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Koordinierte Weltzeit: Die internationale Staatengemeinschaft hat am 15. Oktober die Abschaffung der bisherigen Schaltsekunden-Regelung beschlossen.
Koordinierte Weltzeit: Ab 20. Mai 2027 darf UTC deutlich stärker von der astronomischen Zeit abweichen.
Koordinierte Weltzeit: Ab 20. Mai 2027 darf UTC deutlich stärker von der astronomischen Zeit abweichen.
Orang Robot/Shutterstock.com

Ab 2027 ändert sich die Weltzeit: Was Österreich davon merkt

16.10.2026 um 08:51, Yunus Emre Kurt
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Die internationale Zeitmessung steht vor einer historischen Reform. Ab Mai 2027 soll die Schaltsekunde verschwinden, vor allem aus technischen Gründen.

Die internationale Zeitmessung steht vor einer historischen Änderung. Bei der Generalkonferenz für Maß und Gewicht wurde am 15. Oktober beschlossen, die bisherige Regelung für Schaltsekunden grundlegend zu ändern. Ab 20. Mai 2027 soll die koordinierte Weltzeit UTC ohne die regelmäßigen Korrekturen auskommen. Für Menschen in Österreich ändert sich im Alltag zunächst praktisch nichts, für technische Systeme ist die Reform jedoch von großer Bedeutung.

​Was ist eine Schaltsekunde?

Schaltsekunden wurden 1972 eingeführt, um die koordinierte Weltzeit möglichst eng an die tatsächliche Erdrotation anzupassen. Die Erde dreht sich nämlich nicht vollkommen gleichmäßig. Dadurch können sich astronomische Zeit und Atomzeit langsam voneinander entfernen.

Bisher durfte UTC höchstens 0,9 Sekunden von der astronomischen Zeit abweichen. Wurde diese Grenze erreicht, konnte eine zusätzliche Sekunde eingefügt werden. Seit 1972 geschah das insgesamt 27 Mal. Die bislang letzte positive Schaltsekunde wurde Ende 2016 eingefügt.

Künftig soll eine deutlich größere Abweichung erlaubt sein. Die neue Grenze liegt bei bis zu 3.600 Sekunden beziehungsweise einer Stunde. Das bedeutet allerdings nicht, dass plötzlich eine Stunde übersprungen oder hinzugefügt wird.

​Warum wird die Regelung geändert?

Hintergrund der Reform sind Veränderungen bei der Erdrotation. Langfristig bremst vor allem die Gezeitenwirkung des Mondes die Rotation ab. In den vergangenen Jahren wurden jedoch auch Phasen beobachtet, in denen sich die Erde zeitweise schneller drehte.

Dadurch könnte theoretisch erstmals eine sogenannte negative Schaltsekunde notwendig werden. Dabei würde nicht eine zusätzliche Sekunde eingefügt, sondern eine Sekunde übersprungen.

Genau das sorgt bei Fachleuten für Bedenken. Eine negative Schaltsekunde wurde bislang noch nie praktisch umgesetzt. Welche Folgen sie für weltweit vernetzte technische Systeme haben könnte, lässt sich deshalb nur begrenzt abschätzen.

​Warum Computer Probleme bekommen können

Viele moderne Systeme sind auf exakt synchronisierte Zeitangaben angewiesen. Dazu gehören unter anderem Satellitennavigation, Telekommunikation, Stromnetze und Finanzsysteme.

Schaltsekunden können für Software problematisch sein, weil eine Minute dann aus 61 Sekunden bestehen kann. Im Fall einer negativen Schaltsekunde wären es nur 59 Sekunden. Nicht alle Systeme sind auf solche Abweichungen ausgelegt.

Bereits bei früheren positiven Schaltsekunden kam es vereinzelt zu technischen Problemen bei Online-Diensten. Mit der neuen Regelung soll UTC deshalb langfristig kontinuierlicher und für digitale Systeme leichter berechenbar werden.

​Was bedeutet das für Österreich?

Für die Bevölkerung sind zunächst keine sichtbaren Auswirkungen zu erwarten. Uhren müssen nicht neu eingestellt werden, auch die Sommer- und Winterzeit bleibt von der Entscheidung unberührt.

In Österreich ist das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen für die Darstellung und Weitergabe der gesetzlichen Zeit zuständig. Das BEV beteiligt sich mit Atomuhren an internationalen Zeitvergleichen.

Österreich war auch bei den internationalen Beratungen vertreten. BEV-Vizepräsident Robert Edelmaier wies darauf hin, dass eine negative Schaltsekunde bislang nie erprobt wurde. Mit der neuen Regelung wird dieses Problem nun auf sehr lange Sicht verschoben.

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