Dunja Zdouc: die Schützin

Weekend: Wie wirken die Erlebnisse der letzten Saision, wo du Mixed-Vizeweltmeisterin geworden bist, in die Vorbereitungen für die kommende Saison ein?
Dunja Zdouc: Es ist eine große Motivation, weil du weißt, wozu du in der Lage bist. Als Sportler willst du immer besser werden. Dadurch, dass wir Lisa (Anm. Hauser) in der Gruppe haben, die Weltmeisterin ist, kann man sich nach ihr orientieren. Es ist für den Kopf sehr gut, wenn du weißt, dass du nicht viel hinter ihr bist. Wichtig ist, dass man das, was man im Training geschafft hat, auch im Rennen umsetzen kann.

Weekend: Welche Rolle spielt der Kopf beim Sport?
Dunja Zdouc: Eine sehr große! Ich würde sagen, 80 Prozent spielt sich im Kopf ab. Wenn du beim Rennen das Gefühl hast, dass deine Ski nicht die besten sind, dann ist es auch schwieriger, an die Grenzen zu gehen. Das Gleiche gilt fürs Schießen. Wenn du davon überzeugt bist, dass du treffen wirst, wirst du treffen.

Weekend: Welche Ziele hast du für die kommende Saison?
Dunja Zdouc: Auf jeden Fall die Qualifikation für die Olympischen Spiele, die finden ja nur alle vier Jahre statt. Generell versuche ich, nicht ergebnisorientiert, sondern arbeitsorientiert an die Sache zu gehen und am Tag X, am Tag des Rennens, das Beste aus dem Körper zu holen.

Weekend: Wie gehst du mit Stress und Druck um?
Dunja Zdouc: Ein Stress- und Druckfaktor ist, ergebnisorientiert zu arbeiten. Mit den Jahren lernt man, damit umzugehen. Natürlich will man in die Top 10, natürlichs setzt man sich solche Ziele. Aber ich habe ich der Vergangenheit herausgefunden, dass ich Ziele eher erreichen kann, wenn ich mich anders fokussiere. Ich schaue, wie ich dahin komme - der Weg ist das Ziel.

Weekend: Was machst du, um deine Gedanken zu stärken?
Dunja Zdouc: Mir helfen Yoga-Atemübungen sehr. Außerdem kann ich beim Klavierspielen abschalten. Da brauchst du nicht an Biathlon zu denken und bist in einer komplett eigenen Welt.

Weekend: Wie wichtig ist der Rückhalt der Familie?
Dunja Zdouc: Meine Familie ist mir sehr wichtig. Wenn ich ein paar Tage daheim bin, kann ich mit viel Kraft und Motivation wieder an das Training gehen. Ich denke, jeder Sportler braucht Säulen und Stützen.

Weekend: Hast du manchmal Angst, was auf dich zukommt?
Dunja Zdouc: Die Angst, zu versagen, ist natürlich immer da. Ich habe gelernt, dass Angst ein Teil von mir ist, kein Feind. Es liegt an mir, wieviel Aufmerksamkeit ich ihr schenke. Ich will sie nicht aus dem Körper ausrotten, weil sie an sich nichts Schlechtes ist - aber es geht um die Balance. Prinzipiell ist es wichtig, dass die Freude immer dabei ist und dass man entspannt bleibt, dann geht es am einfachsten von der Hand.

Dunja Zdouc
Autor: Pia Kulmesch, 11.10.2021