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Bernhard Aichner klettert aus einem Schacht.
Thriller-Autor Bernhard Aichner gönnt seiner Serienmörderin doch kein Happy End ... oder?
Thriller-Autor Bernhard Aichner gönnt seiner Serienmörderin doch kein Happy End ... oder?
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Bernhard Aichner: "Jeder ist zu einem Mord fähig"

26.08.2026 um 17:00, Simone Reitmeier
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Thriller-Autor Bernhard Aichner veröffentlicht einen vierten Teil seines Bestsellers „Totenfrau“. Im Interview spricht er über sein neues Buch, Mord und KI.

Zehn Jahre lang schien die Geschichte von Brünhilde Blum auserzählt. Doch nun holt Bernhard Aichner seine wohl bekannteste Figur zurück und überrascht seine Leser mit einem vierten Teil von „Totenfrau“. Im Interview spricht der sympathische Osttiroler über die dunkle Seite im Menschen, den perfekten Mord, Schreiben ohne KI und Schwedenbomben als kreativen Treibstoff.

Comeback der "Totenfrau"

Herr Aichner, vor knapp zehn Jahren haben Sie Ihrer Protagonistin Brünhilde Blum im dritten Teil von „Totenfrau“ ein Happy End gegönnt. Wie kam es dazu, dass sie nun erneut gegen menschliche Abgründe kämpfen muss und ein vierter Teil erscheint? 
Bernhard Aichner: Die Entscheidung, die „Totenfrau“ noch einmal zurückzuholen, hat viel mit der Netflix-Verfilmung zu tun. Durch den Dreh und die intensive Auseinandersetzung mit den Produzenten war ich wieder voll angefixt. Mich hat interessiert, was nach einem vermeintlichen Happy End passiert. Ob es so etwas wie Frieden für eine Figur wie Blum überhaupt gibt. Ihr habe ich meinen Durchbruch als Autor zu verdanken, ich wollte die Geschichte von Blum unbedingt weitererzählen.

Können Sie uns kurz verraten, worum es im neuen Buch geht, ohne allzu viel zu spoilern?
Bernhard Aichner: Zehn Jahre sind vergangen, Blum lebt mit Reza in Kroatien am Meer. Sie bieten Segeltörns an, Blum ist glücklich. Doch dann stirbt jemand auf ihrem Boot und die Spirale der Gewalt beginnt sich still und langsam wieder zu drehen. Ein unerwartetes Trauma aus ihrer eigenen Kindheit holt Blum ein. Etwas, das sie lange verdrängt oder vielleicht sogar vergessen hat, kehrt mit voller Wucht zurück.

Cover vom vierten Teil von Totenfrau.
"Totenfrau: Die Rückkehr", 336 Seiten, Preis: 26,– Euro

Menschliche Abgründe

Blum ist eine Serienmörderin und tut ungeheuerliche Dinge. Trotzdem wünschen wir uns als Leser immer wieder, dass sie davonkommt. Woran liegt das? Und kann unter gewissen Umständen jeder zum Mörder werden? 
Bernhard Aichner: Ich glaube tatsächlich, dass wir alle zu einem Mord fähig wären. Wir sind nicht nur gut, in jedem von uns kann sich der Schalter von einem Moment zum anderen umlegen. Wir haben dunkle Seiten in uns, und diese Seiten werden durch Blum zum Klingen gebracht. Außerdem gibt es für Blum gute Gründe, zu töten. Ihr Wüten ist nachvollziehbar, ihr Handeln immer von Liebe getrieben, vom Wunsch zu schützen. Wir alle kennen Gedanken von Rache, die meisten von uns setzen aber diese Impulse nicht in die Tat um. Blum hingegen tut genau das, sie handelt stellvertretend. Und dadurch entsteht diese verstörende Form der Identifikation. 

Sie scheinen eine Leidenschaft für düstere Geschichten, menschliche Abgründe und das Böse zu haben. Woher kommt diese Faszination? 
Bernhard Aichner: Ich habe mich dem Thriller verschrieben, liebe die Spannung, will meine Leser*innen fesseln, in die dunkelsten Abgründe eintauchen. In unzähligen Gesprächen mit Psychologen und Psychiatern habe ich erschreckende Dinge erfahren, es ist unglaublich, wozu wir Menschen fähig sind. Die Frage nach dem Warum beschäftigt mich. Das Böse ein Stück weit zu ergründen, ist meine Leidenschaft.

„Kein Ort ist vor mir sicher“

Denken Sie auch beim Spazierengehen, Essen oder im Urlaub plötzlich: Das wäre eigentlich ein perfekter Ort für einen Mord? 
Bernhard Aichner: Ich bin tatsächlich ständig am Überlegen, wie ich es am besten tun kann. Wo und wie man eine Leiche verschwinden lassen kann, wie der perfekte Mord funktioniert. Kein Ort ist vor mir sicher. Ich liebe es, Menschen zu belauschen, mich inspirieren zu lassen. Also Vorsicht, wenn der Aichner in der Nähe ist … (lacht).

Bernhard Aichner
Für Aichner hat KI beim Erfassen seiner Thriller nichts zu suchen.

Schreiben ohne KI

Stimmt es, dass Sie Ihre Thriller bis heute von Hand schreiben? Und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz mittlerweile in Ihrem Arbeitsalltag? Nutzen Sie KI beim Schreiben oder ganz bewusst nicht? 
Bernhard Aichner: Seit zwanzig Jahren schreibe ich die Erfassungen meiner Romane mit der Hand. Mit Füllfeder und Notizbuch gehe ich etwa spazieren und setze mich irgendwo in den Wald. Ich bin durch nichts Digitales abgelenkt, konzentriere mich voll auf meine Figuren, meine Sprache. KI hat da nichts verloren. Ich liebe das Schreiben und möchte das tatsächlich gerne zu 100 Prozent selbst erledigen. 

Gibt es ein Ritual, ohne das Sie nicht schreiben können? 
Bernhard Aichner: Ich höre wahnsinnig gerne Musik. Instrumental, melancholisch, nordisch. Es ist so, als würde ich bereits die Filmmusik zu den Szenen hören. Und ich esse gerne Schwedenbomben. Damit es ordentlich knallt.

Zum Autor

Bernhard Aichner schreibt unverkennbar rasant, bildhaft und nicht um den heißen Brei. Genau dafür lieben ihn seine Fans. Seit seinem Durchbruch mit „Totenfrau“ (2014) gehört der Osttiroler (*1972) zu Österreichs erfolgreichsten Thriller-Autoren. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt, Netflix und der ORF verfilmten die Trilogie.

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