Gerhard Köfer: „Die SPÖ hat sich zu einem Spiegelbild der Haider-FPÖ entwickelt!“

Gerhard Köfer nimmt im Weekend-Interview eine schonungslose Analyse der heimischen Politlandschaft vor und führt dabei aus, was er sich von den Verantwortungsträgern erwarten würde.
Autor: Stefan Kohlmaier, 07.06.2022 um 10:48 Uhr

Weekend: Wie fällt Ihre Einschätzung der aktuellen Politlandschaft Kärntens aus?
Gerhard Köfer: Leider haben sich deren Verhältnisse in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich verändert, sondern weisen vielmehr eine bedauerliche Kontinuität auf. Die SPÖ hat sich mittlerweile zu einem Spiegelbild der von ihr stets heftig kritisierten Haider-FPÖ entwickelt. Ihre Selbstvermarktung hat ein beinahe unerträgliches Ausmaß erreicht, während handfeste Probleme wie die österreichweit höchste Pro-Kopf-Verschuldung und Arbeitslosenquote beschönigt werden. Die ÖVP fungiert als ihr willfähriger Steigbügelhalter. Sie hat sich verkauft und wird bei der kommenden Wahl dafür abgestraft werden.

Weekend: Welcher Probleme müsste man sich mit erhöhter Dringlichkeit annehmen?
Gerhard Köfer: Ein Thema der Stunde ist zweifelsohne das der Pflege. Um den Personalmangel auf diesem Sektor kompensieren zu können, wurde von uns bereits vor vielen Jahren die Einführung einer Pflege-Lehre angeregt, wofür wir seitens der SPÖ belächelt wurden. Heute steht es jedoch außer Frage, dass wir mit diesem Modell den richtigen Weg eingeschlagen hätten. Zusätzlich wäre es höchst an der Zeit, das Pflegepersonal angemessen zu entlohnen. Außerdem müsste der exorbitanten Schuldenentwicklung Einhalt geboten werden. Seit dem Jahr 2013 ist der Schuldenberg Kärntens nämlich dramatisch angewachsen. Anstatt diese Mehrausgaben jedoch für infrastrukturelle oder wirtschaftliche Maßnahmen heranzuziehen, wurden damit Projekte parteinaher Institutionen großzügig gefördert. Zur Eindämmung der momentanen Teuerungswelle ist ferner eine signifikante Steuersenkung auf alle Grundnahrungsmittel vonnöten.

Nahaufnahme von Gerhard Köfer in einem weißen Hemd und einer beigen Leinenhose

Weekend: Wie bewerten Sie die Vorgänge rund um den Klagenfurter Flughafen?
Gerhard Köfer: Wir haben uns als einzige politische Bewegung von Beginn an kritisch mit dem Projekt, dessen Verhandlungen sich vollkommen intransparent gestalteten, auseinandergesetzt. Als der fertiggestellte Vertrag schlussendlich auf dem Tisch lag, wurde von uns eine Rechnungshofprüfung veranlasst, die zahlreiche ungeklärte Fragen offenbarte. So wurden beispielsweise wesentliche Vergabekriterien nur teilweise oder gar nicht erfüllt. Für mich ist dem Projekt daher nur dann eine erfolgreiche Zukunft beschieden, wenn man die ursprünglich geplante Weiterentwicklung des Flughafens deutlich forciert und nicht nur die Verwertung der Grundstücke in den Mittelpunkt stellt.

Weekend: Welche Ziele haben Sie sich als Bürgermeister von Spittal gesetzt?
Gerhard Köfer: Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits einen großen Teil des Schuldenberges, den unsere Vorgänger aufgetürmt haben, abtragen konnten, ist es nun an der Zeit, in unserer Stadt eine Aufbruchsstimmung zu entfachen und sie als liebenswerte, wirtschaftsstarke Bezirksstadt zu positionieren.