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Nur die Liebe zählt - aber nicht immer reicht sie für ein Leben
Nur die Liebe zählt - aber nicht immer reicht sie für ein Leben
bortnikau/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Wenn sich Langzeitpaare trennen: Die zehn häufigsten Gründe

20.03.2019 um 10:32, Weekend Online
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Man ist durch dick und dünn gegangen, aber will man das auch weiterhin? Durchhalten lohnt sich, meinen Paare, die Krisen bewältigt haben. Im Wissen, dass nicht immer was Besseres nachkommt. Zehn Gründe, warum Menschen trotzdem gehen.

1. Letzte Chance

Eltern sterben. Freunde und Kollegen, kommen einem abhanden oder gehen zu früh. Das Gefühl der eigenen Endlichkeit in Verbindung mit körperlichen Veränderungen. Geballte Verlusterfahrungen gelten als häufige Auslöser, sein Leben in der Lebensmitte von Grund auf zu überdenken, aus der Krise heraus eine totale Wandlung zu vollziehen. Das Gefühl, es könnte die letzte Chance sein, noch einmal neu anzufangen, entfernt Paare in dieser sensiblen Phase leicht voneinander.

2. Körperliche Distanz

Das Vertrauen, das zwischen zwei Menschen über Jahre und Jahrzehnte wächst, und die Routine, aus der heraus man den Alltag meistert, sind ein starkes Fundament vieler Langzeitbeziehungen. Der Stellenwert der Sexualität nimmt tendenziell dementsprechend ab. Noch nicht zwingend ein Problem. Zur Entfremdung kommt es jedoch, wenn das Paar außerhalb des Schlafzimmers deutlich auf körperliche Distanz geht, Berührungen immer seltener werden.

3. Gleichgültigkeit

Wer in Phasen persönlicher Umbrüche oder Übergänge sehr mit seinen eigenen Gefühlen und unerfüllten Wünschen beschäftigt ist, verliert leicht den Partner aus dem Auge und damit die Einschätzung, was in diesem vorgeht. Das Gefühl, vom anderen nicht mehr wahrgenommen zu werden, macht für den Zuspruch und das Entgegenkommen anderer empfänglich.

4. Leeres Nest-Syndrom

Wenn die Kinder das Elternhaus verlassen, ist es vor allem für jene eine Herausforderung, sich als Paar neu zu finden, die neben der Sorge für den Nachwuchs das eigene Wohl und gemeinsame Unternehmungen aus dem Auge verloren haben. Ein Versagen zweier Menschen ist es nicht, sondern einfach eine natürliche Folge eines jahrelangen energieraubenden Alltags. Wie gut man diese Hürde gemeinsam nimmt, hängt von der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und sich Zeit zu geben, ab.

5. Keine Gesprächsbasis

Eine Herausforderung, die in Langezeitbeziehungen nicht immer leicht zu meistern ist: Gerade weil man meint, den anderen auswendig zu kennen, in Vorurteilen zu verharren, wenn man miteinander spricht. Und dabei wesentliche Botschaften zu überhören, zu unterschätzen oder falsch einzuordnen. An der Diskrepanz reden zu wollen, ohne dem anderen richtig zuzuhören, scheitern nicht alle, aber doch einige. Die Verlockung, sich neu zu orientieren, ist groß. Vor allem, wenn sich potenzielle Partner im Umfeld des Paares tummeln.

6. Der Domino-Effekt

Das Cliquen-Phänomen, das in guten wie in schlechten Zeiten verstärkend wirkt: Heiratet ein Paar, ziehen in der Regel schon bald andere befreundete Paare nach. Desgleichen auch bei Trennungen oder Scheidungen. Wie beim Büffet, das eröffnet wurde, und trotzdem niemand zu stürmen wagt, ist die Frage: Wer macht den Anfang, und was zieht das gruppendynamisch nach sich?

7. Geldsorgen

Das gemeinsame Vorstadthaus, mit dem man sich heillos übernommen hat, ein unerwarteter Jobverlust wenige Jahre vor der Pension, der für einen realen oder gefühlten Wohlstandsverlust sorgt, Zukunftsängste, die durch gesundheitliche Einschränkungen eines oder beider Partner überhand nehmen: In Krisenzeiten wächst man entweder zusammen (und sei es nur, weil man es sich nicht leisten kann, sich zu trennen) oder bricht auseinander.

8. Falsche Sicherheit

Man selber genießt die Kuschelstunden mit dem Partner auf der Couch. Die Ruhe an den Wochenenden. Solange der andere nichts sagt, hält sich der trügerische Eindruck, dass es dem anderen auch so gefällt. Umso größer der Schock, wenn durch einen plötzlichen Ausbruch oder Seitensprung deutlich wird, dass man eigentlich von ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen träumt, und die vermeintlichen Gemeinsamkeiten nur noch Routine waren.

9. Überhöhung der Alternativen

Wenn man doch noch einmal anfangen könnte, würde man alles anders machen - aber GANZ anders. Vielleicht ja doch besser den heiraten statt den, der's am Ende geworden ist. Oder besser gleich solo geblieben und sich mit anderen von früh bis spät vergnügt - ganz ohne Verpflichtungen. Wer sich im Beziehungsalltag gefangen fühlt, neigt rasch dazu, Singles und frisch Getrennte ob ihrer Möglichkeiten zu überhöhen. So müsste man es machen. Oder: Mit einem anderen (und eventuell jüngeren) Partner wäre alles ganz anders, man selbst ein besserer Mensch. Vor dem Hintergrund der eigenen Situation erscheint einem schnell vieles besser als das eigene Leben. Solange nicht die Erkenntnis einsetzt, dass niemand alles hat, ein Fallstrick für unzufriedene Langzeitpaare.

10. Fitness-Diskrepanz

Das Leben hat seine Spuren hinterlassen - gesundheitlich, beruflich, privat. Viel musste man wegstecken und verkraften. Endlich Freitag, rauf auf die Couch und vor Sonntagabend nicht mehr runter. Wünscht sich der eine. Während der andere noch voll im Saft ist, Bäume ausreißen könnte und locker zwei bis drei Mal in der Woche Sex haben, wird dem anderen schon beim bloßen Gedanken schwummrig. Studien zufolge ein häufiger (Mit-) Grund für Trennungen für Paare rund um den Eintritt in die Pension.

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