Ungleiche Paare: Liebe als Tauschgeschäft

Model Heidi Klum (47) und ihr Auserwählter Musiker Tom Kaulitz (31), der französische Staatspräsident Emmanuel Macron (42) und seine Gattin Brigitte (67), Regisseur Woody Allen (84) und seine Frau Soon Yi Previn (49), Prinz Albert von Monaco (62) und Prinzessin Charlene (42), David Hasselhoff (68) und Hayley Roberts (40), das deutschen Trash-Paar Michael Wendler (48) und Laura (20) – ob diese Pärchen aus Liebe oder Kalkül zusammen sind, können wir aus der Ferne wohl nur erraten. Stoff für Klatsch und Tratsch geben sie allemal her. Doch auch vermeintlich ungleiche Paare abseits der Glitzerwelt haben ein Stigma und sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Tratsch

Die Kombination „er alt und sie jung“ schockt ja mittlerweile niemanden mehr, dennoch hört man die Leute hinter vorgehaltener Hand tuscheln: „Die hat es doch nur auf sein Geld abgesehen“/„Die hat doch einen Vaterkomplex“ bzw. „Er ist doch mitten in der Midlife-Crisis“. Ist die Frau die Ältere in der Beziehung, zerreißen sich die Mitmenschen aber deutlich mehr den Mund. Es fallen schnell mal Anschuldigungen wie, der Mann sei doch bloß ein Toyboy für das „Pumaweibchen“.

Alter (nicht) egal

Dass Alter bloß eine Zahl ist und auf die Liebe keinen Einfluss haben sollte, zeigen auch immer mehr homosexuelle Paare wie Talkmasterin Ellen DeGeneres (60) und ihrer Frau, Schauspielerin Portia de Rossi (45).Wie heißt es so schön: „Wahre Liebekennt kein Alter!“ Dennoch gibt es laut Beziehungsexperten den perfekten Altersunterschied: Ist einer der Partner um fünf Jahre älter als der andere, wird das Trennungsrisiko mit 18 Prozent als relativ niedrig beziffert. Liegen zehn Jahre zwischen den Partnern steigt das Risiko einer Trennung auf 39 Prozent. Bei 20 Jahren Altersunterschied steigt dieser Wert sogar auf 95 Prozent. Doch die Liebe schert sich nicht um Statistiken. Und bei der hohen Scheidungsrate ist es ja auch kaum verwunderlich, dass die Neo-Singles ihr Glück mit einer jüngeren Version des Partners suchen und sich so immer öfter scheinbar ungleiche Paare finden.

Grey divorce

Vier von zehn Ehepaaren in Österreich können das Gelübde „Bis dass der Tod euch scheidet“ nicht einhalten – rund 16.300 Scheidungen gab es im Jahr 2019. Die meisten davon in Niederösterreich, Wien und Vorarlberg. Tirol weist mit 34,9 Prozent die niedrigste Scheidungsrate auf. Jede siebte Ehetrennung erfolgte nach der Silberhochzeit (25 Jahre), 44 davon sogar nach der Goldenen Hochzeit (50 Jahre). Aufgrund der weltweit steigenden Zahlen von Scheidungen langjähriger Ehen sprechen Wissenschaftler inzwischen von der „grey divorce revolution“. Das Resultat: Während geschiedene, ältere Frauen sich seltener wieder in eine Beziehung stürzen, sondern nach dem meist dramatischen Beziehungs- Aus oft für den Rest ihres Lebens – freiwillig oder unfreiwillig – alleine bleiben, wartet bei den frisch auf dem Heiratsmarkt gelandeten älteren Männern meist schon ein jüngeres Exemplar, um auf die erfolgreiche „Befreiung“ anzustoßen.

Wertvolle Tipps

Beziehungen mit großem Altersunterschied haben zusätzliche Herausforderungen zu meistern. Nicht nur unterschiedliche Hobbys können zu einem Kraftakt werden, sondern auch die Unvereinbarkeit von zwei mitunter völlig verschiedenen Freundeskreisen. Während der jüngere Part, der eventuell noch gar keine Kinder und großartige Verpflichtungen hat, mit seinen Freunden gerne noch von Party zu Party tingelt, ist der ältere Partner lieber zu Hause oder im Theater. Umso wichtiger, so Wissenschaftler, sei es, so viele Gemeinsamkeiten wie möglich zu finden. Ein wichtiges Thema in Partnerschaften mit großem Altersunterschied sind Verlustängste, die meist die ältere Person plagen. Die Angst, der Partner könnte jemanden in seinem Alter finden, schwirrt wie ein Damoklesschwert über der Beziehung und kann zu einer wahren Zerreißprobe werden. Der Vertrauensaufbau ist in einer solchen Konstellation umso wichtiger. Wenn jeder hin und wieder seinen Interessen ohne den anderen nachgehen kann, ist das kein Zeichen von Entfremdung, sondern von großer Liebe.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 28.09.2020