Große Trauer: Wiener Kunstpionierin ist tot
- Trauer um eine Pionierin: Ingrid Wiener kurz vor 84. Geburtstag verstorben
- Textilkunst neu definiert: Webearbeiten und berühmte Weggefährten
- Eng verbunden mit dem MAK: Ein bleibendes künstlerisches Erbe
Die Künstlerin Ingrid Wiener ist im Alter von 83 Jahren – nur einen Tag vor ihrem 84. Geburtstag – verstorben. Als Pionierin der feministischen Avantgarde transformierte sie die Textilkunst und hinterlässt ein vielschichtiges Werk, das internationale Strahlkraft besitzt. Kulturinstitutionen wie das Museum für angewandte Kunst (MAK) zeigen sich zutiefst betroffen, dass die bedeutende Schöpferin nun tot ist.
Trauer um eine Pionierin: Ingrid Wiener kurz vor 84. Geburtstag verstorben
Wie ihre Vertretung, die Galerie Charim in Wien gegenüber dem Standard, bestätigt, verstarb Ingrid Wiener am Donnerstag, kurz vor der Vollendung ihres 84. Lebensjahres. Geboren im Jahr 1942, erlangte sie früh Bekanntheit als wegweisende Akteurin der österreichischen Gegenwartskunst.
Geprägt war ihr Leben auch von gemeinsamen Lebens- und Arbeitsstationen: Über viele Jahre lebte sie mit ihrem Ehemann, dem bekannten Schriftsteller und Künstler Oswald Wiener (1935–2021), in Berlin und Kanada. Ihr Schaffen zeichnete sich durch eine kompromisslose Weiterentwicklung künstlerischer Medien und das Aufbrechen traditioneller Rollenbilder aus.
Textilkunst neu definiert: Webearbeiten und berühmte Weggefährten
Schon früh verschrieb sich Ingrid Wiener der Kunst des Webens. Sie schaffte es, das oft traditionell und weiblich konnotierte Medium des Textilen zu transformieren und in den Kanon der zeitgenössischen Kunst zu erheben. In ihren Gobelins und Webearbeiten verband sie Elemente der Fotografie, Malerei und Collage zu einer völlig neuartigen, vielschichtigen Bildsprache.
In ihrem künstlerischen Schaffen arbeitete sie regelmäßig mit herausragenden Persönlichkeiten zusammen. Eng verknüpft war ihre Arbeit unter anderem mit der Aktionskünstlerin VALIE EXPORT sowie mit Dieter Roth, mit denen sie wegweisende Gemeinschaftsprojekte realisierte.
Eng verbunden mit dem MAK: Ein bleibendes künstlerisches Erbe
Besonders eng war Ingrid Wiener in ihren späten Lebensjahren mit dem Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien verbunden. Zuletzt wurden ihre Werke in der vielbeachteten MAK-Ausstellung „HARD/SOFT. Textil und Keramik in der zeitgenössischen Kunst“ (2023/2024) gewürdigt. Zudem bereichert ihr mehrteiliger, großformatiger Gobelin „Dr. Müllers Kabelfrühling“ (2009/10) als zentrale Arbeit die Sammlung Gegenwartskunst des Museums.
MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein zeigt sich tief betroffen vom Ableben der Ausnahmekünstlerin: „Wir verlieren eine Künstlerin, Pionierin, Vermittlerin und Freundin, die uns an ihrer Welt und ihren künstlerischen Prozessen teilhaben ließ.“ Ihr Einfluss auf nachfolgende Generationen junger Künstlerinnen und Künstler bleibt ungemindert bestehen.