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Porträt von AMS-Chef Johannes Kopf mit Brille, blauem Sakko und weißem Hemd. Er fordert ein höheres Pensionsantrittsalter in Österreich.
AMS-Chef Johannes Kopf spricht sich für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters in Österreich aus.
AMS-Chef Johannes Kopf spricht sich für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters in Österreich aus.
APA-Images / Wolfgang Wolak

Johannes Kopf: „Dann muss man halt länger arbeiten“

12.10.2026 um 08:01, Stefanie Hermann
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Johannes Kopf fordert ein höheres Pensionsalter in Österreich. Der AMS-Chef kritisiert die Politik und warnt vor Problemen für ältere Arbeitslose.

Länger arbeiten statt früher in Pension: AMS-Chef Johannes Kopf rüttelt an einem politischen Tabuthema. In der ORF-Pressestunde fordert er ein höheres Pensionsantrittsalter und nimmt dabei nicht nur die Politik, sondern auch die Unternehmen in die Pflicht.

​AMS-Chef will Pensionsalter anheben

Wer auf einen entspannten Ruhestand mit 65 hofft, dürfte an den Aussagen von AMS-Chef Johannes Kopf wenig Freude haben. Der Vorstandsvorsitzende des Arbeitsmarktservice macht in der ORF-Pressestunde klar: Österreich muss aus seiner Sicht länger arbeiten. Ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter hält er angesichts der demografischen Entwicklung für notwendig. „Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie“, so Kopf, dem durchaus bewusst ist, dass die Botschaft nicht gerade Begeisterungsstürme auslöst. „So unangenehm das ist: Politik muss halt auch Notwendiges tun und nicht nur Populäres. Das ist halt so.“

​Warum die Politik beim Pensionsalter zögert

Das Problem sieht Kopf nicht nur im Pensionssystem, sondern auch an der Wahlurne. Der durchschnittliche Wähler ist bereits über 50 Jahre alt. Wer am Pensionsalter dreht, riskiert damit politischen Gegenwind.

Beim Thema Zuwanderung wird Kopf noch deutlicher. Wer weniger Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Österreich holen will, muss seiner Ansicht nach selbst länger im Berufsleben bleiben. „Dann muss man halt selber länger arbeiten“, stellt der AMS-Chef klar.

​Frauenpension: Diese Zahlen sprechen für sich

Wie sich ein späterer Pensionsantritt auf den Arbeitsmarkt auswirkt, zeige die laufende Angleichung des Frauenpensionsalters. Bis 2033 steigt dieses schrittweise von 60 auf 65 Jahre. Kopf spricht von der „größten Pensionsreform Europas“.

Während die Zahl arbeitsloser Frauen ab 60 Jahren um rund 7.500 steigt, wächst die Beschäftigung in dieser Altersgruppe um etwa 58.000. Damit entfallen rund 88 Prozent des Zuwachses auf Beschäftigung und zwölf Prozent auf Arbeitslosigkeit.

Frauenpension: Die Zahlen im Überblick

Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters zeigt laut AMS-Chef Johannes Kopf folgende Entwicklung bei Frauen ab 60 Jahren:

  • 58.000 mehr Beschäftigte: So stark steigt laut Kopf die Beschäftigung in dieser Altersgruppe.
  • 7.500 mehr Arbeitslose: Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der arbeitslosen Frauen ab 60 Jahren.

Quelle: Johannes Kopf, ORF-„Pressestunde“

​Zu alt für den Job? Kopf rechnet mit Firmen ab

Doch genau hier liegt für Kopf eines der größten Probleme: Wer im höheren Alter seinen Job verliert, findet oft nur schwer wieder eine neue Stelle. Im Betrieb gelten ältere Mitarbeiter als erfahren und wertvoll. Bei der Jobsuche sieht das plötzlich anders aus. Trotz Fachkräftemangels haben ältere Arbeitslose häufig schlechte Karten.

Kopf nennt das den „Instant-Ageing-Effekt“. „Dann sind die Leute alt und man braucht sie nicht mehr“, kritisiert er. Für Unternehmen, die über fehlendes Personal klagen, ältere Bewerber aber links liegen lassen, hat er kein Verständnis: „Wer keine Älteren nimmt, der hat keinen Arbeitskräftemangel.“

Pensionsalter in Österreich: Das gilt

  • Männer: Das gesetzliche Regelpensionsalter liegt bei 65 Jahren.
  • Frauen: Das gesetzliche Pensionsalter wird seit 2024 schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben.
  • Ab 2033: Für Frauen gilt ebenfalls ein Regelpensionsalter von 65 Jahren.
  • Entscheidend: Wann Frauen regulär in Pension gehen können, hängt von ihrem Geburtsdatum ab.

​Arbeitsmarkt unter Druck: Jeder Dritte lange ohne Job

Auch abseits der Pensionsdebatte zeichnet Kopf ein schwieriges Bild. Nach drei Jahren wirtschaftlicher Schwäche zählt rund ein Drittel der beim AMS vorgemerkten Arbeitsuchenden zu den Langzeitarbeitslosen. Für diese Menschen wird der Weg zurück in den Job besonders schwierig.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Bei der Lehre sieht der AMS-Chef hingegen gute Perspektiven. „Die Jobchancen von Menschen mit Lehre sind besser denn je“, betont er. Auch eine Lehre nach der Matura hält er für eine sinnvolle Option. In Wien kommen laut Kopf allerdings sechs Bewerber auf eine offene Lehrstelle.

​Pensionsdebatte: NEOS offen, Pensionistenverband bremst

Politisch bleibt die Forderung umstritten. NEOS-Abgeordneter Johannes Gasser zeigt sich offen für eine Debatte über das Pensionsalter.

Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes, sieht das Problem in fehlenden Möglichkeiten. Bevor Menschen länger arbeiten sollen, müssen sie überhaupt eine Chance haben, bis zum geltenden Pensionsalter im Job zu bleiben. Sie fordert ein Bonus-Malus-Modell, das Unternehmen stärker in die Verantwortung nimmt.

Quelle: ORF-Pressestunde mit Johannes Kopf

Die Aussagen von AMS-Chef Johannes Kopf stammen aus der ORF-„Pressestunde“. Die vollständige Sendung gibt es hier zum Nachschauen: ORF-Pressestunde mit Johannes Kopf ansehen .

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