Alexander Langer über das goldene Handwerk

Weekend: Welche Leistungen bietet Ihr Unternehmen seinen Kunden an?
Alexander Langer: Unser Leistungsportfolio umfasst sämtliche Bereiche, die mit dem Musikinstrument Klavier zusammenhängen: vom Stimmen über die Reparatur bis hin zum An- und Verkauf sowie zum Verleih. Neben dem kompletten Tastensortiment der Firma Yamaha, vom Keyboard bis zum Konzertflügel, führen wir Modelle der Hersteller Schimmel und Petrof. Die aktuell sehr beliebten Silent Pianos mit Kopfhörer werden ebenfalls von uns vertrieben. Darüber hinaus wickeln wir Klaviertransporte ab, verleihen Konzert-Equipment für Veranstaltungen und haben auch hochwertige gebrauchte Instrumente im Angebot.

Weekend: Welche Ausbildung und Kompetenzen muss ein Mitarbeiter Ihres Betriebes mitbringen?
Alexander Langer: Der Lehrberuf des Klavierbauers, durch den man auch das Klavierstimmen erlernt, bildet eine gute Basis für die Tätigkeiten in unserem Haus. Die Kompetenzprofile unserer Mitarbeiter sind jedoch das Ergebnis eines aktiv betriebenen, niemals endenden Learning-by-doing-Prozesses, da jedes Klavier einen eigenen Charakter aufweist und auf selbigen abgestimmt behandelt werden muss.

Weekend: Wie sieht der typische Arbeitsalltag in Ihrer Firma aus?
Alexander Langer: Äußerst abwechslungsreich und vielseitig, kein Arbeitstag gleicht dem anderen und es wird einem nie langweilig. Die täglichen Aufgaben reichen vom Säubern der Klaviere und dem kreativen Gestalten der Schauräume bis hin zu mitunter äußerst anspruchsvollen Transportaufträgen, von denen wir jährlich ca. 800 übernehmen. Neben sogenannten „Scheidungsklavieren“, die nach einer Trennung innerhalb weniger Stunden umgesiedelt werden müssen, stellen uns oftmals auch nicht alltägliche Objekte wie Zahnarztsessel oder Tresore, die man uns ebenfalls guten Gewissens anvertrauen kann, auf die Probe. Für die besonders harten Fälle arbeiten wir mit der Spedition Riegler zusammen, die uns mit Kränen und Hebebühnen unterstützt.

Alexander Langer sitzt neben einem Klavier

Weekend: Wie hat sich die Corona- Pandemie auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Alexander Langer: Während des ersten Lockdowns ist die Nachfrage nach Serviceleistungen stark eingebrochen. Dafür hat der Verkauf der Silent Pianos gewaltig angezogen und über die Sommerferien haben wir so ziemlich alles verkauft, was Tasten hatte. Der Equipment-Verleih für Konzerte war hingegen ein Totalausfall. Da die Produktion in den wichtigsten Bezugsländern zudem über den Sommer empfindlich gedrosselt wurde, hatte die gesamte Branche zum Jahresausklang ein Lieferproblem. Die Wartung der Instrumente, insbesondere das Stimmen sowie die Transportaufträge, haben sich jedoch wieder auf einem hohen Niveau eingependelt.

Weekend: Welchen Stellenwert genießt die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?
Alexander Langer: Sie berührt eher den administrativen Bereich und spielt in der Werkstatt kaum eine Rolle. Wobei beispielsweise Silent Pianos mit Kopfhörern, Sensoren und kleinen Computern ausgestattet sind, weshalb ein Mitarbeiter, der mit ihrer Kalibrierung betraut ist, mit der Technik nicht komplett auf Kriegsfuß stehen sollte.

Weekend: Warum sollten junge Menschen auch in Zukunft eine Lehre beginnen?
Alexander Langer: Eine Lehre vermittelt Jugendlichen nicht nur die Befähigung zur Ausübung eines bestimmten Berufs, sondern fördert auch Eigenschaften wie Flexibilität, Selbstorganisation und das Halten von Ordnung, die sich für alle Lebensbereiche als wertvoll erweisen. Ferner wird das Handwerk niemals aussterben und ein guter Handwerker immer genug Arbeit finden. Ich befinde mich selbst gerade auf der Suche nach einem Lehrling, der sich für die Tätigkeit des Klavierbauers interessiert. In Häusern und Wohnungen sowie an Autos und selbst an Computern fallen regelmäßig Reparaturarbeiten an, und auch den Wohnzimmerboden wird in Zukunft immer noch ein Handwerker verlegen.

Autor: Stefan Kohlmaier, 04.01.2021