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Ein schwindender Eisstrom am Fuße des Großglockners mit freiliegenden Felswänden und einem entstehenden Gletschersee
Die Pasterze verliert durch den dramatischen Rückgang der Eisdicke in den kommenden Monaten ihre Hauptzunge.
Die Pasterze verliert durch den dramatischen Rückgang der Eisdicke in den kommenden Monaten ihre Hauptzunge.
ÖAV Gletschermessdienst

Klimakrise: Österreich verliert bald größten Gletscher

02.07.2026 um 12:50, Marcel Toifl
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Der Alpenverein warnt vor dem baldigen Abriss der Pasterzenzunge. Damit verliert die Pasterze ihren Titel als größter Gletscher Österreichs an Tirol.

Die Pasterze, Österreichs bislang größter Gletscher, am Fuße des Großglockners, steht vor einer historischen Zäsur. Wie der Gletschermessdienst des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), die Nationalparkdirektion und die GeoSphere Austria am heutigen Donnerstag bekannt geben droht die 3,9 Kilometer lange Gletscherzunge in den kommenden Monaten endgültig von ihrem Nährgebiet abzureißen. Durch den rasanten Klimawandel ist die letzte verbleibende Eisverbindung über den sogenannten Hufeisenbruch zusehends dünner geworden. Passiert dies, ist die Pasterzenzunge nicht mehr der größte Gletscher Österreichs, sondern wird als isolierter Toteiskörper der vollständigen Schmelze preisgegeben.

Dramatischer Massenverlust seit den 1980er-Jahren

Die Expertisen der Wissenschaftler von der GeoSphere Austria belegen, dass das System seit Jahrzehnten kollabiert. Seit 1980 verzeichnet der Gletscher fast durchgehend eine negative Massenbilanz. Lag der Verlust über den gesamten Messzeitraum bis 2025 im Schnitt bei rund einem Meter Wasseräquivalent pro Jahr, so hat sich dieser Wert in der letzten Dekade auf 1,2 Meter (entspricht 1,2 Tonnen Eis pro Quadratmeter) beschleunigt. Andreas Kellerer-Pirklbauer, Leiter der jährlichen Längenmessungen vor Ort, untermauert das Schmelztempo mit konkreten Zahlen aus dem jüngsten Auswertungszeitraum: Laut Pirklbauer ist die Pasterzenzunge „von 2024 auf 2025 um 7,3 Meter eingesunken. Die dabei abgeschmolzenen 12,4 Millionen Kubikmeter Eis entsprächen einem Eiswürfel mit 231,5 Metern Kantenlänge.“

Besonders sichtbar wird das Schwinden am verbleibenden Eisband im Hufeisenbruch. Während die Verbindung im Jahr 2020 noch eine Breite von 230 Metern aufwies, wurden im August 2025 lediglich noch 120 Meter gemessen.

Hufeisenbruch erstmals seit 5.000 Jahren eisfrei

Für die Glaziologen markiert der bevorstehende Abriss des Gletschers ein Jahrtausendereignis, dessen zeitliche Punktlandung im Grunde zweitrangig ist. Die betroffene Felswand wird im Zuge dieses Prozesses ein historisches Gesicht offenbaren: „Wann genau die Gletscherzunge abreißt, hängt von vielen Faktoren ab. Höchstwahrscheinlich werden dann die Felswände im ehemaligen Eisbruch das erste Mal seit 5.000 Jahren komplett eisfrei sein. Die Pasterzenzunge wird dann endgültig vom Restgletscher getrennt sein und abschmelzen. Ob dies nun genau heuer oder ein bis zwei Jahre später sein wird, ist sekundär“, sind sich die Wissenschaftler einig.

Schon seit den 2010er-Anfangsjahren agiert die Zunge mangels Eisnachschubs aus den höheren Regionen wie ein Toteiskörper. Die gemessene Fließgeschwindigkeit betrug zuletzt nur noch verschwindend geringe 5,3 Meter pro Jahr – ein unumkehrbares Merkmal für das Ende eines aktiven Gletschersystems.

Tiroler Gletscher übernimmt den Titel als Nummer eins

Sobald die Trennung der Zunge vollzogen ist, verliert Kärnten das größte Eisfeld der Republik. Der neue Spitzenreiter liegt dann in Tirol: Der Gepatschferner im inneren Kaunertal (Ötztaler Alpen) wird per Definition zum flächenmäßig größten Gletscher Österreichs ernannt. Doch auch dort hinterlässt die globale Erwärmung tiefe Spuren. In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte der Tiroler Strom um knapp 300 Meter.

Trotz des Rückzugs gewinnt die Region im Nationalpark Hohe Tauern an einer neuen, dynamischen Biodiversität. Wo das ewige Eis weicht, bilden sich Gletscherseen, Schuttflächen werden von alpinen Pionierpflanzen besiedelt und erste Lärchenwälder entstehen. Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten, sieht darin eine transformative Aufgabe: „Wo sich das Eis zurückzieht, entstehen neue Seen wie der Pasterzensee, Pflanzen besiedeln die Schuttflächen und erste Bäume entwickeln sich zu jungen Lärchenwäldern. Diese sichtbare Dynamik ist Ausdruck jener natürlichen Entwicklung, die im Nationalpark bewusst zugelassen wird. Gleichzeitig wächst damit die Verantwortung, dieses einzigartige Gebiet gerade in Zeiten des Klimawandels und zunehmenden Freizeitdrucks bestmöglich zu schützen“, betont Pucker.

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