Hochwasser in Kärnten?

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu enormen Schäden in Kärnten verursacht durch Naturgefahren: 2016 trafen die Ortschaft Afritz innerhalb von wenigen Tagen zwei Schlammlawinen, ausgelöst durch tagelangen Regen. Die Häuser der halben Ortschaft waren verschüttet. Im November 2017 gab es den Föhnsturm Yves mit massiven Schäden in Kärntens Wäldern, Dächer wurden abgedeckt und tausende Haushalte waren ohne Strom. Im Oktober 2018 dann das Sturmtief Vaia: Hochwasser, Erdrutsche, Murenabgänge und ebenso Sturmschäden in den Wäldern über fast ganz Kärnten. Im Jänner 2019 gab es das Tief Pirmin mit schweren Schneefällen und Lawinenabgängen sowie Schneebruch in den Wäldern. Im November 2019 wurde Kärnten vom Tief Detlef getroffen sowie letztlich Anfang Dezember 2020 von einem weiteren Tief namens Xunay mit den gleichen Schäden wie in den Jahren zuvor. Jedes Jahr wurde Kärnten also mindestens einmal mit mehr, einmal mit weniger Schadensausmaß getroffen. Seit dem Hochwasser 2012 in Lavamünd hat man versucht, daraus zu lernen. Seit 2016, also seit Markus Hudobnik seinen Posten als Katastrophenschutzbeauftragter angetreten ist, arbeitet man noch verstärkter mit der ZAMG Regionalstelle Klagenfurt zusammen. Ziel ist, eine Risikoanalyse auf Großschadensereignisse hin ausgerichtet auszuarbeiten, beispielsweise, wenn viel Regen, Sturm oder Schnee angekündigt sind, wie bei einem Adria- oder Genua-Tief.

Porträt Markus Hudobnik

Die Vorbereitungen

In kleinem Expertenkreis wird Tage vorher versucht, einzuschätzen, welche Auswirkungen die prognostizierten Niederschlagsmengen auf die Pegelstände der Flüsse haben. Wo könnte das Hochwasser zu Überschwemmungen führen? Liegt das Ergebnis dieser Risikoanalyse vor, werden die betroffenen Gemeinden, die betroffenen Bezirkshauptmannschaften bzw. Städte gleichzeitig mit den Einsatzorganisationen vorinformiert, um zeitgerecht Schutzmaßnahmen treffen zu können. Aktuell zeigen die Wettervorhersagen, dass Kärnten zum Glück von heftigen Regenergüssen verschont geblieben ist, bis auf ein paar kleinere, punktuelle Einsätze. „Durch den Klimawandel beginnt die Natur sich zu verändern. Es gibt vermehrt Felsstürze in den Bergen, die Temperatur ist auch dort angestiegen, wo es früher noch das ganze Jahr über Schnee und Eis gab“, so Hudobnik. Aber könnte es in Kärnten eigentlich auch zu einer derartigen Katastrophe kommen, wie wir sie zurzeit in Teilen Österreichs wahrnehmen? Hudobnik meint: „immer!“ Vor allem im November, Dezember und Ende Jänner bzw. Anfang Februar sind die für uns „gefährliche Zeiten“, wo man versucht, noch enger zusammenzuarbeiten.

Autor: Pia Kulmesch, 22.07.2021