Der Wolf erhitzt die Gemüter

Die einen fordern Tierschutz, die anderen die Abschussfreigabe. Zweifellos zählen die Wölfe zu den bekanntesten und umstrittensten Raubtieren – nicht zuletzt, weil sie frühzeitig Eingang in Mythen und Märchen vieler Völker gefunden haben, man denke nur an das Märchen vom Rotkäppchen oder vom Wolf und den sieben Geißlein. In Mitteleuropa wurden Wölfe ab dem 15. Jahrhundert systematisch verfolgt und gejagt. Deshalb waren sie im 19. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa in nahezu allen Regionen fast vollständig ausgerottet. Seit der Jahrtausendwende ist die Anzahl der Wölfe und Wolfsrudel in Mittel- und Nordeuropa wieder deutlich gestiegen und mit ihr auch die Angst und Sorge der Nutzviehhalter. Denn Wölfe ernähren sich vorwiegend von mittelgroßen und großen Wiederkäuern, wobei sie auch entsprechende Haustiere erbeuten, wenn ihnen dazu Gelegenheit geboten wird und keine andere Nahrungsquelle zur Verfügung steht.

Forderung nach Anpassung der Bestimmungen

Daher werden aktuell wieder Stimmen laut, die eine Reduktion des Wolfsbestandes fordern. Im heurigen Almsommer sind allein in Kärnten bereits über 40 Schafe und Lämmer gerissen worden. LK-Präsident Siegfried Huber überreichte gemeinsam mit betroffenen Almbauern eine in der LK-Vollversammlung einstimmig verabschiedete Resolution an Landtagspräsident Reinhart Rohr. Gefordert wird eine Anpassung der landesgesetzlichen Bestimmungen, die eine raschere Entnahme von Wölfen ermöglichen könnten. Der juristische Spielraum für Entnahmen ist eng – Wölfe sind durch EU-Recht streng geschützt! Siegfrid Huber betont, dass jeder Wolf, der Tiere angreift oder tötet, ein Problem-Wolf sei und entnommen werden müsse. Auch LR Gruber forderte bei einer Konferenz der Agrarreferenten der Bundesländer in Wien, dass eine in ganz Österreich einheitliche Vorgehensweise gebraucht wird, um bei Problemwölfen rascher eingreifen zu können.

Schafe auf der Weide

Umdenken bei Problemwölfen

In Zukunft soll bereits im Vorfeld festgelegt werden, ob Herdenschutzmaßnahmen in einem gewissen Gebiet überhaupt möglich, zumutbar und verhältnismäßig sind – und nicht erst im Anlassfall. Damit können so genannte Weideschutzgebiete ausgewiesen werden. Eine Task-Force bestehend aus Fachexperten der jeweiligen Bundesländer wird die Parameter für die Ausweisung dieser Schutzgebiete erarbeiten, um ein gemeinsames Vorgehen sicherzustellen. Änderungen erreichen wollen die Bundesländer auch bei der Frage, was ein Problemwolf ist. LR Gruber dazu: „Es muss ein Umdenken geben bei diesen Vorgaben, ab wann ein Wolf als Problemwolf gilt, den man zum Abschuss freigeben kann.“ Der Managementplan sieht derzeit nämlich keine Entnahme von Wölfen vor, wenn sich Weidetiere ungeschützt auf der Alm befinden und angegriffen werden. An dieser Stelle soll gemeinsam vorgegangen werden.

Herdenhund mit Schafen

WWF appelliert an Politik

Auch die Naturschutzorganisation WWF Österreich setzt auf Herdenschutz. Christian Pichler, Wolfsexperte der Organisation WWF dazu: „Konflikte können nur reduziert werden, wenn die Politik die Almwirtschaft im Aufbau von Herdenschutz unterstützt. Denn ungeschützte Schafe sind und bleiben eine leichte Beute für Wölfe. Der Schutz von Schafherden durch Hirten kann (…) viel Tierleid reduzieren.“ Das Gebot der Stunde sei die Wiederbelebung des Hirtenwesens und die Ausbildung von Herdenschutzhunden. Zum Thema Abschuss der Wölfe sagt Wolfsexperte Pichler: Rechtswidrige Abschüsse oder Wilderei können nicht verhindern, dass der nächste Wolf nachzieht. Denn wir sind umgeben von Ländern mit viel größeren Wolfspopulationen. In Italien leben bis zu 2.700 Wölfe, in Österreich lediglich 40. Das Rad müsse nicht neu erfunden werden, sondern lediglich die Schutzmaßnahmen unserer Nachbarländer übernommen werden. Fördertöpfe der EU stehen dafür bereit, werden aber in Österreich nicht ausgeschöpft. Das müsse sich dringend ändern, so Pichler.

Autor: Pia Kulmesch, 28.07.2021