Neue Bankomat-Regeln: Das soll sich beim Geldabheben ändern
Beim Geldabheben könnten sich in Österreich künftig einige Dinge ändern. Hintergrund sind neue EU-Vorschriften für Zahlungsdienste, auf die sich Rat und Europäisches Parlament politisch verständigt haben. Geplant sind unter anderem Bargeldbehebungen in Geschäften ohne Einkauf sowie mehr Transparenz bei Bankomatgebühren und Wechselkursen. Parallel läuft in Österreich eine eigene politische Debatte über die Höhe von Auszahlungslimits.
Bargeld künftig auch im Geschäft?
Eine der auffälligsten geplanten Änderungen betrifft den Bargeldbezug abseits klassischer Bankomaten. Einzelhändler sollen ihren Kunden künftig freiwillig Bargeld auszahlen können, ohne dass dafür gleichzeitig etwas gekauft werden muss.
Der politisch vereinbarte EU-Rahmen sieht dafür grundsätzlich Auszahlungen von mindestens 100 und höchstens 150 Euro vor. Die Bargeldausgabe soll über Karte sowie Chip und PIN abgesichert werden.
Damit soll vor allem in Regionen mit wenigen Bankomaten der Zugang zu Bargeld verbessert werden. Wichtig ist allerdings: Geschäfte werden dadurch nicht automatisch verpflichtet, diesen Service anzubieten.
Mehr Transparenz am Bankomaten
Auch klassische Bankomatbehebungen sollen transparenter werden. Nutzer sollen vor Abschluss einer Transaktion klar erkennen können, welche Gebühren anfallen.
Das betrifft insbesondere Entgelte für eine Abhebung sowie mögliche Kosten bei einer Währungsumrechnung. Verbraucher sollen dadurch noch vor der Bestätigung entscheiden können, ob sie die Transaktion zu den angezeigten Konditionen durchführen möchten.
Die Reform der europäischen Zahlungsdiensteregeln umfasst darüber hinaus weitere Maßnahmen zum Schutz vor Zahlungsbetrug. Der Schwerpunkt liegt auf mehr Konsumentenschutz und transparenteren Zahlungsdiensten.
Was es mit den 400 Euro auf sich hat
Davon getrennt läuft derzeit eine österreichische Debatte über die Auszahlungshöhe an Bankomaten. Am 15. Oktober wurde im Nationalrat ein Entschließungsantrag eingebracht, der ein Mindestlimit von 400 Euro pro Bargeldbehebung fordert, sofern das individuelle Karten- oder Kontolimit dies zulässt.
Hintergrund ist die Kritik, dass an mehreren Bankomaten pro Transaktion mittlerweile niedrigere Beträge ausgezahlt werden können. Wer einen größeren Bargeldbetrag benötigt, müsste dadurch unter Umständen mehrmals hintereinander abheben.
Der Vorstoß bedeutet allerdings nicht, dass Banken oder Bankomatbetreiber bereits jetzt verpflichtend 400 Euro pro Behebung ermöglichen müssen.
Welche Regeln bereits gelten
Bei den derzeit diskutierten Änderungen ist eine klare Unterscheidung wichtig: Weder die neuen europäischen Regelungen noch die österreichische Forderung nach einem 400-Euro-Mindestbetrag bedeuten, dass ab sofort neue Bankomatregeln für alle gelten.
Bei den EU-Vorschriften gab es bereits eine politische Einigung über das neue Zahlungsdienstepaket. Bis die entsprechenden Bestimmungen tatsächlich vollständig anwendbar sind, sind jedoch weitere formale Schritte beziehungsweise Umsetzungsfristen notwendig.
Auch beim österreichischen 400-Euro-Vorstoß handelt es sich um eine politische Forderung und nicht um eine bereits geltende gesetzliche Verpflichtung. Für Konsumenten ändern sich daher nicht plötzlich über Nacht sämtliche Regeln beim Geldabheben.