Paartherapie per Mausklick? Hilfe aus dem Netz!

Aufwachen neben dem Menschen, mit dem man noch bis zum Einschlafen gestritten hat. Die körperliche Nähe nicht mehr aushalten. Sich auf Affären einlassen oder den Partner dabei erwischen: Ist Ihre Beziehung schon einmal in eine schwere Krise geraten? Dann haben Sie sich vielleicht Hilfe von einem Therapeuten ­geholt. Falls nicht: Hätten Sie eine Online-Therapie in Erwägung gezogen?

Warum online?

Viele gute Gründe sprechen für diese – zunächst ungewöhnlich anmutende – Variante. „Bei uns sind viele Paare dabei, die gar keine Hilfe in Anspruch nehmen könnten, weil es in ihrer Nähe keinen Paartherapeuten gibt, oder wegen logistischer Probleme wie der Kinder­betreuung“, erläutert Ragnar Beer, wissenschaftlicher Kopf von theratalk.de. Andere würden sich bei sexuellen Problemen einfach schämen, mit einem Therapeuten von Angesicht zu Angesicht zu reden.

Mitleser, nein danke

Diese Form der Paartherapie gibt es schon erstaunlich lang: Das Theratalk-Konzept wurde 1996 an der Georg-August-Universität in Göttingen entwickelt und seither erfolgreich angewendet. Über tausend Paare, so schätzt der Experte, wurden bereits therapiert. Die erste Frage, die einem da durch den Kopf schießt: Wie steht es mit dem Datenschutz? „Die Privatspäre spielt für uns eine besonders große Rolle“, versichert der Psychotherapeut. „Alle Daten werden bei der Übermittlung verschlüsselt, so wie es auch beim Online-Banking oder Kreditkarten-Geschäften über Internet gebräuchlich ist. Für das Training bekommen Sie Pseudonyme, so dass keine direkten Rückschlüsse auf Ihre Person möglich sind.“

So funktioniert’s

Da E-Mails auf dem Weg zum Empfänger wie eine Postkarte unterwegs mitgelesen werden können, findet die Online-Therapie in zeitversetzten Chats statt. Jeder der Partner hat beispielsweise einen Chat mit dem Therapeuten unter vier Augen, und in einem weiteren Chat unterhalten sich beide Partner und der Therapeut. Von Montag bis Freitag gibt es täglich Kontakt, dieser muss aber nicht gleichzeitig unter allen drei Beteiligten statt­finden. Ragnar Beer: „Dafür sorgt unser speziell entwickeltes System, bei denen die Nachrichten gespeichert werden, so dass 24 Stunden am Tag darauf zugegriffen werden kann.“

Die Methode

Zunächst bemüht sich der Therapeut, die Partnerschaft mit ihren Stärken und Schwächen möglichst gut kennenzulernen, geht auf deren Geschichte und wichtigsten Probleme ein. „Unsere Methode ist so angelegt, dass Sie nur in Ausnahmefällen Ratschläge bekommen“, fasst Beer zusammen. „Wenn Sie selbst verstehen, was in Ihrer Partnerschaft passiert, können Sie auch zukünftige Probleme ohne Hilfe von außen lösen.“

Gehen wir’s an!

Bin ich, sind wir überhaupt ein Fall für die Paarberatung? Entsprechende Tests auf der Seite geben darüber Auskunft. Eine Therapie ist auf eine Dauer von sechs Wochen angelegt, „weil wir da erste Veränderungen sehen können.“ Die Kosten liegen pro Woche bei 75 Euro für einzelne Partner (ja, das geht – mit Einschränkungen – auch!) bzw. 150 Euro für Paare. Die Teilnahme ist auch für Österreicher möglich.

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19.01.2015