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Frau setzt einen Kopfhörer auf
2022 gab es in Österreich mehr als 1.000 verschiedene Podcasts.
2022 gab es in Österreich mehr als 1.000 verschiedene Podcasts.
iStock.com/PeopleImages

Podcast-Boom: Die Welt auf den Ohren

07.02.2023 um 13:13, Patrick Deutsch
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Nachrichten aus Österreich, Politikanalysen aus den USA oder Kriminalfälle aus aller Welt. Der Podcast-Boom hält ungebrochen an und nahezu ­jedes Nischeninteresse wird im Podcast-Universum bedient.

Ein Vorteil, den Podcasts gegenüber klassischen Radiosendungen haben, ist die Verfügbarkeit: Ähnlich wie bei Netflix, Amazon Prime und Co. können auf diversen Streamingplattformen wie Spotify, Soundcloud oder iTunes die Folgen „on demand“ – also auf Nachfrage – abgerufen werden. Podcasts sind außerdem das einzige ­digitale Medium, das ohne Screen auskommt, und sind daher durchgehend nutzbar – zum Beispiel beim Sport, auf dem Weg in die Arbeit oder bei Hausarbeiten. Auch die Themenvielfalt ist ein Pluspunkt: Egal ob Politik, Sport, Wissen oder Lifestyle – ein pas­sender Podcast ist schnell gefunden.

Medium der Zukunft?

Allein in Österreich hat es 2022 laut dem Medienbeobachter Meta Communication International mehr als 1.000 verschiedene Podcasts gegeben. Der Digital News Report 2022 zeigt, dass 31,4 Prozent der Befragten im Jahr 2022 Podcasts nutzten. Am beliebtesten sind Podcasts zu einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel Wissenschaft, Technologie oder Wirtschaft (14,6 %), gefolgt von Lebensstil-Podcasts (10,8 %) und Pod­casts zu Nachrichten, Politik oder internationalen Ereignissen (10,7 %). Interessant ist, dass es beim Nutzungsverhalten ein deutliches Altersgefälle gibt. Während in der Altersgruppe 18 bis 24 rund zwei Drittel angeben, regelmäßig Podcasts zu hören, sind es in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen nur 26,9 Prozent.

Podcast-App auf einem Smartphone
Am beliebtesten sind Podcasts zu bestimmten Themen wie Wissenschaft, Technologie oder Wirtschaft.

News zum Mitnehmen

Durch diese Altersverteilung sind Podcasts auch als Nachrichtenformat erfolgreich. Während der Coronapandemie informierte Starvirologe Christian Drosten etwa mit einem eigenen Podcast. Viele Medienunternehmen bieten Zusammenfassungen des Tagesgeschehens oder Interviews und Talkformate über aktuelle Themen.

Krimi und Unterhaltung

Besonders hervorzuheben sind „True Crime“-Formate wie „Zeit Verbrechen“, „Klenk+Reiter“ oder „Mord auf Ex“, die über eine große Hörerschaft verfügen. Entgegen dem Ni­schentrend erfreuen sich auch Formate, die von der Bekanntheit der Macher leben und keinen großen Nachrichtenwert bieten, ­gro­ßer Beliebtheit. Ein Bei­spiel dafür ist der „Hawi d’Ehre“-Podcast von Kabarettist Paul Pizzera und den Ö3-Moderatoren Gabi Hiller und Philipp Hansa, die sich über aktuelle Themen unterhalten, dabei aber keiner Erzählstruktur folgen. Ähnlich verhält es sich bei „Baywatch Berlin“, wo TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf einfach „nur“ mit seinen Kollegen spricht und unterhaltsame Anekdoten aus der Medienwelt und seinem Privatleben erzählt.

In die Tiefe

Das Format bietet aber auch die Möglichkeit, tiefer in ein Thema einzutauchen und komplexe Inhalte in mehreren Folgen zu behandeln. Dieser Umstand führt dazu, dass es ganze Staffeln zu einem einzigen Thema gibt. Vorbild sind hier US-Podcasts von der New York Times, z. B. „Caliphat“, oder „Gladiator“ vom Boston Globe. Im deutschsprachigen Raum sind hier die „Cui Bono“-Reihe, der Crime-Podcast „JACK. Gier frisst Schönheit“ über den österreichischen Serienmörder Jack Unterweger oder „Legion: Hacking Anonymous“ zu erwähnen.

Qualitätsfaktor

Zu Beginn der Podcast-Welle war es noch auffällig, dass viele Sendungen von (ehemaligen) Printjournalisten als Nebenprojekt betrieben wurden. Mittlerweile produziert aber nahezu jedes größere Medienunternehmen zumindest einen eigenen Podcast. Vor allem die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ hat den Trend früh erkannt und bietet 25 verschiedene Formate an. Aber auch die Öffentlich-Rechtlichen springen auf den Zug auf: Der ORF stellt etwa die „Ö1-Journale“ oder die Interviews aus der ZiB2 auf den diversen Plattformen zur Verfügung. Auch eigenständige Reihen wie der FM4-Politik-Podcast „Der Professor und der Wolf“ mit Politikwissenschaftler Peter Filzmaier und ORF-Moderator Armin Wolf finden sich ganz weit oben in den Charts.
 

Top-10 Österreich

  1. Der Professor und der Wolf (Politik)
  2. Geschichten aus der Geschichte (Geschichte)
  3. Ö1-Journale (Nachrichten)
  4. Buchingers Tagebuch (Unterhaltung)
  5. ZEIT Verbrechen (True Crime)
  6. Lanz & Precht (Unterhaltung)
  7. Inside Austria (Politik)
  8. Frühstück bei mir (Unterhaltung)
  9. Psychologie to go! (Gesundheit)
  10. ZIB2-Podcast (Nachrichten)

 

Goldgräber

Wie viel Geld lässt sich mit Podcasts verdienen? Das kommt vor allem auf die Zahl der Abonnenten an. Joe Rogan, einer der erfolgreichsten Podcaster weltweit, hat die Rechte an „The Joe Rogan Experience“ an Spotify verkauft. Der Deal bringt Rogan rund 30 Millionen Dollar im Jahr. Dazu kommen noch Werbe­einnahmen, die auf 48 Millionen pro Jahr geschätzt werden. Macht in Summe knapp 78 Millionen Dollar Jahresverdienst. Podcaster im deutschsprachigen Raum müssen da deutlich kleinere Brötchen backen. Aber auch bei uns gibt es Verträge mit Streaminganbietern. So hat sich etwa Spotify die Exklusivrechte an „Fest & Flauschig“ (Jan Böhmermann und Olli Schulz) und „Gemischtes Hack“ (Felix Lobrecht und Tommi Schmitt) ­gesichert. Über die Summen des Deals kann, anders als bei Joe Rogan, aber nur spekuliert werden.

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