Wie man sich gegen übergriffge Fragen wehren kann!

Fragen zum Nachwuchs, zur Beziehung oder zum Gewicht sind übergriffig, gehören aber leider zum Alltag von Frauen. Zeit, dass sich das ändert!
Autor: Cornelia Scheucher, 31.05.2022 um 11:21 Uhr

Dass Frauen noch immer mit übergriffigen Fragen konfrontiert werden, zeigt sich am jüngsten Beispiel von Zirkusartistin Lili Paul-Roncalli. Als die 24-Jährige vor kurzem im ZDF-Fernsehgarten zu Gast war, fragte Moderatorin Andrea Kiewel sie nach Nachwuchsplänen. Lili bewahrte die Fassung und konterte: „Solche Fragen stellt man doch 2022 einer Frau nicht mehr.“ Doch Kiewel schien das egal zu sein. „Doch. Gerade, weil man das fragen kann per se“, antwortete sie, wechselte dann aber doch das Thema.

Gesellschaftsthema Frau 

Die Situation, in die Lili Paul-Roncalli vor einem Millionenpublikum gebracht wurde, ist keine Ausnahme, sondern der Standard für Frauen und Mädchen. Fragen zur Lebensplanung, zum Beziehungsstatus oder zum Körper stehen quasi am Tagesplan des weiblichen Geschlechts. Wieso das so ist, ist schwer zu beantworten. Seinen Ursprung findet dieses Problem jedoch in der Objektifizierung der Frau. Die Gesellschaft glaubt nach wie vor, ein Recht darauf zu haben, das Leben von Frauen zu kommentieren. Vor allem dann, wenn es von der Norm abweicht.

Hast du deine Periode oder wieso schaust du so böse? 

Und wann kommt das Baby?

Wieso das problematisch ist, zeigt sich am besten an den häufigst gestellten Fragen „Bist du schwanger?“ oder „Möchtest du Kinder haben?“ Zuerst einmal sind solche Fragen ein Eingriff in die Privatsphäre der Frau. Sie mögen vom Sprecher zwar aus Neugierde oder ohne böse Vorsätze gestellt werden, können beim Rezipienten jedoch traumatische Erlebnisse hervorrufen. Denn nicht jede Frau kann oder möchte Kinder bekommen. Viele haben vielleicht auch schon eine Fehl- oder Totgeburt erlebt und noch nie darüber gesprochen. Und andere wiederum haben die Schwangerschaft als dunkle Zeit in Erinnerung, an die sie nicht gerne zurückdenken. Möchte eine Frau von ihrer Schwangerschaft oder dem Wunsch danach erzählen, wird sie es sowieso tun. Kein Grund also, nachzufragen.

Selbstbestimmtes Tempo

Selbiges gilt übrigens auch für alle anderen privaten Themen wie Beziehung, Gewicht oder Karriere. Stichwort Beziehung: Hier leiden übrigens nicht nur Singles, sondern auch Paare. Während Alleinstehende gerne an das Alleinsein erinnert werden oder ihr Single-Dasein erklären müssen, müssen Paare sich immer wieder für das Tempo ihrer Beziehung rechtfertigen. Ehe, Haus, Nachwuchs – weder Verwandte noch Freunde noch Fremde haben das Recht, ihre Meinung kundzutun. Jeder lebt sein Leben nach eigener Geschwindigkeit.

Deine Brüste sind doch fix nicht echt? 

Mein Körper, meine Sache

Apropos Gewicht: Besonders Frauen müssen sich immer wieder für ihren Körper und dessen Maße rechtfertigen. Mal zu dünn, mal zu dick, mal zu wenig Busen, mal zu viel. Und auch das Thema Körperbehaarung erhitzt immer wieder die Gemüter. Bei Männern sind Achselhaare etwas Natürliches, bei Frauen werden sie zu politischen Statements. Das Problem liegt auf der Hand.

Nicht hinnehmen 

Doch wie reagiert man am besten auf übergriffige Fragen? Indem man sich nicht verunsichern lässt. Wer seine eigenen Werte kennt, kann auch dafür einstehen. Das heißt jedoch nicht, dass man solche Fragen oder Anmerkungen hinnehmen muss. Es ist durchaus ratsam, die andere Person auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Antworten wie „Diese Frage ist unpassend“ oder „Wie kommst du dazu, mich so etwas zu fragen?“ können dabei helfen. Ist der Kommunikationspartner offen und aufnahmefähig, kann man ohne Häme erklären, wieso das so ist. Und natürlich ist ein klares „Nein“ immer eine Option. Wenn man nicht antworten möchte, muss man es auch nicht tun.

Bitte einmal ändern

Eine Faustregel sollte jedoch nie vergessen werden – nämlich, dass man sich die Kritik nicht zu Herzen nimmt. Denn meist haben solche Fragen wenig mit der eigenen Person, sondern vielmehr mit der Engstirnigkeit der anderen zu tun. Jeder bevorzugt ein anderes Lebensmodell, doch dem Menschen fällt es meist schwer, andere Richtungen auch zu akzeptieren. Das ist zwar keine Entschuldigung, kann aber etwas helfen. Am besten wäre es, wenn wir übergriffige Fragen jedoch endlich dort lassen, wo sie hingehören – und zwar in der Vergangenheit.