Mega-Pleite in Marz: Traditions-Schlosserei vor Aus
Ein bedeutender und langjähriger Arbeitgeber im Bezirk Mattersburg steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Wie der Gläubigerschutzverband AKV am heutigen Dienstag bekannt gibt, wurde über das Vermögen der Caroline Biribauer GmbH ein Konkursverfahren beim Landesgericht Eisenstadt eröffnet. Das in dritter Generation geführte Familienunternehmen mit Sitz in Marz schlitterte aufgrund von Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenz.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen laut Aufzeichnungen der Gemeinde sogar bis in das 17. Jahrhundert zurück, als erstmals „der Schmied an der Mattersdorfer Strasse“ urkundlich erwähnt wurde. Nun steht das geschichtsträchtige Unternehmen vor der endgültigen Liquidation und Schließung.
Die Insolvenzursachen und betroffene Dienstnehmer
Vom Insolvenzverfahren des Metallbauunternehmens sind laut Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbandes insgesamt 37 Dienstnehmer direkt betroffen. Die Löhne und Gehälter der Belegschaft wurden demnach bis einschließlich April 2026 ordnungsgemäß ausbezahlt. Zudem haben im Zuge des Verfahrens 84 Gläubiger ihre Forderungen geltend zu machen, wobei sich die gesamten Verbindlichkeiten auf rund 2 Millionen Euro belaufen.
Als wesentliche Gründe für das Abgleiten in die finanzielle Schieflage nennt das Unternehmen eine Kombination aus mehreren wirtschaftlichen Faktoren. Neben einem spürbaren Rückgang der allgemeinen Auftragslage belasteten vor allem die drastisch gestiegenen Kosten für Energie, die Materialanschaffung sowie der allgemeine Anstieg der Personalkosten die Liquidität der Schlosserei in den vergangenen Monaten massiv.
Vermögenslage und die kommende Schließung in Marz
Die genauen Vermögensverhältnisse der Schuldnerin müssen im Zuge des eröffneten Verfahrens durch die bestellte Insolvenzverwaltung geprüft werden. Die Schuldnerin ist Eigentümerin der Betriebshalle´. Ein detaillierter Wert des Anlage- und Umlaufvermögens sowie die Werthaltigkeit offener Forderungen stehen erst nach der Schätzung durch einen Gutachter fest.
Eine Sanierung oder Entschuldung des Betriebes wird von der Geschäftsführung nicht angestrebt. Das Management plant lediglich eine kurzfristige Fortführung des Betriebes, um bereits begonnene Kundenaufträge geordnet fertigzustellen. Anschließend wird die Caroline Biribauer GmbH liquidiert und die Schließung in Marz vollzogen.
Historischer Rückblick: Jahrzehntelanges Wachstum
Die heutige GmbH ging aus einer klassischen Huf- und Wagenschmiede hervor, die von Friedrich Biribauer ausgebaut und 1982 an Hans und Eva Biribauer übergeben wurde. Mit der strategischen Neuausrichtung auf Schlosserarbeiten im Jahr 1983 expandierte das Unternehmen und wickelte erste Großaufträge in Wien ab. Die Werkstatt im Dorfkern von Marz wurde kontinuierlich erweitert, bis im Jahr 1989 die Umgründung in eine GmbH erfolgte. Im Jahr 1994 wurde schließlich der Bau der modernen Produktionshalle an der Industriestraße initiiert, welche 1996 bezogen wurde.
Das Unternehmen investierte über die Jahre stark in Spezialtechnologien wie eine Wasserstrahlschneideanlage für die Lohnfertigung (2001) und erlangte wichtige Industriezertifizierungen. Am 1. Oktober 2018 übergaben Eva und Hans Biribauer den Betrieb in dritter Generation an die Geschwister Caroline und David Biribauer, die das Unternehmen damals noch mit 45 Mitarbeitern übernahmen. Nach wirtschaftlichen Turbulenzen geht diese jahrzehntelange Erfolgsgeschichte nun zu Ende.