Dark Tourism: Urlaub im Katastrophengebiet!

Dark Tourism - in diesem Fall versteht man unter "Dark" nicht dunkel. Viel mehr geht es um Regionen, die für die Menschheit ein dunkles Kapitel in der Geschichte verkörpern. Das 2012 gegründete "Institute for Dark Tourism" bietet Reisen zu insgesamt 700 Orten an, die mit Mord, Gewalt, Leid und Schmerz in Verbindung stehen.

Schaurige Plätze als Reiseziel

Die beliebtesten Reiseziele sind neuerdings nicht mehr New York, die Seychellen oder St. Moritz - sondern Auschwitz oder die "Killing Fields" in Kambodscha. Eines der beliebtesten Reiseziele der "Dark Tourists" ist die ukrainische Strahlenwüste Tschernobyl. Während bis vor einigen Jahren der Zutritt zu diesem Gebiet noch gänzlich verboten war, verzeichnete Tschernobyl im Jahr 2015 bereits über 15.000 Touristen! Auch das Genozid-Erinnerungszentrum in Ruanda zieht jedes Jahr zahlreiche Reise- und Schaulustige an. Dieses wurde erbaut, um an den Völkermord der Tutsi durch Hutu-Krieger zu erinnern - etwa 20 Prozent der Bevölkerung verloren 1994 ihr Leben. Neben einem Museum und einer Gedenkstätte befindet sich dort außerdem das Massengrab der Ermordeten. Ein weniger beliebtes Ausflugsziel für schreckhafte Menschen dürfte auch der Tunnel of War in Sarajevo sein. Dieser wurde während dem Balkankrieg zum Ort des Schreckens. Denn der unterirdische Fußweg verband den bosnisch-kroatischen Stadtteil, der von serbischen Truppen besetzt war, mit dem nicht belagerten Vorort der Stadt. Er diente als Fluchtweg und zur Versorgung des eingenommenen Sarajevo.

Bildungshunger und Sensationslust

Darüber, warum der "Dark Tourism" eine so gut laufende und profitable Geschäftsidee ist, lässt sich streiten. Während die einen argumentieren, dass der Besuch der Völkermord-Gedenkstätte Murambi in Ruanda eine Art Bildungsreise mit großem Lerneffekt sei, sehen andere darin eine anstößige Sensationslust am Schrecklichen und Grausamen. Egal auf welcher Seite man steht, Fakt ist: Viele Touristen scheinen zu vergessen, dass an den meisten dieser schaurigen Orte zahlreiche Menschen ihr Leben lassen mussten. Denn Selfies vor der Gaskammer oder spielende Kinder auf den Gedenkstätten sind durch den Tourismus leider längst keine Seltenheit mehr.

Autor: Laura Engelmann, 04.11.2017