Hautpflege: 3 erstaunliche Dinge, die Mikrobiom bewirkt

Alleine sind wir nie. Denn mit uns, auf und in uns wuselt eine Vielzahl von Bakterien und Mikroorganismen. Über die genaue Anzahl sind sich Wissenschaftler noch nicht einig. Doch eines ist fix: Zählt man alle Zellen unseres Körpers zusammen, ist nur ein Zehntel davon menschlich.

Das große Krabbeln

Das erkannten amerikanische Mikrobiologen schon in den Siebzigerjahren. Die restlichen 90 Prozent sind Mikro­organismen, der Großteil davon Bakterien. Mehrere Tausend Arten von Mikroben beherbergt unser Körper. Die winzigen einzelligen Lebewesen tummeln sich auf unserer Haut, insbesondere auf den Schleimhäuten, und im Darm. Die Gesamtheit dieser winzigen, unverzichtbaren Mitbewohner bezeichnet man als Mikrobiom.

Schutzschild

Auch auf der Haut wimmelt es von Bakte­rien. "Igitt" oder "bäh" werden da viele denken. Aber unsere Haut braucht die mikroskopisch kleinen Nützlinge. Sie ist sogar auf sie angewiesen. Denn Bakterien zeigen nicht nur im Verdauungstrakt eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Ist das Mikrobiom der Haut im Gleichgewicht, verfügt diese über einen natürlichen Reparatur- und Schutzmechanismus. Das Mikrobiom ist daher ein starker Verbündeter der Haut. Je mehr Forschungen über Probiotika, Präbiotika und das Mikrobiom der Haut durchgeführt werden, umso klarer wird: Auch beim Thema Schönheit kommt man nicht um Bakterien herum.

Entscheidende Rollen

  • Schützen: Ein intaktes Mikrobiom bietet antimikrobiellen Schutz, d. h. schädliche Keime oder Krankheits­erreger haben es schwerer, einzudringen.
  • Regulieren: Es hemmt Entzündungen und produziert Proteine, die Eindringlinge abtöten.
  • Reparieren: Es verbessert die Zellstruktur und verstärkt die Hautbarriere für eine schönere, elastischere Haut.

Top 3: Das alles kann Mikrobiom

1. Immer der Nase nach

Wie gut jemand Gerüche wahrnimmt, könnte auch an den Bakterien in seiner Nase liegen. Christine Moissl-Eichinger, Profes­sorin an der Medizinischen Universität Graz, und Univ.-Prof. DI Dr. Veronika Schöpf, Professorin der Karl-­Franzens-Universität Graz, untersuchten den Zusam­menhang zwischen dem Nasen-Mikrobiom und dem Geruchssinn. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Zusammensetzung der Bakterienarten in der Nase die Geruchswahrnehmung beeinflusst.

2. Jedem seine eigene Mikrobenwolke

Mikrobiologe James Meadow und seine Kollegen von der University of Oregon haben festgestellt: „Menschen beherbergen verschiedenste Mikrobengemeinschaften in und auf ihrem Körper.“ Jeder Mensch habe eine für ihn typische Mikrobenmixtur, unverwechselbar wie der Fingerabdruck. Personen lassen sich also schon allein anhand ihrer Mikroben unterscheiden. Und: Wir verlieren täglich Millionen Bakterien, die charakteristische "Wolken" um uns herum bilden.

3. Wie das Mikrobiom vor Hautkrebs schützt

Dass zu lange Sonnenbäder das Risiko auf Sonnenbrand und Hautkrebs stark erhöhen, ist allseits bekannt. "UV-Strahlung unterdrückt das Immunsystem der Haut, sie wirkt also immunsuppressiv. Dadurch entsteht eine Abwehrschwäche, welche in der Entstehung von Hautkrebs eine wichtige Rolle spielt", so Univ.-Prof Dr. Peter Wolf von der Medizinischen Universität Graz. Das Mikrobiom der Haut schützt dagegen vor der immunsuppressiven Wirkung der UVB-Strahlung.

Author: Ute Daniela Rossbacher , 07.07.2020