turbulenten Berufs- sowie Privatlebens unverfälscht zu Papier gebracht.

Weekend: Auf welche spannenden Anekdoten dürfen sich die Leser freuen?
Arno Wiedergut: Das Buch besteht aus 26 Kapiteln, die eine große Bandbreite an Emotionen bei den Lesern hervorrufen werden: von Staunen über Gelächter bis hin zu Bestürzung. Ich widme mich Themen wie der Korruption in der Politik, faszinierenden Begebenheiten aus meiner Zeit als Journalist sowie privaten Tiefschlägen und Höhenflügen. Außerdem garantiere ich persönlich dafür, dass jedes Wort wahr ist und sich alles genauso zugetragen hat, wie ich es berichte.

Weekend: Wie hat sich der Beruf des Journalisten aus Ihrer Sicht im Lauf der Zeit verändert?
Arno Wiedergut: Seriosität tritt heutzutage im Journalismus leider immer stärker in den Hintergrund. Eine wachsende Zahl an Redakteuren vernachlässigt die objektive Berichterstattung und lässt auch in Reportagen persönliche Meinungen einfließen. Zudem wurde in den vergangenen Jahren der freie Journalismus selbst in Demokratien westlicher Prägung durch die Macht der Wirtschaft, aber auch der Politik, zunehmend beschnitten. Dies macht sich etwa in der wachsenden Einflussnahme der Herausgeber und Eigentümer der Medien auf deren Inhalte bemerkbar.

Arno Wiedergut im Kreise von Besuchern seiner Buchpräsentation in der Klagenfurter Sezession

Weekend: Wie viel Nähe ist zwischen Politikern und Journalisten zulässig?
Arno Wiedergut: Als ich 1988 das APA-Büro übernommen habe, war die Zeit eine andere: Es herrschte ein nahezu kameradschaftliches Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten vor. Ich habe jedoch stets darauf geachtet, niemanden zu bevorzugen, wenn notwendig harte Fragen zu stellen sowie immer auch der Position der Gegenseite Gehör zu schenken, wenn ein Politiker von einem seiner Kontrahenten attackiert wurde.

Weekend: Wie beurteilen Sie die aktuellen Vorgänge, die unter dem Namen „Inseratenaffäre“ zu trauriger Berühmtheit gelangt sind?
Arno Wiedergut: Ich habe, als Sebastian Kurz seinen Vorgänger Reinhold Mitterlehner mit alles andere als „feinen“ Methoden abserviert hat, in einem Leserbrief davor gewarnt, dass der neue ÖVP- Chef Viktor Orbán als Vorbild habe. Leider entwickeln sich die gewählten Volksvertreter weltweit zusehends in Richtung Autokratie. Deshalb wäre es enorm wichtig, dass unabhängige Medien frei von jeglicher Einflussnahme berichten können.

Autor: Stefan Kohlmaier, 19.11.2021