Andreas Gabalier: "Jeder Mensch trauert anders"
- Andreas Gabalier über sein Album „Handwerk“
- Andreas Gabalier über Liebe und persönliche Verluste
- So lebt Andreas Gabalier abseits der Bühne
- Andreas Gabalier: „Ich bin gelassener geworden“
- So geht Andreas Gabalier mit Kritik um
- Das wünscht sich Andreas Gabalier für die Zukunft
Zehn Jahre nach seinem MTV-Unplugged-Konzert zeigt sich Andreas Gabalier mit seinem Album „Handwerk“ wieder von seiner ruhigeren Seite. Im Interview mit weekend.at spricht der Volks-Rock’n’Roller über Musik, persönliche Verluste, Kritik und sein Leben abseits der Bühne. Dabei verrät Gabalier auch, wie ihn die vergangenen Jahre verändert haben und was ihm nach dem Verlust seines Vaters und seiner kleinen Schwester geholfen hat.
Andreas Gabalier über sein Album „Handwerk“
Zehn Jahre nach deinem ersten Unplugged-Album kommt jetzt „Handwerk“. Wie ist die Idee entstanden, das Jubiläum mit einem neuen Album zu feiern?
Andreas Gabalier: Der zehnte Jahrestag von meinem MTV-Unplugged-Konzert hat sich einfach angeboten, um das zu feiern. Und nach den letzten Jahren mit großen Konzerten in Stadien und Hallen war für mich auch der richtige Zeitpunkt, wieder eine ruhigere Seite von mir zu zeigen.
Warum hast du dich für den Titel „Handwerk“ entschieden? Was steckt für dich dahinter?
Andreas Gabalier: Weil das Album mit sehr viel Aufwand und Liebe zum Detail entstanden ist, wir haben alles live im Studio eingespielt, jeder Ton mit Handarbeit entstanden. Das ist für mich Handwerk im wahrsten Sinn des Wortes, und genau das wollte ich mit dem Titel zeigen.
Andreas Gabalier über Liebe und persönliche Verluste
Auf dem Album wird es natürlich auch emotional. In „Meine Liebe bleibt“ singst du die Zeile „Nie mehr um die Liebe flehen“. Welche Erfahrungen hast du selbst mit nicht erwiderter Liebe gemacht?
Andreas Gabalier: Solche Zeilen entstehen aus Gefühlen, die wahrscheinlich jeder kennt, ob aus eigener Erfahrung oder aus dem, was man im Umfeld miterlebt. Ich find's schön, wenn jeder Hörer seine eigene Geschichte in so einem Song wiederfindet.
Mit „Why Do The Good Die Young“ wird es auf dem Album sehr emotional. Wie gehst du heute mit dem Verlust eines geliebten Menschen um? Hast du einen Rat für Menschen, die gerade einen Verlust verarbeiten?
Andreas Gabalier: Einen Rat kann und will ich da gar nicht geben, jeder Mensch trauert anders, und das muss auch so sein. Mir persönlich hat nach dem Verlust meines Vaters und meiner kleinen Schwester vor allem die Musik geholfen, das zu verarbeiten.
So lebt Andreas Gabalier abseits der Bühne
Du stehst regelmäßig vor Tausenden Menschen auf der Bühne. Wie erlebst du die Momente, wenn der ganze Trubel vorbei ist und plötzlich wieder Ruhe einkehrt?
Andreas Gabalier: Beides hat für mich seinen Reiz. Der Trubel auf der Bühne mit Tausenden Menschen ist ein unglaubliches Gefühl, aber genauso schätze ich die Ruhe danach, wenn wieder alles still wird.
Nach außen kennt man dich als den coolen Volks-Rock’n’Roller. In deinen Songs blitzen aber immer wieder sehr emotionale Seiten durch. Wie ist der echte Andreas Gabalier, wenn Kameras und Blitzlicht aus sind?
Andreas Gabalier: Viel ruhiger und bodenständiger, als sich die meisten vorstellen. Ich bin dann wie jeder andere Mensch auch zuhause, gehe meinen alltäglichen Dingen nach, auf dem Wochenmarkt einkaufen zum Beispiel, und ich bügel wirklich gern.
Andreas Gabalier: „Ich bin gelassener geworden“
Wenn du auf die vergangenen zehn Jahre zurückblickst: Was hat dich als Mensch am meisten verändert?
Andreas Gabalier: Die schiere Menge an Erfahrungen, gute wie schwierige. Ich bin gelassener geworden, weiß Erfolg nicht mehr für selbstverständlich zu nehmen, und hab gelernt, dass es die Ruhepausen sind, die einen erst wieder stark machen für die nächste Etappe.
Gibt es etwas in deinem Leben, von dem du heute sagst: Das würde ich gerne noch einmal anders machen?
Andreas Gabalier: Ich schau nicht gern zurück und denk mir, was hätte sein können. Jede Entscheidung, auch die schwierigen, hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin, und damit kann ich gut leben.
Wenn du einen Moment aus deiner bisherigen Karriere noch einmal erleben könntest: Welcher wäre das und warum gerade dieser?
Andreas Gabalier: Das kann ich gar nicht auf einen einzigen Moment eingrenzen, ich durfte in den letzten zehn Jahren so viele einzigartige Momente erleben, da wäre es schwierig einen herauszupicken.
So geht Andreas Gabalier mit Kritik um
Du bist seit vielen Jahren ganz oben. Wie gehst du heute mit Kritik um und gibt es Dinge, die dich trotz all der Erfahrung noch verletzen können?
Andreas Gabalier: Mit den Jahren wird die Haut dicker, keine Frage. Musik ist Geschmackssache, und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, damit kann ich mittlerweile gut umgehen. Aber wenn es persönlich wird oder Menschen betrifft, die mir nahestehen, dann geht mir das nach wie vor sehr nahe.
Du bist seit vielen Jahren erfolgreich. Gibt es bei dir trotzdem noch die Angst, dass dieser Erfolg irgendwann vorbei sein könnte?
Andreas Gabalier: Diese Angst würde ich nicht Angst nennen, eher einen gesunden Respekt davor, dass nichts für die Ewigkeit ist. Genau deshalb bin ich dankbar für jeden Tag, den ich das machen darf, und verlier mich nicht in der Sorge um morgen.
Das wünscht sich Andreas Gabalier für die Zukunft
Wenn du heute an die Zukunft denkst: Welche Träume hast du noch, beruflich, aber vor allem auch persönlich?
Andreas Gabalier: Beruflich einfach weiter ehrliche Musik machen und mit der Band auf der Bühne stehen, solange die Leute mich hören wollen. Persönlich wünsch ich mir vor allem Gesundheit, für mich und die Menschen, die mir wichtig sind.