Österreichische Männer nicht so fruchtbar, wie sie glauben

Wie das Kinderwunschzentrum an der Wien mit einer Studie belegt, ist Vater zu werden gar nicht so einfach, wie „Mann“ denkt.
Autor: Teresa Frank, 08.06.2022 um 11:52 Uhr

Eine Studie, die vom vom Kinderwunschzentrum an der Wien in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass die österreichischen Männer ihre Fruchtbarkeit deutlich überschätzen. Obwohl bereits mit 40 Jahren die Fruchtbarkeit sinkt, schätzen sich zwei Drittel der über 50-Jährigen als sehr oder eher fruchtbar ein. Nur etwa 8,3 Prozent denken darüber nach, ihre Samenzellen untersuchen zu lassen. Mit dem „Androzentrum“, das sich mit Fertilitätsstörungen bei Männern konzentriert, will das Kinderwunschzentrum Aufklärungsarbeit leisten.

Die männliche Fruchtbarkeit ist ein guter Indikator dafür, wie es um die Männergesundheit generell steht – und diese bereitet uns große Sorgen. Es passiert immer öfter, dass wir Männern mitteilen müssen, dass sie nahezu unfruchtbar sind. Mit dem Thema Fruchtbarkeit konfrontieren sich viele erst bei der Kinderwunschbehandlung, dabei sollten hier schon früh Maßnahmen gesetzt werden.

- Prof. Heinz Strohmer, Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien

Kein „Frauenthema“

„Fruchtbarkeit ist kein reines Frauenthema, nur leider beschäftigt ’Mann‘ sich viel zu selten damit. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit liegen zu 55,4 Prozent beim Mann, 14,9 Prozent bei der Frau und in 29,7 Prozent der Fälle an beiden Partnern“, so Prof. Andreas Obruca, ebenfalls Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien. Insgesamt schätzen sich 70,1 Prozent der österreichischen Männer als sehr fruchtbar ein. Unterschiede im Alter zeigen sich kaum: 75,6 Prozent der 20-29 Jährigen als auch 66,7 Prozent aller 50+ Männer. Frauen dagegen zeichnen ein anderes Bild: Nur 28 Prozent der über 50-jährigen Frauen beurteilen ihre Partner als fruchtbar. „Die Realität zeigt, dass Männer ihre Fruchtbarkeit maßlos überschätzen – und dies ist gefährlich. Das Alter des Mannes kann auch Auswirkungen auf die spätere Gesundheit des Kindes haben. Untersuchungen zeigen, dass die Samenzellen von 45-jährigen im Vergleich zu unter 35-jährigen Männern weniger beweglich sind. Wir empfehlen deshalb, den Kinderwunsch nach Möglichkeit in jüngeren Jahren zu verwirklichen“, so Prof. Obruca.

Fruchtbarkeit ist kein reines Frauenthema, nur leider beschäftigt ’Mann‘ sich viel zu selten damit.

- Prof. Andreas Obruca, Gründer und ärztl. Leiter des Kinderwunschzentrum an der Wien

Unwissen und Unbehagen

Wie unangenehm dieses Thema vielen Männern immer noch ist, bestätigen die Umfragewerte: Für 44,4 Prozent aller Befragten ist die männliche Fruchtbarkeit ein Tabuthema, über das nicht gesprochen wird. Besonders zwischen 30 und 39 möchten sie darüber nicht reden. „Dieses Ergebnis hat uns besonders erschreckt, da in diesem Alter der Kinderwunsch oft am größten ist. Wenn es nicht funktioniert auf natürlichem Weg schwanger zu werden, werden die Probleme oft zuerst bei der Frau gesucht. Dabei kann ein einfaches Spermiogramm schon für wichtige Erkenntnisse sorgen“, so Prof. Strohmer weiter. Nur 17 Prozent aller Männer wissen jedoch, was ein Spermiogramm überhaupt ist. Und nur 8,3 Prozent denken darüber nach, sich ihr Sperma einmal untersuchen zu lassen.

Allgemeine Fruchtbarkeit nimmt ab

Vater zu werden, ist mittlerweile auch schwerer als noch vor 50 Jahren. Laut aktueller Forschungsergebnisse befinden sich in der Samenflüssigkeit österreichischer Männer immer weniger Spermien – die Männer werden also immer unfruchtbarer. Dieses Zahl werden auch von der WHO bestätigt: Noch vor 50 Jahren lag der Durchschnitt pro Milliliter Ejakulat bei über 120 Millionen Samenzellen – heute sind es nur noch 60 Millionen. Die Spermaqualität und damit die Fruchtbarkeit können Männer jedoch selbst verbessern. „Besonders wichtig ist das Nichtrauchen, ein normales Körpergewicht, ausreichend Sport und körperliche Bewegung sowie der Verzicht auf Anabolika oder Hormonpräparate im Fitnessbereich“, betont Prof. Strohmer. Auch die gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Offenbar haben auch Nüsse und Meditation eine verbessernde Wirkung auf das Sperma. Etwa die Hälfte aller Männer (47,8 %) wären bereit, bei einem Kinderwunsch ihre Ernährung umzustellen, bei den Frauen sind es mit 59,1 Prozent deutlich mehr.