Gesünder Wohnen

Gerade in unseren Breitengraden verbringt man den allergrößten Teil der Zeit in geschlossenen Räumen. Wenn dort „dicke Luft“ herrscht, hat das Auswirkungen auf unsere Gesundheit.
Autor: Sarah Estermann, 24.05.2022 um 10:55 Uhr

Die meiste Zeit halten wir uns in den eigenen vier Wänden. Allein im Schlafzimmer verbringen wir im Durchschnitt 7 von 24 Stunden. Eine gute Raumluft ist deshalb für unser Wohlbefinden essenziell. Diese wiederum wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Keine Frage, besonders wichtig ist das regelmäßige Lüften. Dabei sollen hausgemachte Schadstoffe nach draußen geleitet und frische Luft hereingelassen werden. Damit der Wärmeverlust gleichzeitig nicht zu hoch ist und man buchstäblich nicht beim Fenster hinaus heizt, sollten mehrmals täglich (gegenüberliegende) Fenster und Türen komplett für 1 bis 5 Minuten geöffnet werden. Am besten eignet sich für die regemäßige Frischluftzufuhr eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Hier reduziert sich der Wärmeverlust auf ein absolutes Minimum. Dagmar Schwarzenbrunner von Compact Immobilien: „Eine moderne Lüftung gewährleistet den notwendigen Luftaustausch bei stetiger Wärmerückgewinnung. Die Luft strömt mit so geringer Geschwindigkeit und so leise in die Räume, dass sie kaum spür- oder hörbar ist. Die Wohnraumlüftung verbindet Frischlufteintritt mit angenehmer Temperatur und vermeidet gleichzeitig Probleme in Lagen mit hoher Lärmbelastung zum Beispiel an einer viel befahrenen Straße. Außerdem steigert sie den Immobilienwert bei geringer Erhöhung der Bausumme.“

Dagmar Schwarzenbrunner:

Eine Wohnraumlüftung ist vor allem eine Frage von Lebensqualität, Gesundheit und Komfort.

float Bett

Wohlfühltemperatur.

Auch die Raumtemperatur hat einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Dabei kann das individuelle Wärmebedürfnis bei Menschen sehr unterschiedlich sein. Eine bestimmte Temperaturspanne sollte aber eingehalten werden. Folgende Angaben gelten als Richtwerte: Im Wohnzimmer sind Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad empfehlenswert. Im Schlafzimmer sollte es für einen guten Schlaf nicht viel mehr als 16 bis 18 Grad haben. Im Badezimmer darf es mit 20 bis 24 Grad ein bisschen wärmer sein.

times Bett

Luftfeuchtigkeit.

Ein oftmals unterschätzter Faktor in puncto Raumklima ist die Luftfeuchtigkeit und das kann Folgen haben: Ist die Luft zu trocken, kann das zu körperlichen Beschwerden wie Reizhusten, trockenen Augen und trockener Haut führen. Auch an Vollholzoberflächen kann sich Trockenheit in Form von Rissen bemerkbar machen. Zu feuchte Luft kann wiederum zur Schimmelbildung führen, was sich schädlich auf die Gesundheit auswirkt.

Schimmel

Dicke Luft.

Bei der Einrichtung unseres Zuhauses sollten wir neben Ästhetik und Funktionalität auch der Materialqualität Beachtung schenken. Denn unsere Wohnraumluft ist nicht selten von Schadstoffen belastet, die von Möbelstücken, Stoffen, Böden oder gar Wänden abgegeben werden. Vor allem die leichtflüchtigen, organischen Verbindungen (VOC) können Innenräume belasten. Die bekanntesten Verbindungen finden sich in Terpentinersatz, Kunstharzverdünnung, Universalverdünner, in Farben, Baukleber, Imprägnierungen, in Lacken, Lasuren und Versiegelungen für Holz- und Metalloberflächen (Quelle: meineraumluft.at). Wir alle kennen die – meist eher günstigen – Möbelstücke aus Pressspanplatten oder Sperrholz, deren Oberflächen gerne mit Lacken und anderen Beschichtungsarten verschönert werden. In diesen künstlichen Materialien ist auch Formaldehyd enthalten, das in erhöhter Konzentration giftig ist. Gesundheitliche Folgen von belasteter Raumluft können Allergien, Müdigkeit, Reizungen der Schleimhäute, Kopfschmerzen und Schlafstörungen sein. Eine wichtige Grundregel, die daraus folgt, ist: Was man an Schadstoffen nicht in den Wohnraum hineinträgt, kann sich dort auch nicht ausbreiten. Beim Kauf von Einrichtungsgegenständen sollte man daher auf das Material achten. Viele Möbelhersteller verzichten auf Schadstoffe und lassen sich das auch mit einem Gütesiegel bescheinigen. Zu den bekanntesten Gütesiegel gehört der „Blaue Engel“ oder das „Gütezeichen Möbel Austria“.

Gitterbett Zirbe

Vollholz.

Nummer 1 unter den natürlichen Werkstoffen ist und bleibt Holz. Gerade in Räumen, in denen man viel Zeit verbringt, wie im Schlafzimmer, aber auch im Kinderzimmer, sind ökologisch hergestellte Vollholzmöbel ideal. Sie enthalten keine Schadstoffe und wenn sie nicht oberflächenbehandelt oder nur geölt sind, wirken sie auch feuchtigkeitsregulierend. Die heilende Kraft der Natur bleibt im Holz erhalten, das Material wirkt sich positiv auf den Menschen aus. Neben dem Wohlfühlaspekt haben Studien gezeigt, dass Holz Stress reduziert und die Konzentrationsfähigkeit fördert. Außerdem hat Holz eine antibakterielle Wirkung und schützt vor Elektrosmog. Einer der Pioniere für ökologische Möbel ist TEAM 7 aus Ried im Innkreis. Der Mannschaft rund um Eigentümer Dr. Georg Emprechtinger ist es gelungen, den gesundheitsfördernden Werkstoff mit einem eigenständigen Design zu vereinen und Möbel für alle Lebensbereiche herzustellen: Vom Wohnzimmer über Schlaf- und Kinderzimmer bis zur Küche. In Ahorn im Mühlviertel produziert die Naturfabrik unter dem Credo „aus der Region für die Region“ ebenfalls Möbel aus Vollholz. Dort ist man sich sicher: Menschen, die mit den Händen arbeiten, machen mehr als ein Produkt, sie schaffen einen Wert, der sichtbar und spürbar ist, und vor allem lange, lange hält. Nicht nur Möbel, sondern auch Böden als Vollholz leisten ihren Beitrag zu einem angenehmen Wohnklima. Holzböden haben eine lange Lebensdauer, sind leicht zu reinigen und lassen sich, je nach Stärke, einige Male abschleifen. Maurice Rudda, Juniorchef bei RUDDA Parkett & Türen: „Gesundes Raumklima sorgt bei Mensch und Tier für Wohlergehen. Holz hat einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Durch die Verwendung von Ölen bleibt die Oberfläche offen und atmungsaktiv. Auf unseren speziell geölten Böden bindet sich kein bzw. nur sehr wenig Staub und sie sind somit auch für Allergiker geeignet. Durch die Aufnahme von überschüssiger Luftfeuchtigkeit kann die Bildung von Schimmel und damit einhergehende chronische Krankheiten können verhindert werden. Und: Ein Holzboden ist auch gut fürs Klima!“ Eine riesige Auswahl an Parkettböden gibt es übrigens im RUDDA-Schauraum in Marchtrenk zu sehen.

Maurice Rudda, Juniorchef RUDDA Parkett & Türen:

Holz gibt keine Schadstoffe ab. Im Vergleich zu Laminat-, manchen Vinyloder Plastikböden sind an der Oberfläche keine gesundheitsbedenklichen Schadstoffe enthalten. Außerdem ist Parkett nicht nur langlebig, sondern auch biologisch abbaubar. Auch der von RUDDA verwendete Kleber erfüllt die Kriterien ‚sehr emissionsarm – Plus‘ und ist lösungsmittelfrei – GISCODE RS 10.

RUDDA Vollholzboden

Gut gepolstert.

Auch bei Polstermöbeln ist Wohngesundheit ein Thema. Das österreichische Unternehmen sedda achtet bei der Produktion seiner Polstermöbel auf höchste ökologische Standards. Dabei kommen eine schadstofffreie Verarbeitung und verträgliche Polstermaterialien zum Einsatz. Um Umwelt und Mensch zu schonen, wurde eine lösungsmittelfreie Verklebetechnik auf Wasserbasis entwickelt, die mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Latex auskommt. Pro Jahr werden auf diese Weise 70.000 Liter Lösungsmittel gespart. Für ein wohngesundes Zuhause wird auf höchste Polster- und Möbelstoffqualität geachtet. Alls verarbeiteten Polstermaterialien sind auf ökologische Verträglichkeit geprüft. Schaumstoffe sind FCKW-frei. Hautfreundliche, PCP-freie und Öko-Tex-geprüfte Bezugsstoffe ohne AZO-Farbstoffe schaffen zudem ein allergieneutrales Wohnklima.

SEDDA handgefertigte Polstermöbel

Johannes Ragailler, Leitung Marketing SEDDA Polstermöbel:

Egal ob Couch, Schlafsofa, Essplatzgruppe oder Boxspringbett, entsprechend unserer Philosophie sind wir bestrebt, den Wohnkomfort so hoch wie möglich zu halten. Dazu gehört für uns auch ein gesundes Raumklima. Darum achten wir bei unseren Materialien darauf, dass diese so geringe Reizpotenziale wie möglich beinhalten. Für unsere hochwertigen Grundgestelle verwenden wir Massivholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und Holzplattenwerkstoffe der niedrigsten Emissionsklasse für die formgebenden Elemente. Alle von uns verwendeten Polstermaterialien sind nach dem Ökotex Standard 100 geprüft und somit allergieneutral und frei von potenziellen Reizstoffen. Die größte Innovation liegt in unserer eigens entwickelten Schaumstoffverklebung. Anders als andere, verzichten wir schon seit vielen Jahren komplett auf Lösemittel.

DARIA levanto

Gib Stoff.

Ein ganz besonders traditionsreiches Naturprodukt wird in Helfenberg verarbeitet: Mit viel Enthusiasmus und Fleiß schafft es die Leinenweberei Vieböck seit mehr als 190 Jahren, diese Tradition zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Die in Helfenberg gewebten Leinenstoffe werden von internationalen Modeschöpfern und von traditionellen Trachtenhersteller geschätzt und gewürdigt. Außerdem werden edle Heimtextilien hergestellt. Aus tiefster Überzeugung werden hier Regionalität und Nachhaltigkeit gelebt. Das entsprechende Rohmaterial (Flachs und Garn) stammt dabei aus Europa. Als weltweit einzige Leinenweberei ist Vieböck mit den BIO-Gütezeichen „GOTS“ und „IVN Best“ zertifiziert. Aber was ist das Besondere beispielsweise an einer Reinleinen-Bettwäsche? Dazu Christoph Kobler von der Leinenweberei Vieböck: „Reines Leinen ist besonders atmungsaktiv, es nimmt viel Feuchtigkeit auf und gibt diese schnell an die Umgebung ab. Das Naturmaterial sorgt für den gewünschten Temperaturausgleich und für einen angenehmen Schlaf. Leinen ist zudem hautfreundlich, schweißmindernd und antibakteriell. Die positiven Eigenschaften werden von unseren Kunden seit 1832 geschätzt, wer sich einmal in Leinen bettet möchte das Material nicht mehr missen.“

Christoph Kobler, Leinenweberei Vieböck:

Knapp ein Drittel unseres Lebens verbringen wir in unserem Bett. Die Auswahl der Textilen sollte also gut durchdacht sein. Unser unbehandeltes Reinleinen wird weder gefärbt noch gebleicht, die Naturfaser enthält keinerlei Kunst- und Schadstoffe. Je nach Wunsch gibt es diese Qualitäten auch mit einer Bio-Zertifizierung. Pure Natur für Ihre Haut.

Leinenballen

Wasser marsch!

Gesundes Wohnen hat natürlich nicht nur mit der Luftqualität zu tun. Es gibt noch andere Aspekte, die man im Augen behalten sollte, wie zum Beispiel die Qualität des Wassers. Österreich ist für hervorragendes Trinkwasser bekannt, nicht zuletzt dank des hohen Anteils von gesundem Kalzium und Magnesium. Doch genau diese Mineralien sind für die Bildung von unangenehmen Kalkablagerungen verantwortlich. Abhilfe schaffen klassische Entkalkungsanlagen, die jedoch wichtige Mineralien im Trinkwasser reduzieren und häufig dem Wasser Zusatzstoffe hinzufügen. Die oberösterreichische Rabmer-Gruppe hat einen Weg gefunden, genau das zu vermeiden. Mit dem AQUABION®-System werden Kalk- und Korrosionsprobleme nachhaltig beseitigt, die gesunden Mineralien bleiben aber im Wasser: „Die AQUABION-Technologie basiert auf einer Zinkopferanode, welche die Kalkmoleküle durch Abgabe von Zinkionen anhaftungsneutral macht und damit auch den Reinigungsaufwand im Haushalt deutlich erleichtert“, so Ulrike Rabmer- Koller, Geschäftsführerin der Rabmer Gruppe.

Mit AQUABION® wird der Reinigungsaufwand deutlich reduziert, der gute Geschmack des Wassers bleibt aber erhalten.

Ulrike Rabmer-Koller

Feng-Shui.

Ein weiterer Zugang zum Thema Gesünder Wohnen ist Feng-Shui. Immer mehr Menschen gestalten ihre Wohn- und Lebensräume nach der chinesischen Harmonielehre!