Noch bei Bayern München - wo endet David Alabas Transfer-Saga?

Mit neun Bundesliga-Titeln (Rekord!) und zwei Champions-League-Siegen (als erster Österreicher überhaupt) gehört David Alaba schon jetzt zu den Allzeit-Größen bei Bayern München. Über 400 Mal war Alaba für die Bayern im Einsatz, öfter als Paul Breitner und Uli Hoeneß. Demnächst wird er auch Lothar Matthäus und Karl-Heinz Rummenigge überholen.

Und doch fliegen seit einem halben Jahr die verbalen Schlammfetzen hin und her, zwischen dem Verein, bei dem Alaba seit seinem 16. Lebensjahr unter Vertrag ist, auf der einen Seite - und David Alabas Vater George (als Musiker mit zwei Top-10-Hits in den Neunzigern) und seinem Berater Pini Zahavi.

Das letzte halbe Jahr hat bei Alaba mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Was ist nun also Sache?

Alaba und Bayern - das gehört(e) zusammen

Ob als Außenbahn-Wirbler im Duett mit Franck Ribéry unter den Trainern Louis van Gaal und Jupp Heynckes, ob auf praktisch jeder Position gleichzeitig unter Pep Guardiola oder als aufrückender Innenverteidiger nach Franz-Beckenbauer-Art zuletzt bei Hansi Flick - bei den Bayern schätzte man stets Alabas Vielseitigkeit und seine Verlässlichkeit.

Sein aktueller Vertrag läuft noch bis Sommer 2021. Können sich Klub und Spieler nicht auf einen neuen Kontrakt einigen, ist Alaba ablösefrei. Das heißt: Er kann zu jedem Klub gehen, ohne dass Ablöse an Bayern München fällig wird.

Das ist eine ungünstige Lage für den Klub, denn für einen Spieler wie Alaba könnte man ein hübsches Sümmchen verlangen. Das ist aber eine sehr gute Lage für den Spieler, der pokern kann - eigentlich.

Alaba will mehr, Bayern bietet etwa gleich viel

Ob seiner mittlerweile 28 Jahre weiß man in Alabas Lager: Es steht wahrscheinlich der letzte große Vertrag seine Karriere an. Seinen Zenit hat der 73-fache ÖFB-Teamspieler erreicht, bald hat er ihn überschritten.

Also wurden - je nach Quelle, klare Angaben der Beteiligten gab es ja nicht - zwischen 20 und 25 Millionen Euro Jahres-Salär verlangt, bisher sind es rund 15 Millionen. Die Bayern boten offenkundig 11 Millionen Fixum plus bis zu 6 Millionen an Leistungsprämien. Alaba selbst betonte zwar stets, dass die kolportierten Summen "keineswegs der Wahrheit entsprechen" würden, konkreter wurde er aber auch nicht. Bayerns Top-Verdiener (Weltfußballer Lewandowski und Torhüter Neuer) bekommen rund 20 Millionen.

Keine Seite ist von den Forderungen abgerückt, zumal auch Zahavi für sich selbst eine Provision in Höhe von rund 20 Millionen Euro verlangt haben soll. Anfang November hat Bayern München das Angebot zurückgezogen - auch, da der Vorwurf im Raum stand, Zahavi soll mit dem Bayern-Angebot bei der europäischen Konkurrenz hausieren gegangen sein. Nach dem Motto: "Das zahlen die Bayern, sie wollen ihn eigentlich halten - was bekommen wir also von euch, liebes Real Madrid/Paris/Juventus/etc.?"

David Alaba

Hat Alabas Lager verzockt?

Die Suche nach einem neuen Klub gestaltet sich aber als etwas mühsam. Englands Meister Liverpool war nur kurz im Gespräch. Alaba ist für die langfristige Planung dort schlicht schon zu alt.

Mit anderen Optionen hat Adidas keine Freude. Alabas Ausrüster (und Bayern-München-Miteigentümer) möchte den Österreicher bei einem "seiner" Klubs halten und nicht zur von Nike ausgestatteten Konkurrenz abwandern sehen. Das gilt für den FC Barcelona, der aber ohnehin in finanziellen Troubles ist. Das gilt für Paris St. Germain, wo vor einigen Monaten Interesse berichtet wurde; in Frankreich löhnen Profisportler aber 50 Prozent an Steuern - doppelt so viel wie in Deutschland. Auch der derzeit ziemlich mittelmäßige englische Klub Chelsea trägt Nike-Trikots.

Bei Manchester City, wo Trainer Guardiola ein großer Alaba-Fan ist, spielt Geld dank der schwerreichen Besitzer aus Abu Dhabi zwar keine Rolle. Dafür wird der Klub ausgerechnet von Adidas' Intimfeind Puma ausgerüstet.

Ein königlicher Transfer?

Bleiben zwei Großklubs, die sich Alaba grundsätzlich leisten könnten: Real Madrid und Juventus Turin.

Beim italienischen Serienmeister soll man im Herbst schon verhandelt haben, aber von Superstar Cristiano Ronaldo (31 Millionen pro Jahr) abgesehen kassiert dort niemand mehr als acht pro Jahr - also nur die Hälfte von dem, was Bayern München im Optimalfall angeboten hat.

Und bei Real Madrid wäre man dem Vernehmen nach zwar sehr wohl ernsthaft an Alaba interessiert, vor allem Trainer Zinedine Zidane würde den Österreicher wohl gerne haben, wie es heißt - aber mehr als 10 Millionen pro Jahr sind die Königlichen auch nicht zu zahlen bereit.

Lose-Lose-Situation

Seit zehn Wochen ist klar, dass Alabas Zeit bei Bayern München dem Ende entgegen geht, und immer noch scheint keine Vollzugsmeldung in Sicht - nur Gerüchte, Spekulationen und eine zunehmend wahllos wirkende Suche nach einem halbwegs gesichtswahrenden Ausweg aus der Lose-Lose-Situation, in die sich das Lager von David Alaba hinein manövriert hat.

Unterschreibt er bei einem anderen Klub, wird er wohl weniger verdienen, als wenn er das ursprüngliche Bayern-Angebot angenommen hätte. Kriecht er mangels Alternativen nach München zurück, steht er wie ein Depp da. Und den Eindruck von gerade in Corona-Zeiten unangemessener Geldgier konnte Alaba in den letzten Monaten in keinster Weise zerstreuen.

Sichergestellt ist nur: Er war im Gespräch. Er ist im Gespräch. Und er wird im Gespräch bleiben.

Tags

Autor: Philipp Eitzinger, 18.01.2021