Rapsöl, Leinöl & Co.: 10 Pflanzenöle im Vergleich
Leindotteröl: Altes Schätzchen
LEINDOTTERÖL. Schon sein Name sorgt gerne für Verwirrung: Leindotter ist keineswegs Lein zweiter Klasse, sondern eine eigene, uralte Kulturpflanze. Camelina sativa wurde in Europa bereits vor Jahrtausenden angebaut und erlebt heute ein verdientes Comeback. Das goldgelbe Öl punktet mit einem hohen Anteil an Alpha-Linolensäure, einer essenziellen Omega-3-Fettsäure, und schmeckt würzig, leicht erbsig bis nussig. Am besten entfaltet es sein edles Aroma nicht erhitzt, um Salate, Aufstriche, Erdäpfel oder gegartes Gemüse zu verfeinern.
PASST ZU: Salaten, Aufstrichen und Gemüse
Leinöl: Omega-3-Champion
LEINÖL. Es ist vielleicht nicht Everybody’s Darling, ernährungsphysiologisch spielt Leinöl aber ganz vorne mit. Kaum ein gebräuchliches Pflanzenöl liefert so viel Alpha-Linolensäure – eine essenzielle Omega-3-Fettsäure, die unser Körper nicht selbst herstellen kann. Das goldgelbe Öl schmeckt nussig bis leicht herb und liebt Topfen, Erdäpfel, Müsli oder Salate. Nur eines verträgt das Sensibelchen überhaupt nicht gut: Hitze. Auch Licht und Sauerstoff setzen ihm zu. Deshalb lieber kleine Flaschen kaufen, nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zügig genießen.
PASST ZU: Topfen, Erdäpfeln, Müsli und Salaten
Avocadoöl: Der grüne Star
AVOCADOÖL. Die Avocado kann mehr als Guacamole. Anders als die meisten Pflanzenöle wird Avocadoöl nicht aus Samen oder Kernen, sondern aus dem Fruchtfleisch gewonnen. Es enthält vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren und schmeckt je nach Verarbeitung mild bis leicht fruchtig. Natives Avocadoöl macht sich bestens in Salaten, Bowls oder über Gemüse, raffiniertes lässt sich auch stärker erhitzen. Einen kleinen Schönheitsfehler hat der grüne Star allerdings: Heimisch ist hier gar nichts. Umso spannender, was unsere regionalen Öle hier dagegenzusetzen haben.
PASST ZU: Salat, Gemüse, Bowls und Marinaden
Rapsöl: Heimlicher Allrounder
RAPSÖL. Es hat weder das Image von Olive noch den Glamour der Avocado – dafür ziemlich gute innere Werte. Rapsöl enthält wenig gesättigte, dafür reichlich einfach ungesättigte Fettsäuren und zudem Alpha-Linolensäure. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt es sogar das „Öl der Wahl“. Und praktisch ist es obendrein: Kalt gepresstes Rapsöl schmeckt leicht nussig und passt wunderbar in die kalte Küche. Raffiniertes Rapsöl ist neutraler und hitzestabiler und damit bestens zum Braten und Kochen geeignet. Dass Raps noch dazu auf österreichischen Feldern wächst, macht aus dem unscheinbaren Küchenhelden einen echten Local Hero.
PASST ZU: Salaten und Marinaden
Hanföl: Ganz legal gut
HANFÖL. Keine Sorge: Davon wird niemand high. Speisehanföl wird aus den Samen von Nutzhanf gepresst und enthält praktisch kein berauschendes THC. Dafür bringt es ein beachtliches Spektrum an mehrfach ungesättigten Fettsäuren mit, darunter Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Kalt gepresstes Hanföl erkennt man an seiner grünlichen Farbe und seinem kräftig nussig-krautigen Geschmack. In der heißen Pfanne hat es wenig verloren – viel lieber mag es Salate, Pestos, Dips oder seinen Auftritt über fertigem Gemüse. Nach dem Öffnen heißt es: kühl, dunkel und nicht ewig aufheben.
PASST ZU: Salaten, Pesto, Dips und Gemüse
Walnussöl: Feine Nuss
WALNUSSÖL. Walnussöl braucht keine großen Mengen, um Eindruck zu hinterlassen. Schon ein kleiner Schuss verleiht Blattsalaten, Roten Rüben, Käse oder herbstlichem Gemüse eine wunderbar feine, nussige Note. Auch sein Fettsäuremuster kann sich sehen lassen: Walnussöl liefert überwiegend ungesättigte Fettsäuren und gehört zu den pflanzlichen Quellen der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Besonders aromatisches kalt gepresstes Walnussöl sollte nicht hoch erhitzt werden. Lieber erst zum Schluss darüberträufeln – und die angebrochene Flasche kühl und lichtgeschützt lagern. Dafür ist sie zu kostbar, um vergessen zu werden.
PASST ZU: Blattsalaten, Käse, Roten Rüben und Desserts
Kürbiskernöl: Grünes Original
KÜRBISKERNÖL. Dunkelgrün, intensiv nussig und unverkennbar österreichisch: Kürbiskernöl braucht hierzulande kaum eine Vorstellung. Trotzdem kann es weit mehr als Käferbohnensalat. Das Öl aus den Kernen des Ölkürbisses enthält überwiegend ungesättigte Fettsäuren. Seinen charakteristischen Geschmack verdankt es auch der traditionellen Röstung der Kerne vor dem Pressen. Ein paar Tropfen veredeln Suppen, Gemüse, Käse, Eierspeisen – und natürlich Vanilleeis. Wer zum „Steirischen Kürbiskernöl g.g.A.“ greift, findet auf der Flasche die Banderole der geschützten geografischen Angabe. Heimat zum Aufgießen, gewissermaßen.
PASST ZU: Salaten, Suppen, Eierspeisen und Vanilleeis
Mohnöl: Kleines Korn, großer Auftritt
MOHNÖL. Mohn kann weit mehr als Strudel und Germknödel. Aus seinen winzigen Samen entsteht ein feines Öl, dessen Aroma je nach Sorte von zart bis kräftig nussig reicht. Mohnöl enthält einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, insbesondere Linolsäure aus der Omega-6-Familie. In der Küche ist es eher Veredler als Arbeitstier: ein paar wenige Tropfen über Blattsalat, Erdäpfel, Wurzelgemüse, Käse oder sogar Süßspeisen – fertig. Kalt gepresstes Mohnöl gehört nicht in die heiße Pfanne. Und für die Regionalbilanz gibt es Extrapunkte: Mohn hat besonders im österreichischen Waldviertel eine lange Tradition.
PASST ZU: Salaten, Wurzelgemüse, Käse und Süßspeisen
Olivenöl: Der Klassiker
OLIVENÖL. Kaum ein Pflanzenöl hat eine größere Fangemeinde. Gutes natives Olivenöl extra kann nach frisch geschnittenem Gras, Kräutern, Artischocke oder sogar leicht pfeffrig schmecken und besteht überwiegend aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Und mit einem alten Küchenmythos darf man getrost aufräumen: Olivenöl muss keineswegs ausschließlich kalt verwendet werden. Es eignet sich durchaus zum Kochen und moderaten Braten – für sehr hohe Temperaturen gibt es allerdings geeignetere Kandidaten. Über Tomaten, Pasta, Gemüse oder einfach auf gutes Brot geträufelt, bleibt „extra vergine“ ohnehin unschlagbar.
PASST ZU: Gemüse, Pasta, Salaten und Brot
Sesamöl: Ein Schuss Asien
SESAMÖL. Bei Sesamöl entscheidet die Röstung, wohin die Reise geht. Helles ungeröstetes Sesamöl schmeckt vergleichsweise mild, während geröstetes Sesamöl dunkel, intensiv und schon in kleinsten Mengen ein echtes Aroma-Kraftwerk ist. Das Öl enthält überwiegend einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Vor allem die geröstete Variante versteht sich weniger als Bratöl denn als Würze: Ein kleiner Schuss über Wokgemüse, Nudeln, Reis, Suppen oder ins Dressing genügt meist völlig. Also besser nicht nach dem Motto „Viel hilft viel“ dosieren – dieses Öl kann auch flüstern und trotzdem vernommen werden.
PASST ZU: Wokgemüse, Nudeln, Reis und asiatischen Dressings