Weltnichtrauchertag: Die Alternativen zur Zigarette

E-Zigarette, IQOS oder Nikotin-Beutel: Wie gefährlich sind die neuen, risikoreduzierten Produkte?
Autor: Brigitte Biedermann, 30.05.2022 um 14:07 Uhr

Heute ist Weltnichtrauchertag und wir sind uns einig: Rauchen gefährdet unsere Gesundheit, kostet viel Geld und stinkt. Dennoch rauchen in Österreich derzeit noch 1,5 Millionen Menschen jeden Tag. Gut ein Drittel davon möchte mit dem Rauchen aufhören, schafft es aber nicht. Jetzt gibt es neue, risikoreduzierte Produkte auf dem Markt. Doch machen die nicht auch süchtig?

Tabakkonzerne wollen Schadensminderung

Die sinkende Zahl der Raucher, die weiter voranschreitenden Rauchverbote und der gesundheitspolitische Druck waren für die Tabakkonzerne ausschlaggebend, sich um Alternativen zu bemühen. Philip Morris sprang als einer der ersten auf den Zug auf. Schon Ende 2016 kündigte Philip-Morris-CEO André Calantzopoulos in einem Interview das Ende der Verbrennungszigarette an.

Der Tabakerhitzer IQOS 

Der Konzern ist mit seinem Tabakerhitzer IQOS Vorreiter, bereits 14,7 Millionen Raucher weltweit verwenden das Gerät. Der Unterschied zum Glimmstängel: Im Gerät wird eine Mini-Zigarette – ein sogenanntes Heet – eingesetzt. Dieses wird nur erhitzt, bis das Nikotin freigesetzt wird, und verbrennt nicht. Erst beim Verbrennungsprozess entstehen krebserregende Stoffe und Teer. Laut Aussage des Herstellers ist der Konsum eines Tabakerhitzers 95 Prozent weniger schädlich. Was der Raucher erleben will: Der Kick durch das Nikotin – und der bleibt.

 

Was macht das Nikotin im Körper?

Lungenfacharzt Wolfang Popp von der Privatklinik Döbling gibt Antworten: „Nikotin erzeugt eine Gefühlsverstärkung oder einen Kick, das kann zur Abhängigkeit führen und ist einer der wesentlichsten Gründe, weshalb Raucher immer wieder zur Zigarette greifen. Die typischen Raucherkrankheiten wie COPD, Lungenkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall werden jedoch vor allem durch die zahlreichen schädlichen Stoffe verursacht, die bei der Verbrennung des Tabaks, also beim Zigarettenrauchen, entstehen, nicht durch das Nikotin. Das ist vielen nicht bekannt.“ 

E-Zigarette: Dampf statt Qualm

Auch elektronische Zigaretten werden immer beliebter. Bei diesem System wird der Verdampfer aktiviert, wenn an der E-Zigarette gezogen wird. Beim Inhalieren heizt der Verdampferkopf eine nikotinhaltige Flüssigkeit auf. Diese produziert einen Dampf, der dem Rauch einer gewöhnlichen Zigarette ähnelt.

Nicht zum Aufhören geeignet

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie ÖGP warnt vor dem „Umstieg“ auf die E-Zigarette, in der Hoffnung, auf diesem Weg mit dem Rauchen aufhören zu können. Lungenfacharzt Christopher Lambers vom Ordensklinikum Linz Elisabethinen: "Anstatt, dass der Körper von Nikotin entwöhnt und entgiftet wird, erhält er weiterhin Nikotin zugeführt. Die nikotinhaltige E-Zigarette oder erhitzte Tabakprodukte werden vom Hersteller zur Daueranwendung über Jahre und Jahrzehnte konzipiert. Das ist angesichts der vielen negativen Auswirkungen von Nikotin auf das Herz-Kreislauf-System genauso schädlich ist wie herkömmliche Zigaretten.“ 

Nikotin Pouches I Credit: PMI

Nikotinbeutel: Der Kick für Junge

Auch Nikotinbeutel werden momentan groß beworben. Diese werden unter die Oberlippe geschoben und geben dort kontinuierlich Nikotin ab. Gerade bei jungen Leuten und Sportlern sind die Beutel im Kommen. Diese neuen Produkte dürfen nicht nur in der Trafik, sondern auch an Tankstellen verkauft werden. Sie unterliegen nicht dem österreichischen Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz, weil sie nur synthetisches Nikotin und keinen Tabak enthalten. Das bedeutet: Keine Qualitätskontrolle und auch der Nikotingehalt muss nicht angegeben werden.

Harmloses Image als Lifestyle-Produkt

Die Produkte vermitteln - auch weil dafür Werbung gemacht werden darf - ein harmloses Image eines Lifestyle-Produktes. Nur sollte man wissen: Das Lungenkrebsrisiko sinkt zwar, weil die Beutel meist zehn Minuten im Mund bleiben, dafür steigt das Risiko für Karzinome im Rachenraum. Weitere Risikofaktoren: Thrombose, Herzkreislauf-Erkrankungen und auch die Wundheilung wird beeinträchtigt.

 

Was ist am wenigsten schädlich?

Österreichs Lungenfachärzte plädieren für einen generellen Stopp! Doch welche ist jetzt die harmloseste Alternative zur Zigarette? Wolfgang Popp: „Das Harmloseste wäre das Nichtrauchen. Alternativen mit dem geringsten Risikoprofil wären reine Nikotinpräparate, gefolgt von Nikotinbeutel, Dampfen mit E-Zigarette, Dampfen von Liquids und gut untersuchten Tabakerhitzern. Die schlechteste Alternative ist zu glauben, dass man statt 20 Zigaretten nur zehn raucht. Das ist Selbsttäuschung, weil die zehn dann viel intensiver geraucht werden für den gleichen Kick.“