Österreich im Diätwahn: Alles für die Wurst?

Das schlechte Gewissen rührt sich schon jungen Jahren: Fast 50 Prozent der ÖsterreicherInnen zwischen 20 und 24 Jahren fühlen sich zu dick, wie eine Studie zeigt. Eine erfolgreiche Diät nehmen sich jährlich 70 Prozent der Bevölkerung vor. Den Vorsatz in die Tat setzen 50 Prozent erfolgreich um, wie eine Erhebung zeigt.

So "dickt" Österreich

Die Ernährungswissenschafterin Petra Rust, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, hat es schwarz auf weiß: "27 Prozent der ÖsterreicherInnen sind übergewichtig. 12 Prozent sind fettleibig. Erschreckend ist, dass jedes fünfte Kind an Übergewicht leidet. Die Zahl der Übergewichtigen ist insgesamt stagnierend."

Was heißt ideal?

Die Weltgesundheitsorganisation errechnet das Idealgewicht mit dem Body-Mass-Index (BMI). Dessen Formel lautet: Körpergewicht dividiert durch die Quadratur der Körpergröße in Metern. Bei einem errechneten Wert von über 25 besteht Handlungsbedarf. Doch - ist der BMI das Maß aller Dinge? Christine Pall, Vizepräsidentin der österreichischen Diätologen, weist auf einen Fehler hin: "Die Muskelmasse kann den Wert verfälschen." So wie etwa bei Hermann Maier. Denn nach der nicht unumstrittenen Berechnungsformel wäre der Herminator mit einem BMI von 34 in seiner aktiven Zeit auch fettleibig gewesen. "Dennoch - die Fehleranfälligkeit ist gering, und der BMI spiegelt den Körperfettanteil gut wider", ist Rust sicher.

Diäten zum Vergessen

So umstritten die Berechnungsparameter auch sein mögen - sicher ist für Christine Pall eines: "Die meisten viel gepriesenen Diäten sind unwirksam!" Im Diäten-Dschungel sind viele Lügen versteckt, die nicht helfen sondern eher schaden. Pall: "Kohlenhydrate machen dick ist beispielsweise so ein Irrglaube. Kohlenhydrate sind Sattmacher. Es kommt darauf an, wie ich meine Nudeln esse. Gorgonzola und Schlagoberssauce dazumengen ist sicherlich falsch." Was ist nun aber der richtige Weg zum Normalgewicht?

Erfolgsgeheimnis

"Keine Diät, sondern eine Umstellung der Ernährung ist der Schlüssel", sagt Petra Rust. Eine gesunde Tagesration sollte sich aus 55 Prozent Kohlenhydraten, einem Drittel ungesättigten Fettsäuren wie Fisch und pflanzlichen Ölen, sowie Proteinen zusammensetzen. Regionale und saisonale Lebensmittel sowie Obst und Gemüse sind dabei die richtigen Komponenten. Und ganz wichtig: Das Essen muss ein Lustfaktor bleiben. Erlaubt ist beinahe alles, ob süß oder pikant - die Menge macht es aus. Also kann es gelegentlich ein Schweinsbraten oder ein Wiener Schnitzel sein. Und - eine Diät sollte langsam angegangen werden. Durch einen raschen Gewichtsverlust reduziert sich auch die Muskelmasse. Diese ist für die Kalorienverbrennung aber enorm wichtig. Durchschnittlich benötigt ein Erwachsener zwischen 2.000 und 2.500 Kilokalorien. Ein Richtwert, denn die genaue Zahl ist abhängig von Geschlecht, Alter und körperlicher Aktivität.

Bewegung ein Muss

Zum Erreichen des Wunschgewichts brauchte es mehr als nur gesunde Ernährung. Christine Pall meint: "Nicht alle, die dich sind, ernähren sich schlecht. Ihnen fehlt die körperliche Aktivität. Ohne Bewegung ist das Idealgewicht nur schwer erreichbar." Durch Bewegung und Sport wird Muskelmasse aufgebaut, die mehr Kalorien verbrennt. Jedoch sollte der Trainingsplan an die individuelle Situation angepasst werden. Ein 120 Kilo schwerer Erwachsener braucht ein anderes Bewegungsprogramm als einer der nur 75 Kilo hat.

Motivater Smartphone

Neu sind Applikationen für Handy und Tablets, die laut Experten als Motivationsunterstützung ideal sind. Die oberösterreichische Sport-App Runtastic (25 Millionen User) etwa zeichnet das gesamte Sportprogramm auf. Dabei werden neben den gelaufenen, spazierten oder gewanderten Kilometern auch die verbrannten Kalorien angezeigt. So weiß man, wann der geliebte Schweinsbraten abgebaut ist. Auch Ernährungs-Apps sind ein gutes Hilfsmittel. In der App KalorienCheck sind etwa 3.000 Lebensmittel jeweils mit Kalorien- und Nährwertangaben wie Kohlenydraten, Eiweiß und Fett dargstellt.

Dünn nicht gleich gesund

Dünne sind gesünder als Dicke - leben demnach auch länger. Diese Annahmen widerlegen nun neuste wissenschaftliche Studien. Leicht Mollige, die bewegungsfreudig sind, haben nicht nur eine höhere Lebenserwartung, sondern erkranken auch seltener als bewegungsfaule Dünne.

Autor: Laura Engelmann, 04.07.2017